Side

Die große Hafenstadt Pamphyliens, wo Ruinen auf das Meer treffen

20 Min. Lesezeit

Zusammenfassung: Side (in der einheimischen vorgriechischen Sprache „Granatapfel") ist die größte und bedeutendste Hafenstadt Pamphyliens, errichtet auf einer kleinen, ins Mittelmeer ragenden Halbinsel. Bekannt ist sie für den Apollontempel am Meer, das auf gewölbten Substruktionen statt am Hang erbaute römische Theater für 15.000 bis 17.000 Zuschauer und ihre einzigartige Verschmelzung von modernem Leben und antiken Ruinen. Seit 1947 wird hier ununterbrochen gegraben. Side war in der Antike Handels- und Kulturzentrum und im 1. Jahrhundert v. Chr. zugleich berüchtigt für Piraterie und Sklavenhandel. Die 2023 abgeschlossene Restaurierung des Athenatempels verleiht dem küstennahen Heiligtum eine dramatische neue Wirkung. Die Stätte ist Teil der türkischen Kandidatur „Antike Theater" auf der UNESCO-Welterbe-Vorschlagsliste.

  1. Warum Side bedeutsam ist
  2. Geographie und Lage
  3. Historische Zeittafel
  4. Wichtigste Bauwerke
  5. Apollontempel
  6. Theater
  7. Side-Museum
  8. Archäologische Arbeiten
  9. Besucherinformationen
  10. Häufig gestellte Fragen
  11. Quellen

Warum Side bedeutsam ist

Side nimmt unter den antiken Städten Anatoliens aus mehreren Gründen eine besondere Stellung ein.

  1. Eine Stadt auf dem Meer. Durch ihre Lage auf einer Halbinsel entsteht ein dramatisches Verhältnis zum Mittelmeer, das den meisten Inlandsstädten der Antike fehlt. Tempel, Hafenmauern, Säulenstraßen und Stadtmauern wurden in unmittelbarem Dialog mit dem Meer geplant — was selbst heutigen Besuchern eine starke visuelle Wirkung verleiht.

  2. Das größte Theater Pamphyliens. Mit einer Kapazität von 15.000 bis 17.000 Plätzen war es das größte der Region. In Anatolien einzigartig: Es wurde nicht in einen Hang gegraben, sondern auf ebenem Boden über einem System aus tonnengewölbten Substruktionen errichtet — eine römische Ingenieurleistung höchsten Ranges.

  3. Eine lebendige archäologische Stätte. Anders als die meisten antiken Städte der Türkei ist Side keine verlassene Ruinenstätte. Das moderne Side liegt direkt auf und um die antike Stadt. Wer durch Side spaziert, begegnet antiken Säulen, Inschriften und Mauerresten zwischen Läden und Restaurants. Diese außergewöhnliche Koexistenz macht Side zu einem atmosphärischen Reiseziel ohnegleichen.

  4. Ein dunkles Kapitel: Piraterie und Sklaverei. Im 1. Jahrhundert v. Chr. wurde Side zu einem berüchtigten Zentrum des mittelmeerischen Sklavenhandels und der Piraterie. Die große Handelsagora wird traditionell mit dieser Tätigkeit in Verbindung gebracht. Diese Geschichte macht Side nicht allein wegen seiner Architektur, sondern auch zum Verständnis der Komplexität antiker Mittelmeerwirtschaft wichtig.

  5. Ununterbrochene Grabungen seit 1947. Side wird seit nahezu acht Jahrzehnten systematisch erforscht und gehört damit zu den längsten Grabungsprojekten der Türkei; dies erlaubt ein außergewöhnlich tiefes Verständnis der städtischen Entwicklung über die Jahrhunderte.

  6. Das Heilige Hafenviertel. Jüngere Forschungen zeigen, dass die Halbinselspitze nicht nur die Tempel des Apollon und der Athena umfasste, sondern ein ausgedehntes Heiligtum mit weiteren Sakralbauten — heute als Tempelbezirk oder „Heiliges Hafenviertel" bezeichnet — und so unser Bild der religiösen Landschaft Sides erweitert.

Geographie und Lage

Side liegt an der Küste der antiken Landschaft Pamphylien, im heutigen Landkreis Manavgat, auf einer kleinen, ins Mittelmeer reichenden Halbinsel. Diese ist etwa einen Kilometer lang und an ihrer breitesten Stelle 400 Meter breit.

Die Geographie hat den Charakter der Stadt unmittelbar geprägt:

  • Die Halbinsel bot beidseits natürlichen Schutz und zwei eigenständige Hafenbecken.
  • Die schmale Landverbindung machte die Stadt außerordentlich verteidigungsfähig — eine einzige Mauer am Hals der Halbinsel sicherte die gesamte Siedlung.
  • Die Lage der Tempel an der Halbinselspitze schuf eine der dramatischsten sakralen Landschaften des antiken Mittelmeers.
  • Das relativ ebene Gelände der Halbinsel zwang dazu, das Theater auf Substruktionen statt am Hang zu errichten.

Die umgebende pamphylische Küste ist flach und sandig; dahinter erstreckt sich die fruchtbare Ebene von Manavgat, im Norden steigen die Taurusberge auf. Der Manavgat-Fluss (antike Melas) mündet östlich der Stadt ins Meer und versorgte die Stadt mit Süßwasser und landwirtschaftlichem Hinterland.

Die Küstenlage machte Side zugleich anfällig für Bedrohungen vom Meer — was teils die Verbindung zur Piraterie wie auch die umfangreichen Befestigungsanlagen erklärt. Die Halbinselposition war Vorteil und Schwäche zugleich: hervorragend für Verteidigung und Handel, aber dem Angriff vom Meer ausgesetzt.

Historische Zeittafel

Vorgriechische Besiedlung (vor dem 7. Jh. v. Chr.)

Bereits der Name belegt eine vorgriechische Siedlung. „Side" stammt nicht aus dem Griechischen, sondern aus einer einheimischen anatolischen Sprache und bedeutet „Granatapfel". Antike Quellen berichten, dass die frühesten Siedler eine eigene Sprache und Schrift entwickelten — das Sidetische. Diese sprachliche Eigenständigkeit ist bemerkenswert und unterscheidet Side von den meisten Städten der Region. Sidetische Inschriften finden sich auf Münzen und Steinmonumenten; die Sprache ist bis heute nur teilweise entschlüsselt.

Griechische Kolonisation und archaische Zeit (7.–5. Jh. v. Chr.)

Nach antiker Überlieferung ließen sich griechische Siedler aus Kyme in Aiolis wahrscheinlich im 7. Jahrhundert v. Chr. in Side nieder. Der Überlieferung zufolge „vergaßen" die Siedler ihr Griechisch und übernahmen die einheimische Sprache — ein bemerkenswertes Detail, das vermuten lässt, dass die ansässige Bevölkerung die Neuankömmlinge kulturell absorbierte und nicht umgekehrt. Diese ungewöhnliche kulturelle Dynamik macht Side zu einem wichtigen Fallbeispiel antiker Kolonisationsprozesse.

Klassische Zeit (5.–4. Jh. v. Chr.)

Im 5. Jahrhundert v. Chr. fiel Side unter persische Herrschaft und geriet später in den Einfluss der athenischen Seemacht. Die Stadt nahm an den komplexen geopolitischen Kämpfen des östlichen Mittelmeers teil. Als Alexander der Große 333 v. Chr. durch Pamphylien zog, öffnete Side seine Tore widerstandslos und akzeptierte friedlich die makedonische Kontrolle — eine pragmatische Entscheidung, die der Stadt das Schicksal widerstrebender Gemeinwesen ersparte.

Hellenismus (3.–1. Jh. v. Chr.)

Unter den aufeinanderfolgenden hellenistischen Reichen — Ptolemäer, Seleukiden und den Attaliden von Pergamon — wuchs Side. Sein Hafen wurde zu einem der geschäftigsten des östlichen Mittelmeers. Der Reichtum der Stadt zog sowohl legitime Kaufleute als auch weniger gesetzestreue Akteure an. Die erste große Monumentalbauphase begann in dieser Epoche.

Das Piratenzeitalter (2.–1. Jh. v. Chr.)

Im 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. war Side eng mit den kilikischen Piraten verbunden, die das östliche Mittelmeer beherrschten. Die Stadt fungierte als großes Zentrum des Sklavenhandels; Gefangene aus Raubzügen wurden auf ihrer Agora verkauft. Antike Autoren — vor allem Strabon — beschreiben Side als Ort, an dem Piraterie und Sklavenhandel mit Wissen und Mitwirkung der Bürgerschaft offen betrieben wurden.

Der Geograph berichtet, Side habe „Werften" besessen, in denen Piraten ihre Schiffe bauten und einstellten, und der Sklavenmarkt habe bei Tageslicht offen operiert. Dieses dunkle Kapitel ist integraler Bestandteil der Geschichte Sides und liefert wichtige Belege für Umfang und Organisation antiker Piraterie und Sklavenwirtschaft.

Dieses Zeitalter endete erst durch den berühmten Feldzug des Pompeius Magnus gegen die mediterrane Piraterie 67 v. Chr.; die Piratennetze wurden zerschlagen und unter römischer Aufsicht die Ordnung wiederhergestellt.

Römische Kaiserzeit (1. Jh. v. Chr. – 4. Jh. n. Chr.)

Die Pax Romana brachte Side seine größte Blütezeit. Im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. entstanden oder wurden die meisten heute sichtbaren Bauten ausgestattet: Theater, Apollon- und Athenatempel, das große Nymphäum, das Monumentaltor, die Säulenstraße, Agora und gewaltige Thermenanlagen.

Side trug den Ehrentitel Neokoros (Tempelwächterin) für Städte mit kaiserzeitlichen Kulttempeln und konkurrierte intensiv mit Perge und Aspendos um regionalen Vorrang. Dieser Wettstreit ist in Inschriften überliefert, in denen Side seine Vormachtstellung verkündete.

Byzantinische Zeit (5.–10. Jh. n. Chr.)

Das Christentum verwandelte Side. Nahe dem Hafen entstand eine große Basilika, Tempel wurden umgewidmet oder durch neue Bauten ersetzt, die Stadt wurde wichtiger Bischofssitz und später Erzbischofssitz. Die große römische Therme an der Agora wurde zu einem Kirchen- und Verwaltungskomplex umgestaltet.

Im 7. Jahrhundert führten arabische Vorstöße und die allgemeine Unsicherheit der Mittelmeerküste zu einem deutlichen Schrumpfen. Hinter einer neuen Innenmauer überlebte nur ein Bruchteil der ursprünglichen Stadt — Zeichen eines dramatischen Bevölkerungsrückgangs.

Aufgabe und moderne Wiederbesiedlung

Bis zum 10. Jahrhundert war Side weitgehend verlassen. Ende des 19. Jahrhunderts ließen sich türkische Migranten aus Kreta auf den Ruinen nieder und gründeten ihr Dorf direkt zwischen und über den antiken Bauten. So entstand das moderne Side, das seit den 1960er Jahren durch den Tourismus rasch wuchs und die heutige einzigartige Verzahnung von Archäologie und Alltag hervorbrachte.

Wichtigste Bauwerke

Großes Tor und Stadtmauern

Das monumentale Haupttor auf der Landseite (Norden) bildete den offiziellen Stadtzugang. Ein dreifach gewölbter Durchgang zwischen Türmen mit einem vorgelagerten Hof. In der Nähe steht das Vespasian-Monument, ein dekorativer Brunnenbogen zu Ehren des Kaisers.

Die vom Tor ausgehenden Stadtmauern, die den Hals der Halbinsel queren, gehören zu den auffälligsten antiken Elementen. Sie wurden mehrfach verstärkt; bedeutsam ist eine byzantinische Innenmauer aus dem 7. Jahrhundert, die das Schrumpfen der Stadt im unsicheren Zeitalter belegt.

Großes Nymphäum

Unmittelbar vor dem Haupttor erbautes monumentales dreigeschossiges Brunnengebäude. Etwa 5 Meter hoch, mit Nischen, Säulenstellungen und großem Wasserbecken. Das Wasser kam aus dem städtischen Aquädukt. Das Nymphäum diente sowohl als praktischer Verteilpunkt als auch als prachtvoller Empfangsbau für Ankommende.

Säulenstraße

Die große Säulenstraße führte vom Haupttor durch das Stadtzentrum zum Hafen und in den Tempelbezirk. Sie war von Läden und öffentlichen Bauten gesäumt und bildete das Handels- und Festrückgrat der Stadt. Säulenbasen und Pflastersteine sind heute im modernen Ort sichtbar — Grundlage jener besonderen Atmosphäre, in der antike Infrastruktur das moderne Leben durchdringt.

Handelsagora

Eine fast quadratische Agora (etwa 100 × 100 Meter) mit umlaufenden Säulenhallen und Läden. Sie war der wichtigste Marktplatz und wird in antiken Quellen mit dem berüchtigten Sklavenhandel des 1. Jahrhunderts v. Chr. in Verbindung gebracht. Die Größe spiegelt Sides Bedeutung als ostmediterraner Großhafen wider.

Staatsagora

Eine zweite Agora für Verwaltungs- und Bürgerfunktionen; sie trennte die kommerziellen von den administrativen Aktivitäten der Stadt. Von Säulenhallen gerahmt, beherbergte sie offizielle Tätigkeiten.

Apollontempel

Der Apollontempel steht ganz an der Spitze der Halbinsel, dem Meer zugewandt. Er entstand um 150 n. Chr. auf dem Höhepunkt der Pax Romana als peripteraler Tempel korinthischer Ordnung — von einem Säulenkranz auf allen vier Seiten umstanden.

Eckdaten:

  • Auf den Schmalseiten sechs Säulen, auf den Längsseiten elf Säulen
  • Säulenhöhe etwa 9 Meter
  • Der Tempel stand auf einem etwa 1,5 Meter hohen Podium
  • Fünf Säulen wurden zwischen 1984 und 1990 wieder aufgerichtet und sind heute das Wahrzeichen Sides und Antalyas
  • Die weißen Marmorsäulen fangen das mediterrane Licht je nach Tageszeit unterschiedlich ein

Neben dem Apollontempel liegt der Athenatempel, der Hauptgottheit der Stadt geweiht. Athena war die zentrale Stadtgöttin Sides, ihr Tempel war zivilrechtlich der bedeutendere. Beide Tempel bildeten am Hafeneingang einen sakralen Bezirk, sichtbar von vom Meer her ankommenden Schiffen.

Im November 2023 wurden die Restaurierungsarbeiten am Athenatempel abgeschlossen: 20 historische Säulen wurden wieder aufgerichtet, was die optische Wirkung des Tempelareals dramatisch steigerte. Forschungen belegten zudem, dass dieses Areal nicht auf die beiden Tempel beschränkt ist, sondern einen größeren Heiligen Bezirk umfasst, der heute als Tempelbezirk oder Heiliges Hafenviertel bezeichnet wird.

Der Blick zwischen den restaurierten Säulen des Apollontempels auf den Sonnenuntergang über dem Meer gehört zu den meistfotografierten Motiven der gesamten Türkei und zu den ikonischsten Bildern der türkischen Mittelmeerküste.

Theater

Das Theater von Side ist das größte Pamphyliens und eines der architektonisch eigenständigsten antiken Theater Anatoliens.

Bautechnik

Im Gegensatz zu den meisten antiken Theatern (wie in Aspendos oder Perge, die an natürliche Hänge angelehnt sind) wurde das Theater von Side auf ebenem Boden errichtet, gestützt durch ein aufwendiges System aus tonnengewölbten Bögen und radialen Mauern. Diese römische Ingenieurtechnik erlaubte es, das Theater nicht dort zu errichten, wo die Geographie es vorgab, sondern dort, wo es der Stadtplanung diente. Die Herausforderung war erheblich: Die gesamte Last der Sitzanlage musste von einer künstlichen Substruktion getragen werden.

Maße und Kapazität

  • Sitzkapazität: etwa 15.000 bis 17.000 Zuschauer
  • Die Cavea wird durch ein gewaltiges System aus Bogengalerien und Korridoren gestützt, die zugleich der Erschließung dienten
  • Die Bühnenfassade war reich mit Säulen, Nischen und Skulpturen geschmückt
  • Orchesterdurchmesser etwa 22 Meter

Mehrfachnutzung

Das Theater diente nicht nur klassischen dramatischen Aufführungen, sondern auch Gladiatorenkämpfen und möglicherweise Wasserschauspielen (naumachiae). Umbauten im Orchesterbereich — etwa eine Schutzmauer um den Boden und ein Drainagesystem — deuten auf diese Anpassungen für gewaltsamere Veranstaltungen der späten Kaiserzeit hin.

Heutiger Zustand

Das Theater ist umfassend restauriert und wird wieder für moderne Kulturveranstaltungen und Konzerte genutzt — der antike Bau ist damit erneut Ort lebendiger Aufführungen. Die Bogengänge und Korridore unter den Sitzreihen bilden beeindruckende Räume, die Besucher erkunden können.

Side-Museum

Das Side-Museum befindet sich in einer der originellsten Museumshüllen der Türkei: im restaurierten römischen Thermenbau des 5. Jahrhunderts n. Chr. (Agora-Therme) neben der Staatsagora. Das Gebäude selbst ist Teil der Ausstellung — Besucher erleben die antike Badearchitektur mit Gewölbedecken und originaler Raumdisposition zugleich mit der archäologischen Sammlung.

Zur Sammlung gehören:

  • Reich mit Reliefs mythologischer Szenen verzierte Sarkophage
  • Statuetten, darunter Porträts, mythologische Figuren und kaiserzeitliche Darstellungen
  • Architekturfragmente aus Tempeln und öffentlichen Bauten
  • Kleinfunde: Münzen, Schmuck, Keramik und Glas
  • Die berühmte Side-Inschrift in sidetischer Sprache, ein Schlüsseldokument zur teilweise entzifferten Sprache
  • Ein Skulpturengarten mit großformatigen Architekturfragmenten, Kapitellen und Sarkophagen unter freiem Himmel

Das Museum liefert den unverzichtbaren Kontext für das Verständnis der antiken Stadt und ist Teil jedes Side-Besuchs.

Archäologische Arbeiten

Side wird seit 1947 ununterbrochen archäologisch erforscht und gehört damit zu den langjährigsten Grabungsprojekten der Türkei.

Die ersten systematischen Grabungen begannen 1947 unter Prof. Arif Müfid Mansel von der Universität Istanbul; die Arbeiten wurden über acht Jahrzehnte hinweg durch weitere türkische Archäologen fortgeführt. Die Hauptkampagnen konzentrierten sich auf:

  • Theater und seine Restaurierung für moderne Nutzungen
  • Heiligtum an der Halbinselspitze, einschließlich der jüngsten Restaurierung des Athenatempels
  • Agorakomplexe und ihre Verbindung zum Sklavenhandel
  • Stadtmauern und Monumentaltor
  • Thermenbauten und ihre Umwandlung in Museum
  • Wohnviertel und Wasserinfrastruktur
  • Nymphäum und Aquäduktsystem
  • Forschungsprogramm „Heiliger Hafenbezirk"

Das laufende Grabungsprogramm liefert weiterhin neue Erkenntnisse zum Stadtplan, zur Chronologie und zum Alltagsleben. Die Entdeckung, dass das Tempelareal Teil eines größeren Heiligtums ist, hat unser Verständnis der sakralen Architektur Sides erweitert. Jüngste Restaurierungsprojekte zielen darauf, archäologische Integrität zu wahren und die Stätte zugleich für Besucher zugänglicher und visuell kohärenter zu machen.

Die archäologische Bedeutung Sides wird durch die Aufnahme in die UNESCO-Welterbe-Vorschlagsliste im Rahmen der Kandidatur „Antike griechische Theater" anerkannt. Die Kombination aus durchgehender Grabungsgeschichte, einzigartiger Halbinsellage und lebendigem Ortscharakter macht Side zu einer der bedeutendsten archäologischen Stätten der türkischen Mittelmeerküste.

Besucherinformationen

Anreise

Side liegt 75 km östlich von Antalya, im Landkreis Manavgat. Anreiseoptionen:

  • Regelmäßige Busverbindungen aus Antalya und Manavgat
  • Dolmuş vom Zentrum Manavgat
  • Eigener PKW über die Schnellstraße D400; am Rand des Altstadtkerns sind Parkplätze vorhanden (das Zentrum der Halbinsel ist Fußgängerzone)
  • Organisierte Touren von Antalya und benachbarten Ferienorten

Aus dem DACH-Raum bestehen ganzjährig Direktflüge nach Antalya — von München, Frankfurt, Berlin, Wien, Zürich und Düsseldorf. Vom Flughafen Antalya beträgt die Fahrtzeit nach Side rund 75 Minuten.

Die antike Stätte ist in den modernen Ort integriert; Besucher gelangen direkt zwischen die Ruinen.

Aufenthaltsdauer

  • Höhepunkte (Tempel, Theater): 1,5–2 Stunden
  • Standardbesuch (Tempel, Theater, Museum, Agora, Tor): 3–4 Stunden
  • Umfassender Besuch inkl. Hafenspaziergang und Strandzeit: ein halber Tag
  • Sonnenuntergang am Apollontempel und Abendessen: ein ganzer Abend

Beste Besuchszeit

  • Frühling (März–Mai): Angenehme Temperaturen, klare Sicht aufs Meer, überschaubarer Besucherandrang
  • Herbst (September–November): Warm, aber angenehm, ideales Goldlicht zum Fotografieren
  • Sommer (Juni–August): Heiß, aber die Meeresbrise hilft; Sonnenuntergang am Apollontempel ist besonders beliebt und voll
  • Winter (Dezember–Februar): Mild; der Ort ist sehr ruhig, die archäologischen Areale fast leer und atmosphärisch

Praktische Hinweise

  • Der Sonnenuntergang am Apollontempel ist die Signature-Erfahrung Sides; mindestens 30 Minuten vor Sonnenuntergang erscheinen, um einen guten Platz zu finden.
  • Das Side-Museum ist klein, aber exzellent und in einem faszinierenden Gebäude untergebracht; nicht auslassen.
  • Da die meisten Wege gepflastert oder gut instand gehalten sind, genügt festes Schuhwerk.
  • In der Altstadt gibt es zwischen den Ruinen reichlich Restaurants, Cafés und Unterkünfte.
  • Die Halbinselaltstadt ist weitgehend Fußgängerzone; Auto auf den Parkplätzen lassen.
  • Den Besuch mit dem Manavgat-Wasserfall (4 km) oder einer Bootsfahrt auf dem Manavgat-Fluss verbinden.
  • Der östliche Hafenstrand erlaubt Baden direkt neben den antiken Ruinen — Badesachen mitbringen.

Stätten in der Umgebung

Side eignet sich ideal für Tagesausflüge:

  • Aspendos (30 km westlich) — eines der besterhaltenen römischen Theater der Welt
  • Perge (60 km westlich) — die besterhaltene hellenistisch-römische Stadt Pamphyliens
  • Selge und Köprülü-Canyon (50 km nördlich) — Bergstadt und Rafting
  • Alanya (65 km östlich) — seldschukische Festung
  • Grüner Canyon (Oymapınar-Stausee) (30 km nördlich) — Bootsfahrten auf einem smaragdgrünen See

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet „Side"?

„Side" stammt nicht aus dem Griechischen, sondern aus einer einheimischen anatolischen Sprache und bedeutet „Granatapfel". Dieser vorgriechische Name zeigt, dass die Stätte schon vor der griechischen Kolonisation besiedelt war und auch nach Ankunft griechischer Siedler ihre indigene Identität bewahrte. Der Granatapfel war im antiken Mittelmeer Sinnbild für Fruchtbarkeit und Überfluss.

Ist Side ein moderner Ort oder eine archäologische Stätte?

Beides. Unter den großen archäologischen Stätten der Türkei ist Side einzigartig darin, dass moderne Siedlung und antike Ruinen denselben Raum teilen. Besucher gehen zwischen römischen Säulen hindurch zu modernen Restaurants und Hotels. Diese Koexistenz ist zugleich Reiz und Herausforderung der Stätte.

Welche Verbindung gibt es zwischen Side und der Piraterie?

Im 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. war Side die Hauptbasis der kilikischen Piraten und ein berüchtigtes Zentrum des mittelmeerischen Sklavenhandels. Der antike Geograph Strabon beschreibt das offene Mitwirken der Bürger an diesen Tätigkeiten: Side besaß Werften für Piratenschiffe und einen bei Tageslicht offen operierenden Sklavenmarkt. Der Feldzug des Pompeius gegen die Piraterie 67 v. Chr. beendete diese Epoche.

Warum wurde das Theater auf ebenem Boden errichtet?

Side liegt auf einer flachen Halbinsel ohne Hang, in den man hätte schneiden können. Römische Ingenieure lösten das Problem mit einem umfangreichen System aus Bogengewölben und radialen Mauern, das die Sitzanlage von unten trägt. Damit ließ sich das Theater zudem an der städtebaulich optimalen Stelle platzieren.

Wann besucht man den Apollontempel am besten?

Bei Sonnenuntergang. Die Silhouette der Tempelsäulen vor der untergehenden Sonne über dem Meer ist Sides ikonisches Bild und gehört zu den meistfotografierten Motiven der Türkei. Mindestens 30 Minuten vor Sonnenuntergang erscheinen, um einen guten Aussichtspunkt zu finden.

Was geschah mit dem Athenatempel?

Der Athenatempel neben dem Apollontempel war Gegenstand großer Restaurierungsarbeiten, die im November 2023 abgeschlossen wurden. Zwanzig historische Säulen wurden wieder aufgerichtet, was die Wirkung des Tempelareals dramatisch verstärkte. Forschungen zeigen zudem, dass das Areal Teil eines größeren Heiligtums ist, das heute als „Heiliges Hafenviertel" bezeichnet wird.

Wie steht Side im Vergleich zu den anderen pamphylischen Städten?

Side bietet die dramatischste Küstenlage und das einzigartige Erlebnis antiker Ruinen, die in einen lebendigen Ort integriert sind. Aspendos hat das besser erhaltene Theater, Perge die überlegene Skulptur und Stadtplanung — aber Sides Meertempel, Hafenatmosphäre und die Koexistenz von Stadt und Ruine bleiben unvergleichlich. Jede Stätte bietet etwas, das die anderen nicht zeigen.

Was ist die sidetische Sprache?

Sidetisch war die einheimische Sprache Sides, vom Griechischen verschieden. Sie wurde in eigener Schrift verfasst und ist auf Münzen und Steinmonumenten überliefert. Die Sprache ist bis heute nur teilweise entschlüsselt. Ihre Existenz zeigt, dass Side auch in Zeiten griechischer Kulturhegemonie eine starke lokale Identität bewahrte.

Gibt es in Side ein Museum?

Ja. Das Side-Museum befindet sich im restaurierten römischen Thermenkomplex nahe der Agora. Es zeigt eine exzellente Sammlung von Skulpturen, Sarkophagen, Reliefs und Architekturfragmenten aus den Grabungen — darunter die berühmte Nike-Statue und zahlreiche Porträtbüsten. Das Museum liefert den notwendigen Kontext für die Ruinen außerhalb und gehört zu den besten kleinen archäologischen Museen der Türkei.

Wie groß war der Sklavenmarkt von Side?

Antike Quellen, insbesondere der Geograph Strabon, beschreiben den Sklavenmarkt von Side als einen der größten des östlichen Mittelmeers. Im 2.–1. Jahrhundert v. Chr., als die kilikischen Piraten Side als großen Umschlagplatz nutzten, konnte er an Markttagen Zehntausende von Sklaven abwickeln. Die genaue Lage innerhalb der Stadt ist nicht zweifelsfrei bestimmt, doch die große Handelsagora gilt als plausibler Kandidat.

Was geschah mit Side während der arabischen Vorstöße?

Ab dem 7. Jahrhundert n. Chr. verwüsteten arabische Seestreifzüge Side und andere Städte an der Südküste Anatoliens. Die Stadt erlitt wiederholte Angriffe und einen drastischen Bevölkerungsverlust. Im 10. Jahrhundert war ein Großteil der Bevölkerung ins Hinterland gezogen. Side blieb weitgehend verlassen, bis sich Ende des 19. Jahrhunderts türkische Migranten aus Kreta auf der Halbinsel niederließen und ihren modernen Ort zwischen den Ruinen errichteten.

Architektonische Maße und numerische Daten

Sides Monumentalbauten gehören zu den umfassendsten Beispielen römisch-kaiserzeitlicher Ingenieurleistung in Pamphylien.

BauwerkGrößeWert
HalbinselLänge × Breiteca. 1.000 × 400 m
Theater-SitzkapazitätPersonen15.000–17.000
Theater untere SitzreihenAnzahl22 Reihen, 11 Sektoren
Theater obere SitzreihenAnzahl29 Reihen (oberste nicht erhalten)
Theater-OrchesterdurchmesserMaßca. 22 m
Theater-PodiumbreiteMaß6 m
Theater-Podiumhöhe (über Orchester)Maß3 m
Apollontempel SäulenhöheMaßca. 9 m
Apollontempel SäulenordnungSchmal- × Langseite6 × 11 Säulen
HandelsagoraGrundrissca. 100 × 100 m (quadratisch)
Großes Nymphäum FassadeHöheca. 5 m (dreigeschossig)
AquäduktlängeStreckeca. 30 km (von Dumanlı Pınarı)

Die Podienreliefs des Theaters waren reich mit figürlichen Szenen aus der griechischen Mythologie geschmückt. Die Bühnenfassade präsentierte ein dichtes Programm aus Nischen, Säulen und Skulpturen.

Münzen und numismatische Befunde

Side gehört zu den produktivsten Münzstätten Pamphyliens. Die Prägetätigkeit begann etwa im 5. Jahrhundert v. Chr. und reichte bis ins 3. Jahrhundert n. Chr.

Münztypen aus Side

MerkmalDetails
AversAthenakopf mit korinthischem Helm (nach rechts blickend)
ReversNike schreitend nach links, Kranz tragend; im Feld der Granatapfel
Tetradrachmen-Gewichtca. 16,9 g (attisch-korinthischer Standard)
Drachmen-Gewichtca. 3,9 g
Früheste Münzen5. Jh. v. Chr.
Hauptprägezeit205–100 v. Chr. (intensive Produktion)
MagistratsnamenKleucheres (ca. 183–175 v. Chr.) u. a.
MünzlegendenSidetisch und Griechisch

Bedeutung des Granatapfel-Symbols

Der durchgängig verwendete Granatapfel (sidé) auf den Münzen Sides ist das visuelle Gegenstück zum Stadtnamen und ein Identitätssymbol. Im antiken Mittelmeer stand der Granatapfel für Fruchtbarkeit, Überfluss und Leben nach dem Tod. Die Granatapfeldarstellung diente als unverwechselbares Erkennungsmerkmal gegenüber anderen pamphylischen Münzstätten.

Prägung nach dem Frieden von Apameia

Nach dem Frieden von Apameia 188 v. Chr. wurde ein Teil der von Antiochos III. an Pergamon zu zahlenden Kriegsentschädigung mit in Side geprägten attisch-gewichtigen Tetradrachmen geleistet. Dies belegt die regionale Bedeutung und Produktionskapazität der sidischen Münzstätte.

Münzbefunde aus den Grabungen

In den Grabungen 1947–2015 wurden Tausende Münzen geborgen. Sie belegen die andauernde Tätigkeit der Münzstätte bis in die römische Kaiserzeit. Der Zeitraum, in dem Side den Titel Neokoros trug (2.–3. Jh. n. Chr.), war besonders durch intensive Kaisermünzprägung gekennzeichnet.

Chronologie der Grabungen und Forscherübersicht

Die Grabungen in Side bilden eines der längsten archäologischen Projekte der Türkei. Folgende Tabelle gibt eine Chronologie der sieben Jahrzehnte systematischer Forschung:

ZeitraumVerantwortliche Forscherin/ForscherSchwerpunkte
1947–1966Prof. Dr. Arif Müfid Mansel (Universität Istanbul)Erste systematische Grabungen; Theater, Agora, Tempelareal
Ab 1966Prof. Dr. Jale İnanSkulpturenrestaurierung, Arbeit am Apollontempel
Ab 1966Dr. Ülkü İzmirligilKonservierung und Dokumentation
2009–heuteProf. Dr. Hüseyin Sabri Alanyalı und Prof. Dr. Feriştah AlanyalıUniversitäre Grabungen, neue Feldarbeiten
2023RestaurierungsteamRestaurierung Athenatempel (Wiederaufrichtung von 20 Säulen)
2024MuseumsprojektAntikes Krankenhaus als zweites Museum Side Arif Müfid Mansel eröffnet

Der Name Prof. Dr. Arif Müfid Mansel wurde 2024 dem zweiten, neu eröffneten Museum Sides verliehen. Es entstand durch die Restaurierung eines antiken Krankenhausgebäudes und ist ein bleibender Teil von Mansels Vermächtnis.

Aquädukt und hydraulische Infrastruktur

Das Aquäduktsystem Sides zählt zu den eindrucksvollsten Infrastrukturprojekten der römischen Kaiserzeit:

  • Quelle: Dumanlı Pınarı (ein Nebenarm des Manavgat-Flusses). Diese Karstquelle gehört zu den größten der Welt und liefert etwa ein Drittel des Wasservolumens des Flusses aus einer einzigen Austrittsstelle.
  • Strecke: Über etwa 30 km mit Galerien, Brücken und offenen Kanälen ins Zentrum Sides.
  • Erste Errichtung: Wahrscheinlich Ende des 2. Jahrhunderts n. Chr.
  • Große Renovierung: Im 3. Jahrhundert n. Chr. finanziert vom wohlhabenden Bürger Lollianos Bryonianos und seiner Frau Quirinia Patra.
  • Verteilung: Das Wasser versorgte das Große Nymphäum, die Thermenkomplexe, Brunnen und private Wohnungen.
  • Nymphäum-Fassadenprogramm: Dreigeschossige Nischen- und Säulenfassade; im Erdgeschoss sind drei Nischen bis heute aufrecht erhalten.

Quellen

Teilen

Standortinformationen

Breitengrad:36.768130
Längengrad:31.390711
In Google Maps öffnen