Kurzüberblick: Selge zählte zu den mächtigsten und bevölkerungsreichsten Städten des antiken Pisidien. Auf etwa 1.250 Metern Höhe im Taurus gelegen, befindet sich die Stätte heute innerhalb des Nationalparks Köprülü-Schlucht im Bezirk Manavgat unweit des Dorfes Altınkaya (Zerk). Berühmt ist die Stadt für ihr außerordentlich gut erhaltenes römisches Theater mit 10.000 Plätzen, die antike Eurymedonbrücke (Oluk-Brücke), die Tempel von Zeus und Artemis, ein Stadion und ein in die Natur eingewachsenes Stadtgefüge. Trotz dieser entlegenen Bergposition konnte Selge zeitweise ein Heer von 20.000 Mann aufstellen und gelangte durch den Export von Bauholz und Styrax-Harz zu Wohlstand. Die Stätte wurde nie systematisch ausgegraben, und viele moderne Dorfhäuser sind aus inschriftlich oder ornamental gestalteten Spolien errichtet — Selge ist damit ein lebendiges Palimpsest, in dem sich Antike und Gegenwart durchdringen.
- Warum ist Selge bedeutend?
- Geographie und Lage
- Historische Zeitleiste
- Wichtige Bauwerke und Monumente
- Wirtschaft und Handel
- Münzwesen
- Archäologische Forschung
- Besucherinformationen
- Häufig gestellte Fragen
- Quellen und weiterführende Literatur
Warum ist Selge bedeutend?
Selge nimmt einen besonderen Platz in der antiken Welt ein:
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Eine Bergfestung von außergewöhnlichem Reichtum. Während die meisten bedeutenden antiken Städte an Küsten oder in fruchtbaren Ebenen entstanden, gedieh Selge in einer der unwirtlichsten Landschaften Anatoliens auf über 1.000 Meter Höhe. Der antike Geograph Strabon berichtet, die Stadt habe 20.000 Soldaten ausheben können — eine bemerkenswerte militärische Kapazität für eine Siedlung so weit entfernt von Küste und Handelsachsen.
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Eines der besterhaltenen römischen Theater der Türkei. Das Theater von Selge wurde im 2. Jahrhundert n. Chr. erbaut; die Sitzreihen (Cavea) sind nahezu vollständig erhalten. Anders als die nahegelegenen Theater von Perge und Side wurde es nie restauriert und vermittelt damit ein authentisches Bild antiker Theater vor modernen Eingriffen.
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Die Eurymedonbrücke — ein Meisterwerk römischer Ingenieurskunst. Die antike Steinbrücke über den Eurymedon (Köprüçay) — 14 m lang, 3,5 m breit, mit einem einzigen Spitzbogen von etwa 7 m Spannweite — ist bis heute begehbar und gehört zu den besterhaltenen römischen Brücken der Türkei.
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Eine außergewöhnliche Naturkulisse. Inmitten des Nationalparks Köprülü-Schlucht verbindet Selge archäologische Bedeutung mit tiefen Schluchten, Kiefernwäldern, reißenden Flüssen und den eindrucksvollen Konglomerat-Felsformationen, die als „Adam Kayalar" (Manns-Felsen) bekannt sind.
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Diplomatische Begegnung mit Alexander dem Großen. Als Alexander 333 v. Chr. durch Pisidien zog, war Selge eine der wenigen Städte, die statt Widerstand eine Gesandtschaft schickte und Freundschaft sowie Autonomie aushandelte — ein Beleg für politische Reife und pragmatischen Überlebenswillen.
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Ein noch unausgegrabener Schatz. Selge wurde nie systematisch flächendeckend ausgegraben. Große Teile des Stadtgefüges ruhen unter der Oberfläche und unter dem modernen Dorf. Künftige Kampagnen können wichtige neue Erkenntnisse über pisidische Urbanistik, Wohnarchitektur und die Anbindung gebirgiger Gesellschaften an mediterrane Handelsnetze liefern.
Geographie und Lage
Selge liegt am Südhang des Taurus auf etwa 1.250 Metern Höhe, an einer Stelle, an der sich der Eurymedon (Köprüçay) durch eine dramatische Schluchtenlandschaft seinen Weg zur Mittelmeerküste bahnt. Die antike Stadt thront über der Köprülü-Schlucht — einer der tiefsten Flussschluchten der Türkei, an deren Flanken die Felswände über 400 Meter zum Fluss abfallen.
Ein Teil des antiken Areals wird heute vom Dorf Altınkaya (vormals Zerk — eine Form, in der sich der antike Name über Jahrtausende sprachlich gehalten hat) bedeckt. Selge liegt rund 12 Kilometer nördlich des Besucherzentrums der Köprülü-Schlucht und ist über eine kurvenreiche Bergstraße erreichbar, die atemberaubende Ausblicke auf Schlucht, Fluss und Gebirgsumland bietet.
Charakteristisch für die Landschaft sind die als „Adam Kayalar" bezeichneten Konglomerat-Felsformationen. Diese Erosionssäulen, entstanden über Jahrmillionen aus antiken Flussablagerungen, verleihen der Landschaft einen surrealen, skulpturalen Charakter.
Die Region ist dicht mit mediterranen Kiefern (insbesondere der Schwarzkiefer), Zedern (auch der heimischen Taurus-Zeder) und Macchia bewachsen. Der von Bergquellen und Karstwasser gespeiste Eurymedon bildete einerseits eine natürliche Verteidigungslinie — die Schlucht war außer an den Brückenstellen praktisch unpassierbar — und andererseits den Transportkorridor für den Holzexport zur Küste.
Das Klima ist auf dieser Höhe deutlich kühler als in der Küstenebene: Die Sommer sind warm, aber erträglich (typischerweise 25–30 °C gegenüber 35–40+ °C an der Küste), die Winter bringen Schnee und gelegentliche Straßensperrungen. Die beste Reisezeit liegt zwischen Mai und Oktober, wobei Juni und September die ideale Kombination aus angenehmen Temperaturen und passierbaren Wegen bieten.
Historische Zeitleiste
Gründung und mythische Ursprünge
Nach Strabon wurde Selge von Spartanern gegründet; er fügt jedoch hinzu, sie sei bereits zuvor von Kalchas gegründet worden, dem mythischen Seher des Trojanischen Krieges, der später im ionischen Klaros starb. Diese doppelte Gründungslegende deutet sowohl auf griechische Koloniepräsenz als auch auf eine ältere anatolische Vorbesiedlung hin. Die spartanische Verbindung — wenn sie historisch ist — könnte das außergewöhnliche militärische Ansehen und die harte Unabhängigkeit Selges erklären.
Der Stadtname dürfte aus einer einheimischen anatolischen Sprache vor der griechischen Kolonisation stammen. Archäologische Belege zeigen eine Besiedlung seit mindestens dem 7. Jahrhundert v. Chr.
Klassische und hellenistische Zeit (5.–1. Jh. v. Chr.)
Selge entwickelte sich zu einer der mächtigsten Städte Pisidiens, bekannt für strenge Unabhängigkeit und beachtliche militärische Stärke:
- 5. Jh. v. Chr.: Selge beginnt mit der Prägung eigener Silber- und Bronzemünzen — ungewöhnlich früh für eine pisidische Stadt und Zeichen wirtschaftlicher Reife und politischen Selbstbewusstseins.
- 333 v. Chr.: Während Alexanders Zugs durch Pisidien leisteten die meisten Städte heftigen Widerstand. Selge wählte den diplomatischen Weg, schickte eine Gesandtschaft mit Geschenken und Bündnisangebot. Alexander nahm an, die Stadt bewahrte ihre Autonomie.
- 218 v. Chr.: Der seleukidische Rebellengeneral Achaios, der sich in Westkleinasien als unabhängiger Herrscher etabliert hatte, belagerte Selge. Der Historiker Polybios liefert in Buch V seiner Historiai eine bemerkenswert detaillierte Darstellung: Er beziffert die Einwohnerschaft auf etwa 20.000 und beschreibt, wie die Stadt nach hartem Widerstand schließlich verhandelte.
- 2.–1. Jh. v. Chr.: Selge behält seine Unabhängigkeit und prägt weiterhin Münzen, während die Umgebung zunehmend unter römischen Einfluss gerät.
Römische Zeit (1. Jh. v. Chr. – 4. Jh. n. Chr.)
Unter römischer Herrschaft bewahrte Selge mehr Autonomie als die meisten pisidischen Städte und prägte bis ins 3. Jh. n. Chr. eigene Münzen:
- 1.–2. Jh. n. Chr.: Bau des großen Theaters (10.000 Plätze), des Stadions und der großen Tempelanlagen für Zeus und Artemis. Diese Monumentalbauten belegen, dass Selge selbst auf 1.250 Meter Höhe über genügend Reichtum und Bevölkerung für großangelegte öffentliche Architektur verfügte.
- 2. Jh. n. Chr.: Bau der Eurymedonbrücke (Oluk-Brücke), wodurch die Anbindung der Bergstadt an die pamphylische Küstenebene verbessert wurde.
- Hadrianische Zeit (117–138 n. Chr.): Münzbelege zeigen, dass Selge weiterhin ein blühendes Zentrum war.
- 3. Jh. n. Chr.: Wie viele anatolische Städte gerät Selge im Zuge wirtschaftlicher Instabilität und zunehmenden äußeren Drucks in den Niedergang.
Spätantike und Byzanz (4.–7. Jh. n. Chr.)
Ein schweres Erdbeben Ende des 4. Jahrhunderts zerstörte die Aquädukte und unterband damit die Wasserversorgung, die auf dieser Höhe das städtische Leben überhaupt erst ermöglicht hatte. Die Aquädukte wurden nicht wiederaufgebaut — eine Entscheidung (oder ein Versäumnis), die Selges Schicksal besiegelte.
Dennoch blieb die Stadt im byzantinischen Zeitraum bedeutsam:
- Die Reste fünf Kirchen belegen eine christliche Gemeinschaft, die sich nach dem Erdbeben unter eingeschränkten Bedingungen weiterhin hielt
- Selge fungierte zeitweise als Bischofssitz
- Mindestens ein Tempel (wahrscheinlich der Zeustempel) wurde in eine Kirche umgewandelt
- In den folgenden Jahrhunderten wanderte die Bevölkerung schrittweise in besser erreichbare Tieflandsiedlungen ab; in den Ruinen blieb nur das Dorf Zerk (das spätere Altınkaya) bestehen
Wichtige Bauwerke und Monumente
Theater
Das Theater ist das Kronjuwel der Stadt und gehört zu den besterhaltenen römischen Theatern der Südtürkei:
- Datierung: im 2. Jh. n. Chr. nach hellenistisch-römischem Schema errichtet
- Kapazität: etwa 10.000 Zuschauer — beachtlich für eine Bergstadt
- Aufbau: Die Cavea lehnt sich an den natürlichen Hang an und nutzt das Gefälle des Geländes. Die Sitzreihen sind weitgehend ungestört erhalten
- Skene (Bühnenhaus): zerstört; Fundamentmauern und Architekturfragmente (Säulentrommeln, Gebälkblöcke, dekorative Profile) sind sichtbar
- Aussicht: Vom Theater bietet sich ein grandioses Panorama auf das umliegende Gebirge, das Eurymedon-Tal und die Adam-Kayalar-Felsen — eine der eindrucksvollsten Theaterlagen der antiken Welt
- Akustik: Bis heute hervorragend; vom Orchester aus ist Sprache deutlich bis in die oberen Reihen vernehmbar
Stadion
Unterhalb und südlich des Theaters lag das Stadion: eine U-förmige Anlage von etwa 230 Metern Länge, in der Wettkämpfe und Feste stattfanden. Stadien sind in pisidischen Städten relativ selten, was den Befund in Selge besonders wichtig macht.
Zeustempel
Auf dem Akropolisareal wurden die Reste eines Zeus-Tempels identifiziert. Zeus war die Hauptgottheit Selges. Die hohe Lage in einer „über den Wolken" errichteten Stadt trägt symbolisch die typische Verbindung zwischen dem Bergsturmgott und den Höhen.
Artemistempel
Ein zweiter großer Tempel war Artemis, der Göttin der Jagd und der Wildnis, gewidmet — eine angemessene Schutzgottheit für eine wildreiche, von dichten Wäldern umgebene Bergstadt. Erhalten sind Säulenfragmente, Architekturblöcke und Inschriftensteine.
Agora
Die Agora als Handels- und Verwaltungszentrum lag auf einer relativ ebenen Fläche nahe der Akropolis. Hier versammelten sich die Bürger für Handel, politische Versammlungen, Rechtsgeschäfte und gesellschaftliches Leben.
Odeion
In Nähe der Agora diente das Odeion (überdachter Kleintheaterbau) Musikaufführungen, Lesungen und kleineren bürgerlichen Versammlungen. Der überdachte Raum bot bessere Akustik für Sprechkunst und Schutz gegen die Bergluft.
Stadtmauern und Befestigungen
Selge war durch ein Mauersystem geschützt, das die natürlichen Geländegegebenheiten nutzte. Die natürlichen Schluchten und Steilabhänge auf mehreren Seiten erforderten nur eine begrenzte Mauerlänge, um einen verteidigungsfähigen Stadtkern abzugrenzen.
Eurymedonbrücke (Oluk-Brücke)
Etwa 3 Kilometer südlich des Stadtzentrums überquert diese römerzeitliche Brücke in einem einzigen Spitzbogen den Eurymedon:
- Maße: 14 m lang, 3,5 m breit, 2,5 m Fahrbahnbreite, ca. 7 m Bogenspannweite
- Bauweise: behauene Steinquader im Spitzbogenschema, anpassungsfähig an die Kräfte eines Gebirgsflusses
- Heutiger Name: Oluk-Brücke — nach der über die Oberfläche laufenden Wasserrinne
- Zustand: Steht weiterhin und ist zu Fuß passierbar; Zeugnis der Haltbarkeit römischer Ingenieurskunst nach fast 1.900 Jahren
Aquädukte und Zisternen
Die Wasserversorgung war an ein Aquäduktsystem geknüpft, das Wasser aus Bergquellen heranführte. In den Fels geschlagene Zisternen sind an vielen Stellen sichtbar. Das schwere Erdbeben im späten 4. Jh. zerstörte die Aquädukte; ihre Nichtinstandsetzung war der wesentliche Grund für die endgültige Aufgabe der Stadt.
Wirtschaft und Handel
Bemerkenswert für eine derart abgelegene Bergstadt war der vielschichtige wirtschaftliche Unterbau Selges:
Bauholz
Die dichten mediterranen Kiefern- und Taurus-Zedernwälder lieferten reichlich Holz, das zum Hauptexportgut wurde. Die Stämme wurden über den Eurymedon zum Aspendos in der Küstenebene geflößt und von dort in verschiedene Regionen des östlichen Mittelmeers verschifft, insbesondere nach Ägypten, wo holzarme Schiffsbauindustrien große Nachfrage hatten.
Styrax-Harz (Storax)
Der in den feuchten Tälern und Flussufern um Selge heimische Amberbaum (Liquidambar orientalis) lieferte ein duftendes Balsamharz, das in der Antike für Parfüm, Räucherwerk und Medizin hoch geschätzt wurde. Strabon nennt es ausdrücklich als wesentliche Einnahmequelle Selges.
Wein und Olivenöl
Trotz der Höhenlage erlaubten die Umgebung und die tieferen Täler Wein- und Olivenanbau.
Viehwirtschaft
Die Bergweiden der Umgebung trugen beachtliche Schaf- und Ziegenherden. Pastoralwirtschaft bildete das Rückgrat der pisidischen Hochlandwirtschaft.
Münzwesen
Selge prägte von mindestens dem 5. Jh. v. Chr. bis ins 3. Jh. n. Chr. eigene Münzen — eine ungewöhnlich lange Prägeperiode für eine pisidische Stadt und deutlicher Beleg für wirtschaftliche Stabilität und politische Eigenständigkeit:
Frühe Münzen (5.–4. Jh. v. Chr.):
- Ringerpaare — spiegeln die von der pisidischen Oberschicht übernommene griechische Athletenkultur
- Triskeles — dreibeiniges Drehsymbol
- Gorgonenköpfe — apotropäisches Motiv
- Hirsche und Wildschweine — mit der Jagd in den Taurus-Wäldern verbundene Tiere
Spätere römerzeitliche Münzen (1.–3. Jh. n. Chr.):
- Zeus sitzend oder stehend, bestätigt seine Stellung als Hauptgottheit
- Artemis mit Jagdattributen
- Herakles bei seinen Aufgaben
- Kaiserporträts der jeweils regierenden römischen Herrscher
Archäologische Forschung
Selge weckte seit dem 19. Jahrhundert das wissenschaftliche Interesse, wurde aber nie umfassend systematisch ausgegraben — was es zu einer der bedeutendsten unausgegrabenen antiken Städte der Türkei macht:
- 1842: Europäische Reisende dokumentieren die Ruinen erstmals und vermerken Theater und Eurymedonbrücke.
- 1886: Der polnische Graf, Historiker und Forschungsreisende Karol Lanckoroński besuchte Selge im Rahmen seiner ausführlichen Untersuchung Pamphyliens und Pisidiens und fertigte den ersten detaillierten Plan an. Sein monumentales Werk Städte Pamphyliens und Pisidiens (1890–1892) bleibt ein Grundlagentext.
- Moderne Zeit: Türkische Behörden führen Konservierungsarbeiten vor allem am Theater und an der Eurymedonbrücke durch. Die Stätte steht innerhalb des Nationalparks Köprülü-Schlucht unter Schutz.
- Dorfarchäologie: Zahlreiche Häuser in Altınkaya enthalten inschriftlich oder ornamental gestaltete Spolien aus der antiken Stadt: Säulentrommeln als Gartenmauer, Inschriftblöcke als Schwellen, Zierkonsolen als Konsolenträger.
Besucherinformationen
Anreise
DACH-Direktflüge: Direktflüge von Frankfurt, München, Wien oder Zürich nach Antalya machen Selge bequem erreichbar. Von Antalya aus sind es etwa 90 km.
Von Antalya (ca. 90 km): Auf der D-400 ostwärts Richtung Manavgat/Side, an der Abzweigung Köprülü-Schlucht (bei Belek/Serik) nach Norden abbiegen. Folgen Sie der Schluchtstraße etwa 45 km, überqueren Sie den Eurymedon über die antike und die moderne Brücke und fahren Sie nach dem Besucherzentrum noch rund 12 km die kurvige Bergstraße hinauf nach Altınkaya (Zerk).
Von Side/Manavgat (ca. 70 km): Über Taşağıl nordwärts und weiter zur Köprülü-Schlucht und nach Selge.
Die letzten 12 km sind eine schmale, kurvenreiche Bergstraße. Sie ist asphaltiert, erfordert aber bei Blindecken und Gegenverkehr besondere Vorsicht. Planen Sie für diesen Abschnitt mindestens 45 Minuten ein.
Beste Reisezeit
- Mai–Juni: Ideale Witterung, Wildblumen, grüne Landschaft, nach der Schneeschmelze gut gefüllte Flüsse
- September–Oktober: Angenehme Temperaturen, das warme Herbstlicht hebt die Steinruinen hervor
- Juli–August: Heiß, aber auf dieser Höhe erträglich; in der Schlucht Hauptsaison für Wildwasserrafting
- November–April: Schneefall von Dezember bis März möglich; die Bergstraße kann im Winter unpassierbar sein
Dauer
Für die archäologische Stätte sollten 2 bis 4 Stunden eingeplant werden; zuzüglich Anfahrt. Eine kombinierte Tour mit Köprülü-Schlucht und Eurymedonbrücke ergibt einen lohnenden Tagesausflug, der Archäologie, Natur und Abenteuer verbindet.
Einrichtungen
Im Dorf Altınkaya gibt es einige kleine, familiengeführte Lokale mit traditioneller türkischer Bergküche — frische Forelle aus dem Eurymedon, Ziegenkäse, frisches Brot, Bauernsalat und süßer Tee. Wer übernachten möchte, findet einfache Pensionen. An der Stätte selbst gibt es weder Kasse, Besucherzentrum noch Informationstafeln. Da das Gelände felsig und stellenweise steil ist, sind feste Wanderschuhe Pflicht.
Kombination mit der Köprülü-Schlucht
Selge lässt sich am besten als Teil eines umfassenden Schluchtbesuchs erleben:
- Wildwasserrafting auf dem Köprüçay (Eurymedon) — eines der beliebtesten Raftingziele der Türkei
- Oluk-Brücke — die römische Eurymedonbrücke, zu Fuß zugänglich
- Wanderwege im Nationalpark, einschließlich Abschnitten des St.-Paulus-Wegs
- Schwimmen im klaren, kalten Gebirgsfluss
- Canyoning in den Nebenschluchten für Abenteuerlustige
Häufig gestellte Fragen
Wie schwer ist Selge erreichbar?
Die asphaltierte Bergstraße ist mit normalen Pkw befahrbar, erfordert aber an engen, kurvenreichen Abschnitten und bei begrenzten Leitplanken eine sichere Fahrweise. Die Fahrt vom Schluchtboden bis Altınkaya dauert ca. 45 Minuten und ist mit eindrucksvollen Schlucht- und Bergpanoramen Teil des Erlebnisses. Bei schlechtem Wetter oder bei Dunkelheit sollte man die Strecke nicht antreten.
Ist Selge familienfreundlich?
Ja, aber mit Vorsicht. Im Theaterbereich gibt es ungesicherte, mehrere Meter tiefe Abbrüche. Das Gelände ist uneben, felsig und mit antiken Mauerfundamenten sowie offenen Zisternen durchsetzt. Kinder müssen besonders im Bereich der Sitzreihen, Klippenkanten und ungekennzeichneten Zisternen aufmerksam beaufsichtigt werden.
Was ist die Verbindung zwischen Selge und Alexander dem Großen?
Während Alexanders Pisidien-Feldzug 333 v. Chr. leisteten die meisten Städte heftigen Widerstand (Termessos widersetzte sich, Sagalassos wurde im Kampf eingenommen). Selge wählte den diplomatischen Weg, schickte eine Gesandtschaft mit Geschenken und Bündnisangebot. Alexander nahm an, die Stadt bewahrte ihre Autonomie und blieb von Zerstörung verschont.
Lassen sich Selge und Köprülü-Schlucht an einem Tag besuchen?
Ja — und das ist der gängigste Ansatz. Eine typische Tagestour von Antalya oder Side umfasst die Eurymedonbrücke (Oluk-Brücke), Rafting oder Schluchtwanderung, ein Mittagessen mit frischer Forelle am Flussufer und am Nachmittag die Fahrt nach Selge. Früh starten (gegen 8:00 Uhr) lohnt sich.
Was geschah mit Selge und warum wurde es aufgegeben?
Der Wendepunkt war ein zerstörerisches Erdbeben Ende des 4. Jh. n. Chr., das die Aquädukte der Stadt zum Einsturz brachte. Ohne zuverlässige Wasserversorgung konnte die Bevölkerung die städtische Infrastruktur in dieser Höhe nicht aufrechterhalten. Die Stadt verfiel in den folgenden Jahrhunderten, die Bevölkerung wanderte schrittweise in besser erreichbare Tieflandorte ab. Das Dorf Zerk (das spätere Altınkaya) blieb als kleines ländliches Gemeinwesen inmitten der Ruinen erhalten.
Was ist der St.-Paulus-Weg?
Der St.-Paulus-Weg ist ein 500 km langer Fernwanderweg von Perge (bei Antalya) nach Yalvaç (das antike Pisidische Antiochia). Er folgt grob der Route, die der Apostel Paulus auf seiner ersten Missionsreise nahm. Der Weg führt durch die Köprülü-Schlucht und in der Nähe Selges vorbei — ein natürlicher Rastpunkt für Fernwanderer.
Architektonische Maße und technische Details
Die Monumentalbauten Selges zeigen die Macht und den Wohlstand einer Bergstadt auf 1.000 m Höhe:
| Bauwerk | Maß / Kapazität | Besonderheit |
|---|---|---|
| Theater | 104 m Durchmesser, ~10.000 Plätze | Wiederaufbau im 3. Jh. n. Chr.; zwischen zwei Hügeln |
| Stadion | 90 × 28 m | Großteil unter moderner Bebauung; ein Mauerrest sichtbar |
| Agora | ca. 60 × 40 m (geschätzt) | von Stoa-Resten umgeben |
| Stadtmauern | ca. 2,5 km Umfang | gesamtes Stadtgebiet samt Akropolis einschließend |
| Zeustempel | Fundamentreste | Stadtschutzgottheit |
| Artemistempel | Fundamentreste | aus Münzen belegter wichtiger Kult |
Details zum Theater:
- Cavea: 46 Sitzreihen — 30 unter dem Diazoma, 15 darüber (+ 1 Diazoma-Reihe)
- Durchmesser: 104 m (vergleichbar mit Aspendos)
- Bühnenhaus (scaenae frons): zweistöckig, säulenverziert (Großteil zerstört)
- Lage: an den natürlichen Hang zwischen zwei Hügeln angelehnt; akustisch ideal
- Baugeschichte: ursprünglich hellenistisch; im 3. Jh. n. Chr. umfassend römisch erneuert
- Aussicht: Taurus-Panorama; eine der eindrucksvollsten Theaterlagen der antiken Welt
Stadion: Unmittelbar neben dem Theater; heute größtenteils unter moderner Bebauung verborgen. Nur ein Mauerrest entlang einer Seite ist sichtbar. Die ursprüngliche Kapazität ist unbekannt.
Münzen und numismatische Belege
Selge ist eine reiche Stadt mit eigener Münzprägung vom 5. Jh. v. Chr. bis ins späte Römische Reich:
| Periode | Vorderseite | Rückseite | Metall |
|---|---|---|---|
| 5.–4. Jh. v. Chr. | Zwei ringende Figuren | Schleuderer | Silberstater |
| 4.–3. Jh. v. Chr. | Heraklesporträt (Löwenfell) | Zeus sitzend, mit Adler | Silberstater |
| 3.–2. Jh. v. Chr. | Artemisporträt | Hirsch, Inschrift ΣΕΛΓΕΩΝ | Silberdrachme |
| Römische Zeit | Kaiserporträt | Storaxbaum | Bronze |
Storax-Motiv: Charakteristischstes Element der Selge-Münzen ist die Darstellung des Storaxbaums. Sein Harz war in der Antike ein wertvolles Handelsgut:
- in Parfüm- und Räucherwerkproduktion verwendet
- zu medizinischen Zwecken (Antiseptikum, Expektorans)
- Hauptexportgut Selges
- nach antiken Quellen galt der Storax aus der Region Selge als der qualitativ hochwertigste
Schleuderer (Slingers): Die auf frühen Münzen dargestellten Schleuderer verweisen auf die berühmten leichten Infanterieeinheiten Selges. Die Schleuderer von Selge wurden als Söldner in verschiedenen Kriegen der antiken Welt eingesetzt.
Polybios und die Belagerung von 218 v. Chr.
Der griechische Historiker Polybios (Historiai V) schildert die große Belagerung Selges 218 v. Chr. ausführlich:
Ablauf:
- Selge geriet mit der Nachbarstadt Pednelissos in Grenzstreit
- Pednelissos rief den seleukidischen Kommandanten Garsyeris unter Achaios zu Hilfe
- Garsyeris belagerte Selge mit einem 8.000 Mann starken Heer
- Die Bevölkerung verteidigte sich geschlossen — Männer, Frauen und Kinder
- Garsyeris kontrollierte durch List die Aquädukte
- Die Stadt kapitulierte und zahlte 700 Talente Tribut (etwa 18 Tonnen Silber)
- 400 Geiseln wurden gestellt; die innere Eigenständigkeit blieb gewahrt
Bedeutung: Die Höhe von 700 Talenten Tribut belegt den außergewöhnlichen Reichtum Selges. Zum Vergleich: Das jährliche Einkommen Athens betrug auf seinem Höhepunkt etwa 400 Talente. Dass Selge eine solche Summe zahlen und gleichzeitig fortbestehen konnte, zeigt die Größe seiner Einnahmen aus Holz-, Styrax- und Viehwirtschaft.
Alexander der Große und die Diplomatie Selges (333 v. Chr.)
Die Haltung verschiedener Städte während Alexanders Pisidien-Feldzug:
| Stadt | Haltung | Folge |
|---|---|---|
| Termessos | Durchzug verweigert | Alexander brach die Belagerung ab |
| Sagalassos | Krieg | Im Sturm erobert und geplündert |
| Selge | Diplomatie: Gesandtschaft, Geschenke, Bündnis | Autonomie bewahrt, keine Zerstörung |
| Kremna | Widerstand | Erobert und mit Garnison belegt |
Selges diplomatischer Erfolg zeigt nicht nur militärische, sondern auch politische Intelligenz. Im Vertrauen auf die natürliche Wehrhaftigkeit setzte die Stadt auf Verhandlung statt Krieg und bewahrte zugleich Unabhängigkeit und Existenz.
Quellen und weiterführende Literatur
- Wikipedia DE — Selge
- Wikipedia EN — Selge
- Türkisches Kulturministerium — Selge Antik Kenti
- Deutsches Archäologisches Institut (DAI), dainst.org — Pisidien-Forschung
- Österreichisches Archäologisches Institut (ÖAI), oeai.at — Selge-Untersuchungen
- Turkish Archaeological News — Selge
- Pisidia Heritage Trail — Selge
- Ancient Theatre Archive — Selge Theatre
- Lanckoroński, K. G. — Städte Pamphyliens und Pisidiens (1890–1892)
- Strabon — Geographica, Buch XII
- Polybios — Historiai, Buch V (Belagerung von Selge, 218 v. Chr.)
