Kremna zählt zu den eindrucksvollsten antiken Städten der Region Pisidien. Die Stadt erhebt sich auf einem Kalksteinplateau in den steilen Hängen des westlichen Taurus und blickt nach Nordwesten in Richtung Antalya. In rund 1.100 Metern Höhe über dem Meeresspiegel wurde sie auf drei Seiten von senkrechten Abgründen geschützt. Ursprünglich als einheimische pisidische Burgsiedlung gegründet, wurde Kremna unter Kaiser Augustus in eine römische Veteranenkolonie umgewandelt. Die berühmte Belagerung von 278 n. Chr. machte Kremna zu einem der bedeutendsten Schauplätze der antiken Kriegsgeschichte. Heute liegen die Ruinen still in den Wäldern des Landkreises Bucak und bieten Besuchern eine einzigartige Kombination aus römischer Militärtechnik, kolonialer Architektur und atemberaubenden Bergpanoramen.
- Warum ist Kremna bedeutend?
- Geographie und Lage
- Historische Zeitleiste
- Wichtigste Bauwerke
- Die große Belagerung von 278 n. Chr.
- Archäologische Forschung
- Besucherinformationen
- Häufig gestellte Fragen
- Quellen und weiterführende Literatur
Warum ist Kremna bedeutend?
Kremna ist aus mehreren Gründen eine bemerkenswerte antike Stätte:
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Eine der fünf augusteischen Kolonien Pisidiens. Augustus wählte Kremna aus, um die Region unter Kontrolle zu bringen, siedelte hier Veteranen der Legionen an und verlieh dem Ort den offiziellen Namen Colonia Iulia Augusta Felix Cremnensium. Für das Verständnis, wie Rom Bergvölker verwaltete, ist Kremna ein zentrales Beispiel.
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Im Gelände bewahrtes römisches Belagerungssystem. Die Belagerungsrampe von 278 n. Chr., Umfassungsmauern, Plattformen für Wurfgeschütze und Hunderte von Ballistenkugeln liegen noch an Ort und Stelle. Damit gehört Kremna nach Jerusalem und Masada zu den weltweit am besten erhaltenen Beispielen römischer Belagerungstechnik.
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Eindrucksvolle Monumentalbauten. Ab der Regierungszeit Hadrians entstanden Forum, Basilika, eine etwa 230 Meter lange Säulenstraße, ein Thermenkomplex sowie mindestens zwei Theater — ingenieurtechnische Meisterwerke auf engem Plateau.
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Ein Fenster in die pisidische Bergkultur. In vorrömischer Zeit beherbergte Kremna eine pisidische Gemeinschaft, deren Sprache, Religion und Lebensweise sich deutlich von den Küstenregionen der Ägäis und des Mittelmeers unterschieden.
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Panoramablicke. Vom Plateau aus sind das Aksu-Tal, Kiefernwälder und die schneebedeckten Gipfel des Taurus in einem 360-Grad-Rundblick zu sehen. Kremna gehört zu den optisch lohnendsten archäologischen Stätten der Türkei.
Geographie und Lage
Kremna erstreckt sich auf einem Kalksteinplateau von rund 1.200 Metern Länge und 400 Metern Breite. An drei Seiten fällt das Plateau in 200 bis 300 Meter tiefen Steilabhängen ab. In der Antike war die Stadt nur über einen schmalen Halsstreifen im Nordosten zugänglich; genau hier konzentrierte sich auch die Belagerung von 278 n. Chr.
Die Stadt liegt etwa 30 km nordwestlich des Bezirks Bucak und rund 100 km nördlich von Antalya. Der durch das Tal fließende Aksu Çayı (antik Cestrus) verbindet das Bergland mit der Küste Pamphyliens.
| Merkmal | Detail |
|---|---|
| Höhenlage | ca. 1.100 m |
| Plateauausdehnung | ca. 1.200 m × 400 m |
| Nächste Bezirksstadt | Bucak (30 km) |
| Provinz | Burdur |
| Antike Landschaft | Pisidien |
| Fluss im Tal | Aksu (Cestrus) |
Der Zugang erfolgt über das Dorf Cambazlı auf einer unbefestigten Straße. Die Gegend ist heute dünn besiedelt und unterstreicht den abgeschiedenen Charakter dieser Burgstadt.
Historische Zeitleiste
Vorrömische Zeit (vor 25 v. Chr.)
Ursprünglich war Kremna eine pisidische Bergsiedlung. Die Pisidier galten als eines der kriegerischsten Völker Südanatoliens. Die hellenistischen Königreiche — Seleukiden und Attaliden — konnten ihre Herrschaft im pisidischen Bergland nur eingeschränkt ausüben; Kremna blieb weitgehend autonom.
Augusteische Kolonie (ab 25 v. Chr.)
Nach der Eingliederung Galatiens in das Römische Reich 25 v. Chr. gründete Augustus zur Kontrolle Pisidiens eine Reihe von Veteranenkolonien. Kremna wurde gemeinsam mit Antiochia, Komama, Olbasa und Lystra zu einer der fünf Kolonien. Veteranen der Legionen wurden hier angesiedelt, Latein zur Amtssprache erhoben und Kremna begann mit der Prägung kolonialer Münzen.
Blütezeit unter Hadrian und den Severern (2. bis frühes 3. Jh. n. Chr.)
Unter Hadrian (117–138 n. Chr.) und der severischen Dynastie (193–235 n. Chr.) erlebte Kremna eine große Bautätigkeit. Der Forum-Basilika-Komplex, die Säulenstraße, die Thermenbauten und Monumentaltore entstanden oder wurden erweitert. Inschriften zeigen, wie wohlhabende einheimische Stifter um die Verschönerung der Stadt wetteiferten.
Aufstand und Belagerung (278 n. Chr.)
In den unruhigen Jahren der Reichskrise des 3. Jahrhunderts brachte ein Bandenführer namens Palfuerius (in manchen Quellen Lydius) Kremna unter seine Kontrolle und nutzte die natürliche Wehrhaftigkeit der Stadt, um sich der römischen Autorität zu widersetzen. Kaiser Probus (276–282 n. Chr.) entsandte eine militärische Expedition. Die römischen Truppen errichteten eine gewaltige Belagerungsrampe, eine Umfassungsmauer und Wurfgeschützplattformen. Nach langer Blockade fiel die Stadt 278 n. Chr.
Spätantike und Aufgabe (4.–7. Jh. n. Chr.)
Nach der Belagerung wurde Kremna teilweise wiederaufgebaut und zum Bischofssitz. Auf dem Forum entstand eine kleine Kirche. Die Stadt verfiel jedoch stetig und wurde im 6. oder 7. Jahrhundert n. Chr. endgültig aufgegeben.
Wichtigste Bauwerke
Forum und Basilika
Im Zentrum des Plateaus liegt das Forum — ein gepflasterter rechteckiger Platz. Die entlang seiner Längsseite verlaufende große Basilika (Halle für Recht und Handel) zählt zu den größten bekannten Basiliken Pisidiens. Korinthische Kapitelle und Säulenbasen sind über das Gelände verstreut.
Säulenstraße
Die rund 230 Meter lange Säulenstraße folgt dem Rückgrat des Plateaus und bildete die festliche Hauptachse der Kolonie. Säulen in korinthischer Ordnung trugen beidseitige Säulenhallen. Viele Säulenschäfte und Basen stehen noch heute.
Thermenkomplex
Am südlichen Rand des Plateaus liegt die römische Therme — eines der besterhaltenen Gebäude Kremnas. Die Abteilungen Frigidarium (Kaltbad), Tepidarium (Lauwarmbad) und Caldarium (Heißbad) sind erkennbar; auch die Hypokausten (Bodenheizung) sind sichtbar.
Theater
Kremna verfügt über mindestens zwei Theaterbauten: das große, in den natürlichen Hang gemeißelte Theater am Rand des Plateaus (geschätzte Kapazität 3.000–4.000 Personen) und ein kleineres Odeion oder Bouleuterion (für Ratssitzungen). Vom großen Theater eröffnet sich ein atemberaubender Blick ins Tal.
Stadtmauern und Tore
Die natürlichen Steilhänge übernahmen den Großteil der Verteidigung. Nur am nordöstlichen Halsstreifen wurden Türme und Quadermauern errichtet. Hier lag auch das Haupttor, und genau auf diesen Punkt konzentrierte sich die Belagerung von 278 n. Chr.
Nymphäum
Im Stadtzentrum stand ein monumentales Nymphäum, gespeist durch ein Aquädukt aus den umliegenden Bergen. Reich profilierte Architekturteile und Nischen für Statuen sind erhalten.
Frühchristliche Kirche
Im 5. oder 6. Jahrhundert n. Chr. entstand auf oder neben dem Forum eine einschiffige Basilikakirche, die den Wandel Kremnas von der heidnischen Kolonie zum christlichen Bischofssitz dokumentiert.
Die große Belagerung von 278 n. Chr.
Die Belagerung von Kremna gehört zu den bemerkenswertesten Ereignissen der römischen Militärgeschichte in Kleinasien:
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Vorgeschichte: Im Wirrwarr der Reichskrise des 3. Jahrhunderts brachte ein Bandenführer namens Palfuerius (oder Lydius) Kremna in seine Gewalt und nutzte die uneinnehmbare Lage als Stützpunkt für Plünderungen der Umgebung.
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Reichsintervention: Kaiser Probus entsandte ein Heer, das in den Zugängen zum Plateau Stellung bezog.
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Belagerungstechnik: Die Römer errichteten im nordöstlichen Halsstreifen eine gewaltige Belagerungsrampe (Agger), um die Mauern zu erreichen. Eine Circumvallatio umschloss das Plateau und verhinderte Fluchtversuche. Von Wurfgeschützplattformen wurde die Stadt beschossen.
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Spuren im Gelände: Hunderte von steinernen Ballistenkugeln (etwa grapefruitgroß) liegen noch heute an der Oberfläche im Bereich der Rampe. Der Erdwall, die Fundamente der Umfassungsmauer und die in den Felsen geschlagenen Plattformreste sind deutlich erkennbar.
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Fall der Stadt: Nach langer Blockade fiel die Stadt. Manche Quellen berichten, der Anführer der Aufständischen sei von seinen eigenen Leuten getötet worden.
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Wissenschaftliche Bedeutung: Stephen Mitchell stellte die Belagerung von Kremna in eine Reihe mit Masada (73 n. Chr.) und Jotapata (67 n. Chr.) und stufte sie als eines der weltweit besterhaltenen Beispiele römischer Belagerungskunst ein.
Archäologische Forschung
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1985–1987: Stephen Mitchell (University of Exeter, später Edinburgh) führte mit Unterstützung des British Institute at Ankara (BIAA) eine intensive archäologische Geländebegehung durch. Sein Team kartierte das gesamte Plateau, dokumentierte die Belagerungsanlagen und erfasste über 100 Inschriften.
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Publikation 1995: Mitchell veröffentlichte die umfassende Monographie Cremna in Pisidia: An Ancient City in Peace and in War (Duckworth & Classical Press of Wales). Sie bleibt das maßgebliche Referenzwerk zur Stätte.
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2000er Jahre und später: Türkische archäologische Teams führten saisonale Grabungen in Kremna durch, mit Schwerpunkt auf Forum, Therme und Kirche.
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Grabungen 2023: Die jüngsten Kampagnen konzentrieren sich auf weitere Abschnitte der Säulenstraße und die Bauphasen des Basilikakomplexes.
Zu den weiteren Forschern, die zur Kremna-Literatur beigetragen haben, zählen Sarah Cormack, Robin Fursdon, Eddie Owens und Jean Öztürk.
Besucherinformationen
Anreise
- DACH-Direktflüge: Direkte Verbindungen von Frankfurt, München, Wien und Zürich nach Antalya machen die Anreise besonders unkompliziert. Von Antalya aus erreicht man Kremna in etwa zwei Autostunden.
- Von Bucak: Fahren Sie nordwestlich in Richtung des Dorfes Cambazlı (ca. 30 km). Vom Dorf führt eine ausgeschilderte unbefestigte Straße zur Stätte. Geländegängige Fahrzeuge sind empfehlenswert.
- Von Antalya: Auf der Fernstraße D-685 nördlich Richtung Burdur, in Bucak westlich abbiegen.
- Von Burdur: Über Bucak südwärts (insgesamt 45 km).
Vor Ort
- Eintritt: Die Stätte ist frei zugänglich; ein offizieller Kassenstand existiert nach bisherigem Kenntnisstand nicht. Bei lokalen Änderungen vorab informieren.
- Gelände: Das Plateau ist relativ eben, der Zugangsweg jedoch steil und uneben. Festes Schuhwerk ist unverzichtbar.
- Schatten und Wasser: Auf dem offenen Plateau gibt es kaum Schatten. Sonnenschutz und mindestens 1,5 Liter Wasser pro Person mitbringen.
- Dauer: Für eine umfassende Besichtigung von Forum, Säulenstraße, Therme, Theater und Belagerungsrampe sollten 2–4 Stunden eingeplant werden.
Beste Reisezeit
- Frühling (April–Mai) und Herbst (September–Oktober) bieten die angenehmsten Temperaturen.
- Im Sommer kann es auf dem offenen Plateau sehr heiß werden; ein früher Besuch am Morgen ist ratsam.
- Der Winter ist auf dieser Höhe kalt und gelegentlich verschneit.
Kombinationsausflüge
- Sagalassos (70 km nordöstlich): eine weitere bedeutende pisidische Stadt mit prächtigen römischen Ruinen.
- Archäologisches Museum Burdur: Funde aus Kremna und anderen Stätten der Region, darunter das berühmte Gladiatorenrelief.
- Burdur-See: ein malerischer Salzsee, ideal für eine Rast auf dem Rückweg.
Tipps
- Zur Orientierung lohnt sich ein ausgedrucktes oder heruntergeladenes Plan-Exemplar aus Mitchells Publikation.
- Ein Fernglas erleichtert das Betrachten von Ballistenkugeln und Mauerdetails.
- Restaurants oder Geschäfte gibt es vor Ort nicht; bitte eigene Verpflegung mitbringen.
Häufig gestellte Fragen
Was unterscheidet Kremna von anderen antiken Städten in der Türkei?
Die Kombination aus uneinnehmbarer Naturlage, gut dokumentierter römischer Kolonialarchitektur und einem der weltweit vollständigsten römischen Belagerungssysteme ist nahezu einzigartig. Anders als Küstenstädte wie Ephesos oder Perge bietet Kremna das ungeschönte Erlebnis einer unrestaurierten Bergfestung.
Kann man die Belagerungsrampe und die Ballistenkugeln sehen?
Ja. Die Belagerungsrampe ist als aufgeschütteter Erdwall am nordöstlichen Zugang deutlich erkennbar. Steinerne Ballistenkugeln (ungefähr grapefruitgroß) liegen in diesem Bereich oberflächlich verstreut.
Ist Kremna für Familien geeignet?
Das Gelände ist uneben und es gibt ungesicherte Klippenkanten. Für ältere Kinder und Jugendliche ist die Stätte spannend, für sehr kleine Kinder jedoch nicht ideal.
Wie verhält sich Kremna zu Sagalassos?
Beide sind pisidische Bergstädte. Sagalassos ist größer, umfangreicher freigelegt und besitzt einen rekonstruierten Nymphäumkomplex. Kremna wirkt wilder, wird seltener besucht und bietet die einzigartige Dimension der Belagerungsarchäologie. Der Besuch beider Stätten ergibt ein umfassendes Bild des römischen Pisidiens.
Gibt es laufende Grabungen?
Ja. Türkische Universitätsteams haben in den letzten Jahren Kampagnen vor allem im Bereich von Forum und Therme durchgeführt. Während der Sommerkampagnen ist die Stätte regelmäßig aktiv.
Wie viele Einwohner hatte Kremna?
Die Schätzungen schwanken, doch in der Blütezeit (2.–3. Jh. n. Chr.) dürfte die Bevölkerung — Nachkommen der römischen Veteranen sowie einheimische Pisidier — bei 5.000 bis 10.000 Personen gelegen haben.
Architektonische Maße und städtebauliche Daten
Das städtische Gefüge Kremnas auf dem Plateau zeigt, wie römische Kolonialarchitektur auf engstem Raum verdichtet werden konnte.
| Bauwerk / Element | Maß | Detail |
|---|---|---|
| Plateaulänge | ca. 1.200 m | NO–SW-Achse |
| Plateaubreite | ca. 400 m | N–S-Achse |
| Plateauhöhe | ca. 1.100 m | über dem Meeresspiegel |
| Klipphöhe | 200–300 m | natürliche Verteidigungsbarriere auf drei Seiten |
| Säulenstraße — Länge | ca. 230 m | entlang des Plateaurückens |
| Säulenstraße — Ordnung | Korinthisch | Säulenhallen auf beiden Seiten |
| Theaterkapazität | 3.000–4.000 | in natürlichen Hang geschnitten |
| Forum-Position | Plateaumitte | gepflasterter rechteckiger Platz |
| Basilikagröße | zu den größten Pisidiens | entlang Forumslängsseite |
| Thermenräume | 3 Hauptabteilungen | Frigidarium, Tepidarium, Caldarium |
Die begrenzte Fläche des Plateaus zwang die römischen Stadtplaner zu kreativen Lösungen. Forum, Basilika, Säulenstraße, Therme und Theater — sämtliche Standardelemente einer römischen Stadt — wurden auf nur etwa 480.000 Quadratmetern (1.200 × 400 m) untergebracht. Diese Dichte sorgt dafür, dass von jedem Punkt der Stadt aus jedes andere Monumentalgebäude in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar war.
Münzfunde und numismatische Daten
Als augusteische Kolonie prägte Kremna von 25 v. Chr. bis ins 3. Jahrhundert n. Chr. eigene koloniale Münzen. Diese sind eine erstrangige Quelle für die römische Identität, das religiöse Leben und die wirtschaftlichen Aktivitäten der Stadt.
| Periode | Typische Vorderseite | Typische Rückseite | Schriftsprache | Bedeutung |
|---|---|---|---|---|
| Augustus (25 v. Chr. – 14 n. Chr.) | Augustusporträt | Gründungsszene (Ochsengespann und Pflug) | Latein | Gründungsbild der Kolonie |
| 1. Jh. n. Chr. | Kaiserporträts | Römische Feldzeichen, Legionssymbole | Latein | Militärisch-veteranische Identität |
| Hadrian (117–138 n. Chr.) | Hadriansbüste | Zeus, Ares, Tempel | Latein | Bauprogramm |
| Severerzeit (193–235 n. Chr.) | Severus/Caracalla | Tyche (Stadtgöttin), Jagdszenen | Latein | Blütezeit |
| 3. Jh. n. Chr. | Verschiedene Kaiser | Regionale und Jagdszenen | Latein | Hervortreten lokaler Identität |
Lateinische Münzlegenden
Auffälligste Eigenschaft der Kremna-Münzen ist die konsequente Verwendung lateinischer Legenden. Dies unterscheidet Kremna deutlich von seinen griechisch beschrifteten Nachbarn Sagalassos und Termessos und zeigt, dass die Stadt eine bewusste römische Identität pflegte. Die häufigste Aufschrift ist COL(onia) IVL(ia) AVG(usta) CREM(nensium).
Die Gründungsszene (Ochsengespann mit Pflug) bildet das standardisierte Ritual der römischen Koloniegründung ab: Der Gründer markiert die Stadtgrenzen, indem er sie mit dem Pflug zieht. Numismatisch wird damit bestätigt, dass Kremna offiziell unter Augustus gegründet wurde.
Die Belagerung von 278 n. Chr.: Detaillierte Analyse der archäologischen Befunde
Die Belagerung von Kremna ist hinsichtlich der erhaltenen Geländebefunde eines der am besten dokumentierten römischen Belagerungsbeispiele der antiken Welt.
| Belagerungselement | Geländezustand | Größe/Detail |
|---|---|---|
| Belagerungsrampe (Agger) | deutlich sichtbar | Erdaufschüttung am nordöstlichen Halsstreifen |
| Umfassungsmauer (Circumvallatio) | Fundamentlinien erkennbar | rund um das Plateau |
| Wurfgeschützplattformen | in den Fels geschnittene Spuren | an strategischen Höhenpunkten |
| Ballistenkugeln | Hunderte, oberflächlich verteilt | grapefruitgroße Steinkugeln |
| Quadermauern | Quaderstein, Nordosten | Bereich des Hauptangriffs |
| Türme | teils aufrecht erhalten | Beobachtungspunkte entlang der Mauer |
Stephen Mitchell kartierte 1985–1987 das gesamte Plateau und dokumentierte über 100 Inschriften. Seine Analyse stuft Kremna nach Masada (73 n. Chr.) und Jotapata (67 n. Chr.) als eines der weltweit besterhaltenen Beispiele römischer Belagerungstechnik ein.
Entscheidend für die Bedeutung Kremnas ist, dass die Belagerungsanlagen kaum durch spätere Besiedlung oder Landwirtschaft gestört wurden. Während Masada umfassend ausgegraben und rekonstruiert wurde, ist die Belagerungslandschaft Kremnas im Wesentlichen so erhalten, wie sie die römische Armee verlassen hat. Besucher können die im Rampenbereich verstreuten Ballistenkugeln eigenständig betrachten.
Quellen und weiterführende Literatur
- Mitchell, Stephen. Cremna in Pisidia: An Ancient City in Peace and in War. London: Duckworth & Classical Press of Wales, 1995.
- Mitchell, Stephen. „Cremna in Pisidia: A Re-Appraisal of the Siege Works." Anatolian Studies, 1989.
- Wikipedia DE: Kremna
- Wikipedia EN: Cremna
- Türkisches Kulturministerium — Kremna Antik Kenti
- Deutsches Archäologisches Institut (DAI), dainst.org — Forschungen in Kleinasien
- Österreichisches Archäologisches Institut (ÖAI), oeai.at — Pisidien-Projekt
Kremnas Stellung im Kontext des römischen Pisidiens
Um Kremna zu verstehen, muss die Stadt im weiteren Rahmen des römischen Kolonisationsprogramms in Pisidien betrachtet werden. Augustus gründete in dieser Region fünf Kolonien — Kremna, Antiochia (die größte und bedeutendste), Komama, Olbasa und Lystra — und konzipierte sie als strategisches Programm zur Befriedung einer der unruhigsten Regionen des Römischen Reiches.
Das pisidische Bergland war für äußere Mächte seit langem ein Problem. Die einheimischen Pisidier waren als wilde Krieger bekannt, die Tieflandgemeinden überfielen und sich der Kontrolle hellenistischer Königreiche entzogen. Augustus errichtete durch die Ansiedlung von Veteranen an strategischen Punkten entlang der Bergstraßen ein Netz selbstverwalteter, loyaler römischer Gemeinden, das militärische Macht in das umliegende Land projizieren konnte.
Der besondere Wert Kremnas lag in seiner uneinnehmbaren Naturlage. Die Eigenschaften, die es für pisidische Räuber attraktiv machten — steile Klippen, begrenzte Zugänge und beherrschende Aussichten — machten es zugleich zum idealen Standort für eine römische Militärkolonie.
Koloniale Gesellschaft
Die Kolonialbevölkerung setzte sich zusammen aus:
- römischen Veteranen (ehemalige Legionäre und Auxiliarsoldaten), die Land erhielten
- ihren Familien und Angehörigen
- weiterhin ansässigen einheimischen Pisidiern, die zum Teil mit den Kolonisten verheiratet waren
- Freigelassenen und Sklaven als Arbeitskraft
Latein war die Amtssprache; römische rechtliche, religiöse und soziale Institutionen wurden in dieses entlegene Bergumfeld übertragen. Pisidische Kulturelemente blieben jedoch erhalten und bildeten eine hybride Gesellschaft, die sich in Inschriften und Architekturstilen niederschlug.
Wirtschaftsleben
Die Wirtschaft Kremnas stützte sich auf:
- Landwirtschaft: Olivenanbau, Getreidewirtschaft und Viehzucht an den umliegenden Hängen
- Holz: Die ausgedehnten Kiefernwälder des Taurus lieferten wertvolles Bauholz
- Handel: Das Aksu-Tal fungierte als Korridor zwischen Küste (Pamphylien) und Hinterland (Phrygien)
- Militärische Soldzahlungen: Veteranen erhielten Ruhegehälter und Landzuweisungen vom römischen Staat
Die Münzprägung Kremnas
Kremna prägte von der Augusteischen Zeit bis ins 3. Jahrhundert n. Chr. eigene koloniale Münzen. Diese liefern unschätzbare Belege zur Geschichte der Stadt:
| Periode | Typisches Bild | Bedeutung |
|---|---|---|
| Augusteische Zeit | Augustusporträt, Gründungsszene | Gründung der Kolonie |
| 1. Jh. n. Chr. | Kaiserporträts, römische Feldzeichen | Militärische Identität |
| 2. Jh. n. Chr. | Götter (Zeus, Ares, Tyche), Tempel | Religiöses Leben, Bauprogramm |
| 3. Jh. n. Chr. | Regionale und Jagdszenen | Lokale Identität im Reich |
Die Münzen verwenden konsequent lateinische Inschriften (nicht griechische) und unterstreichen, dass Kremna nicht hellenisiert, sondern römisch identifizierte Gemeinschaft war.
Natur und Tierwelt
Das Plateau und die umliegenden Wälder Kremnas beherbergen eine vielfältige mediterrane und alpine Fauna:
- Greifvögel: Steinadler, Schlangenadler und Falken jagen über dem Tal
- Säugetiere: Wildschweine, Füchse und Hasen leben in den umliegenden Wäldern
- Reptilien: Hermann-Schildkröten und verschiedene Eidechsenarten sind auf den sonnenwarmen Ruinen häufig zu beobachten
- Vegetation: Mediterrane Kiefern, Wacholder, wilder Salbei, Thymian und saisonale Wildblumen
Die Verbindung von Archäologie und Natur macht Kremna für Geschichtsbegeisterte wie Naturliebhaber gleichermaßen reizvoll.
Vergleich mit anderen Belagerungsstätten
Die Belagerungsbefunde von Kremna werden häufig mit anderen bekannten römischen Belagerungsorten verglichen:
| Stätte | Datum | Angreifer | Hauptmerkmal |
|---|---|---|---|
| Masada (Israel) | 73 n. Chr. | Flavius Silva | Riesige Rampe gegen den Tafelberg |
| Jotapata (Israel) | 67 n. Chr. | Vespasian | Rampe und Tunnelarbeiten |
| Kremna (Türkei) | 278 n. Chr. | Truppen des Probus | Rampe, Umfassung, Wurfgeschütze |
| Alesia (Frankreich) | 52 v. Chr. | Iulius Caesar | Doppelte Umfassungsmauer |
| Numantia (Spanien) | 133 v. Chr. | Scipio Aemilianus | Sieben Lager, Umfassung |
Was Kremna besonders auszeichnet: Die Belagerungsanlagen wurden durch spätere Besiedlung oder Landwirtschaft kaum gestört. Während Masada umfassend ausgegraben und rekonstruiert wurde, ist die Belagerungslandschaft Kremnas im Wesentlichen so erhalten, wie die Römer sie zurückgelassen haben.
Fotografie-Leitfaden
Für Fotografen ergeben sich in Kremna folgende Hauptmotive:
- Morgenlicht: Das nach Osten orientierte Forum fängt das schöne goldene Morgenlicht ein
- Panorama der Belagerungsrampe: Beste Aufnahmen vom nordöstlichen Plateaurand
- Säulenfragmente: Nahaufnahmen der über das Forum verteilten korinthischen Kapitelle
- Talblicke: Vom Theater aus dramatische Landschaftsfotografie des Aksu-Tals
- Ballistenkugeln: Detailaufnahmen der oberflächlich verstreuten Wurfgeschützmunition
- Waldanmarsch: Der Aufstieg durch den Kiefernwald liefert atmosphärische Bilder
Für die Größe des Plateaus eignet sich ein Weitwinkelobjektiv (16–35 mm), für architektonische Details ein Teleobjektiv (70–200 mm).
Aktuelle Grabungen (2023 und danach)
Seit 2023 leitet Prof. Ayça Polat Becks von der Burdur Mehmet Akif Ersoy Universität die Grabungen. Die Kampagne wird mit einem ca. 40-köpfigen wissenschaftlichen Team und 25–30 lokalen Arbeitskräften aus den umliegenden Dörfern durchgeführt.
Wichtigste Entwicklungen:
- Neu entdeckte Reste paganer Tempel erweitern das Bild des religiösen Lebens in der Kolonie
- Interdisziplinäre Studien rekonstruieren soziale, kulturelle und wirtschaftliche Strukturen
- Das Grabungsteam arbeitet an einer möglichen Aufnahme Kremnas in die UNESCO-Welterbeliste
- Die fortlaufende Dokumentation von Säulenstraße, Basilika und Thermenkomplex präzisiert die Baugeschichte
Polat Becks betont, die Grabungen verwandelten Kremna allmählich in ein regionales touristisches Schwerpunktziel und lenkten akademisches sowie öffentliches Interesse auf eine Stätte, die zuvor nur Fachleuten bekannt war.
Zeitleiste in der Übersicht
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| vor 25 v. Chr. | Pisidische Bergsiedlung |
| 25 v. Chr. | Augustus gründet die Colonia Iulia Augusta Felix Cremnensium |
| 2.–3. Jh. n. Chr. | Großes Bauprogramm (Forum, Basilika, Therme, Säulenstraße) |
| 278 n. Chr. | Belagerung durch Truppen Kaiser Probus'; Fall der Stadt |
| 5.–6. Jh. n. Chr. | Kirchenbau auf dem Forum; Kremna wird Bischofssitz |
| 6.–7. Jh. n. Chr. | Aufgabe der Stadt |
| 1985–1987 | Geländebegehung und Dokumentation durch Stephen Mitchell |
| 1995 | Publikation von Cremna in Pisidia |
| 2023–heute | Neue Grabungskampagnen unter Prof. Ayça Polat Becks |
Glossar wichtiger Begriffe
- Colonia: Eine für Veteranen gegründete Siedlung mit vollem römischen Bürgerrecht
- Basilika: Großer öffentlicher Saal für Gerichtsverfahren und Handelsgeschäfte
- Forum: Zentraler öffentlicher Platz einer römischen Stadt
- Circumvallatio: Von Belagerern errichtete Umfassungsmauer um einen befestigten Ort
- Ballista: Großes römisches Wurfgeschütz oder Bolzengeschütz
- Agger: Belagerungsrampe, um die Mauerkrone zu erreichen
- Nymphäum: Reich geschmückter monumentaler Brunnen
- Hypokausten: In römischen Thermen verwendetes Fußbodenheizungssystem
- Odeion: Kleines, überdachtes Theater für Musikaufführungen oder Ratssitzungen
- Quadermauerwerk: Mauerwerk aus rechteckig zugehauenen Steinblöcken
