Alacahöyük

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Kurzüberblick: Alacahöyük liegt in der Provinz Çorum nahe der Kreisstadt Alaca, etwa 25 km nördlich der hethitischen Hauptstadt Hattuša, und gehört zu den frühesten und bedeutendsten archäologischen Stätten der Türkei. Mit einer Besiedlungsabfolge von rund 6.000 Jahren, die vom Chalkolithikum (um 4000 v. Chr.) über die phrygische bis in die römische Epoche reicht, ist der Ort durch zwei spektakuläre Entdeckungen weltbekannt geworden: die prachtvollen hattischen "Königsgräber" der Frühen Bronzezeit (um 2500–2000 v. Chr.) mit ihrem außergewöhnlichen Goldschmuck, Silbergefäßen und rätselhaften bronzenen "Sonnenscheiben"-Standarten sowie das monumentale Sphingentor des Hethitischen Großreichs (14.–13. Jh. v. Chr.), dessen Reliefs Götterprozessionen, Musikanten und Tierszenen zeigen. Als eine der ersten nationalen Grabungsstätten der Türkei (1935 auf persönliche Anregung Atatürks begonnen) nimmt Alacahöyük in der türkischen Forschungsgeschichte eine besondere Stellung ein. Der Fundort steht auf der Vorschlagsliste für das UNESCO-Welterbe.

Warum Alacahöyük bedeutsam ist

Alacahöyük ist auf mehreren Ebenen bedeutsam:

Königsgräber: Die dreizehn Schachtgräber aus der Frühen Bronzezeit (um 2500–2000 v. Chr.) zählen zu den spektakulärsten prähistorischen Entdeckungen des Vorderen Orients — zeitgleich mit den Königsgräbern von Ur in Mesopotamien und mit Troja II. Sie enthielten Goldreife von außergewöhnlichem Reichtum, silberne Trinkbecher, Bronzewaffen und die rätselhaften "Sonnenscheiben"-Standarten, die zu Ikonen der prähethitischen anatolischen Kunst geworden sind.

Hattische Kultur: Die Gräber liefern die anschaulichsten Belege der Hatti, eines nicht-indoeuropäischen Volkes Zentralanatoliens, das vor den Hethitern hier siedelte. Hattische Religionsvorstellungen, Gottheiten und künstlerische Traditionen wurden weitgehend von den Hethitern aufgegriffen.

Sphingentor: Das monumentale Tor mit den schützenden Sphinx-Skulpturen und seinen reliefierten Orthostaten (Steinplatten) ist außerhalb von Hattuša das besterhaltene Beispiel hethitischer Toranlagen.

Türkische Forschungsgeschichte: Alacahöyük war einer der ersten Orte, an denen im Rahmen des nationalen archäologischen Programms der Türkischen Republik ab 1935 auf persönliche Initiative Mustafa Kemal Atatürks Ausgrabungen aufgenommen wurden. Die Kampagne war eine Erklärung kultureller Souveränität: türkische Forschende untersuchten das eigene antike Erbe.

Geografie und Lage

Alacahöyük liegt in der Provinz Çorum, etwa 25 km nördlich von Boğazköy (Hattuša, hethitische Hauptstadt) und 15 km südlich der Kreisstadt Alaca. Die Fundstelle erstreckt sich über einen niedrigen Siedlungshügel auf einer sanft gewellten Agrarhochfläche in rund 1.000 Metern Höhe.

Die umgebende Landschaft zeigt das klassische Bild der nordzentralanatolischen Steppe: offene Getreidefelder, vereinzelte Baumgruppen und ferne Hügelketten. Diese Region bildete das Kernland des Hethitischen Großreichs (ca. 1650–1180 v. Chr.); Hattuša, Alacahöyük und Yazılıkaya bilden im Umkreis von 30 km ein Dreieck zentraler hethitischer Stätten.

Anreise aus dem DACH-Raum: Direktflüge bestehen von Frankfurt, München, Wien und Zürich nach Ankara; von dort sind es rund 200 km Fahrt nach Çorum (etwa 2,5 Stunden) und weiter zur Stätte.

Historischer Überblick

EpocheDatierungHauptmerkmale
Chalkolithikumum 4000–3000 v. Chr.früheste Siedlung
Frühe Bronzezeitum 3000–2000 v. Chr.Königsgräber; hattische Kultur
Althethitisches Reichum 1650–1400 v. Chr.Eingliederung in den hethitischen Staat
Hethitisches Großreichum 1400–1180 v. Chr.Sphingentor; monumentales Kultzentrum
Späthethitische Zeitum 1180–800 v. Chr.Rückgang, schrumpfende Siedlung
Phrygische Zeitum 800–550 v. Chr.phrygische Besiedlung und Bautätigkeit
Römische Zeit1. Jh. v. Chr. – 4. Jh. n. Chr.begrenzte Besiedlung

Die hattischen Königsgräber

Die Königsgräber sind die berühmteste Entdeckung Alacahöyüks:

Entdeckung

Zwischen 1935 und 1939 legte der türkische Archäologe Remzi Oğuz Arık mit seinem Team dreizehn Schachtgräber frei. Sie wurden in den frühesten Schichten des Hügels gefunden und datieren in die Frühe Bronzezeit (um 2500–2000 v. Chr.).

Grabbau

  • In den Boden geschachtete, steingeschachtete Rechteckgruben
  • Beigesetzte Verstorbene in Hocker- (flexierter) Position
  • Nach der Bestattung wurde die Grube mit Holzbalken abgedeckt und mit den Schädeln geopferter Rinder — Hörner nach oben — bekrönt
  • Anschließend wurde das Grab mit Erde überdeckt

Grabbeigaben

Die Gräber enthielten außergewöhnlichen Reichtum:

  • Goldene Stirnreife — feine Goldbänder als Kopfschmuck, einige aufwendig getrieben
  • Gold- und Silbernadeln, Broschen und Schmuckstücke von herausragender Verarbeitung
  • Silberbecher und -gefäße für rituelles Trinken
  • Bronzewaffen — Dolche, Schwerter und Streitäxte
  • Bronzene "Sonnenscheiben"-Standarten — die berühmtesten und rätselhaftesten Objekte
  • Kupferfigurinen — Stiere, Hirsche und andere Tiere
  • Keramikgefäße der Frühen Bronzezeit

Bedeutung

Die Königsgräber belegen, dass das vor-hethitische Anatolien (hattische Periode) eine hochentwickelte Kultur mit weit fortgeschrittener Metallurgie, komplexen Bestattungsritualen und einer wohlhabenden Herrscherelite besaß.

Die Bronzestandarten

Die bronzenen "Sonnenscheiben"-Standarten aus den Königsgräbern sind die ikonischsten Objekte Alacahöyüks:

Beschreibung

  • Auf lange Stäbe montierte flache, kreis- oder halbmondförmige Scheiben
  • Häufig bekrönt von darauf stehenden Hirschen oder Stieren
  • Durchbrochene Gestaltungen mit geometrischen Mustern (Kreuze, Hakenkreuze, konzentrische Kreise)
  • Einige Standarten besitzen anhängende Schellen oder Glöckchen

Deutung

Ihre Funktion ist umstritten:

  • Ritualstandarten, in religiösen Prozessionen getragen
  • Sonnensymbole, die einen Sonnenkult bezeugen
  • Clan- oder Stammesabzeichen, die einzelne Linien identifizieren
  • speziell für die Bestattung gefertigte Grabbeigaben

Die Hirsch- und Stiermotive setzen sich in der hethitischen Kunst und Religion fort und verweisen auf kulturelle Kontinuität von der hattischen zur hethitischen Zivilisation. Die Standarten zählen heute zu den bekanntesten Symbolen antiker anatolischer Kunst und werden im Museum für anatolische Zivilisationen in Ankara präsentiert.

Das Sphingentor

Das Sphingentor ist das visuell eindrucksvollste Bauwerk Alacahöyüks aus hethitischer Zeit:

Beschreibung

  • Ein monumentales Tor in der hethitischen Stadtmauer, flankiert von zwei großen Sphinx-Skulpturen
  • Die Sphinxe sind Mischwesen mit Menschenkopf und Löwenleib — Schutzwesen am Eingang des Heiligen Bezirks
  • Der Durchgang ist mit Orthostaten (reliefierten Steinplatten) ausgekleidet, die sakrale und zeremonielle Szenen zeigen

Orthostatenreliefs

Die Reliefs zeigen:

  • Götterprozessionen — Figuren nähern sich einer thronenden Gottheit (vermutlich dem Wettergott oder der Sonnengöttin von Arinna)
  • Musiker mit Saiteninstrumenten und Trommeln
  • Akrobaten und Gaukler in dynamischen Posen, vermutlich Festauftritte
  • Jagdszenen — eine Wagenjagd auf ein Wildschwein
  • Rituelle Opfergaben — Figuren bringen einem thronenden Gott Gaben dar

Datierung

Sphingentor und Reliefs werden in die Zeit des Hethitischen Großreichs, vermutlich ins 14.–13. Jahrhundert v. Chr. — den Zenit hethitischer Macht — datiert.

Heutiger Zustand

Originalsphinxe und viele Orthostaten befinden sich im Museum für anatolische Zivilisationen in Ankara. Vor Ort wurden Repliken aufgestellt, damit Besucher den ursprünglichen Eindruck des Tores nachempfinden können.

Hethitische Bauten

Über das Sphingentor hinaus umfassen die hethitischen Reste in Alacahöyük:

Tempelareal

Unmittelbar am Sphingentor schließt sich ein Tempelkomplex an, der zeigt, dass Alacahöyük im Hethitischen Großreich ein bedeutendes Kultzentrum — nicht etwa eine politische Hauptstadt, sondern ein heiliger Bezirk — war.

Festungsmauern

Mächtige Steinmauern umgaben die hethitische Siedlung; das Sphingentor diente als zeremonieller Hauptzugang. Die Mauern belegen die hochentwickelte hethitische Militärbaukunst.

Posternentunnel

Ein Posternentunnel (unterirdischer Durchgang) führt durch die Mauerstruktur — ein für hethitische Festungswerke charakteristisches Merkmal, das auch in Hattuša belegt ist. Solche Tunnel erlaubten Verteidigern Überraschungsausfälle gegen Belagerer.

Vorratsanlagen

Große Vorratsräume (Magazine) mit Pithoi belegen, dass die Stätte neben ihrer sakralen Funktion auch als regionales Speicher- und Verteilzentrum diente.

Phrygische und spätere Epochen

Nach dem Zusammenbruch des Hethitischen Großreichs (um 1180 v. Chr.) blieb Alacahöyük weiter besiedelt:

Phrygische Zeit (um 800–550 v. Chr.)

  • Die Phryger errichteten neue Bauten über den hethitischen Schichten
  • Phrygische Keramik und Architekturreste wurden identifiziert
  • Der Ort war in dieser Zeit vermutlich eine bescheidene Siedlung — kein großes Kultzentrum mehr

Römische Zeit

  • Begrenzte Belege für römische Besiedlung
  • Der Hügel ging schrittweise in Ackerland über

Sakrale Bedeutung

Alacahöyük scheint über weite Teile seiner Geschichte ein heiliger Ort gewesen zu sein:

Hattische Periode

Die kunstvollen Königsgräber mit Rinderopfern und Bronzestandarten legen nahe, dass Alacahöyük für die hattische Elite religiöse oder politische Bedeutung hatte — vermutlich als Zeremonialzentrum oder königliche Nekropole.

Hethitische Periode

Sphingentor und der zugehörige Tempelkomplex zeigen, dass Alacahöyük im Hethitischen Großreich ein bedeutendes religiöses Zentrum war. Die Prozessions- und Opferreliefs deuten an, dass die Stätte mit großen hethitischen Festen verknüpft war — möglicherweise mit dem AN.TAH.ŠUM-Fest oder dem Puruli-Fest zu Ehren des Wettergottes.

Die Nähe zu Hattuša (25 km) legt nahe, dass Alacahöyük als satellitenartiges Kultzentrum der Hauptstadt fungierte.

Kulturelle Kontinuität

Die Verbindung von hattischem und hethitischem Sakralmaterial an einem Ort belegt die kulturelle Kontinuität beider Zivilisationen. Die Hethiter übernahmen hattische Religionsvorstellungen, Gottheiten (darunter die Sonnengöttin von Arinna als höchste Gottheit des hethitischen Pantheons) und heilige Plätze.

Grabungsgeschichte

Geburt der türkischen Nationalarchäologie

  • 1935: Beginn der Grabungen unter Leitung von Remzi Oğuz Arık unter dem Patronat der Türkischen Historischen Gesellschaft und auf persönliche Initiative Mustafa Kemal Atatürks
  • Es handelte sich um eine der ersten großen Grabungen, die von türkischen Wissenschaftlern an einer türkischen Fundstätte durchgeführt wurden — ein symbolischer Meilenstein des Kulturprogramms der jungen Republik
  • Bereits in den ersten Saisons (1935–1939) wurden die Königsgräber entdeckt und lösten große Begeisterung aus

Spätere Kampagnen

  • 1940er–1970er: Fortführung der Grabungen unter Hamit Zübeyr Koşay und später Mahmut Akok
  • Sphingentor, Tempel und Befestigungsanlagen aus hethitischer Zeit wurden freigelegt
  • 1990er–heute: Türkische Grabungen widmen sich phrygischen und späteren Schichten, Konservierung und Vermittlung

Funde

Die wichtigsten Funde — goldene Stirnreife, Silbergefäße, Bronzestandarten, Sphinxskulpturen und Orthostatenreliefs — werden im Museum für anatolische Zivilisationen in Ankara präsentiert. Eine Auswahl von Funden und Repliken ist im örtlichen Museum von Alacahöyük zu sehen.

Museum von Alacahöyük

Das kleine Standortmuseum in Alacahöyük zeigt:

  • Repliken der wichtigsten Königsgrabfunde (Originale in Ankara)
  • Originale Keramik, Werkzeuge und Kleinobjekte aller Epochen
  • Fotografien und Dokumentationen der Grabungen
  • Schautafeln zur Geschichte und Bedeutung der Stätte
  • Das Museum liefert den unverzichtbaren Kontext, um die Ruinen im Gelände zu deuten

Besucherinformationen

Lage: Provinz Çorum, nahe Alaca. Boğazköy (Hattuša) etwa 25 km südlich, Kreisstadt Alaca 15 km nördlich.

Anreise: Mit dem Auto von Çorum (75 km, 1 Stunde) oder aus Boğazköy/Hattuša (25 km, 30 Minuten). Es besteht kein regulärer öffentlicher Verkehr zur Stätte — Besucher fahren in der Regel selbst oder organisieren Transfer ab Çorum oder Boğazköy. Çorum ist von Ankara per Bus erreichbar (4 Stunden). Direktflüge aus dem DACH-Raum landen in Ankara.

Öffnungszeiten: täglich, in der Regel 08:00–17:00 Uhr (im Sommer ggf. verlängert). Das Standortmuseum hat die gleichen Zeiten.

Eintritt: Gebühr erforderlich. Müzekart akzeptiert.

Dauer: 1–2 Stunden für Stätte und Museum.

Kombinationsempfehlungen:

  • Hattuša (Boğazköy) — hethitische Hauptstadt, UNESCO-Welterbe (25 km südlich); unverzichtbarer Begleitbesuch
  • Yazılıkaya — hethitisches Felsenheiligtum mit Götterreliefs (28 km südlich; nahe Hattuša)
  • Museum für anatolische Zivilisationen, Ankara — beherbergt die Originalfunde aus den Königsgräbern und die Skulpturen des Sphingentors
  • Museum Çorum — regionales archäologisches Museum

Praktische Hinweise:

  • Verbinden Sie Alacahöyük mit Hattuša und Yazılıkaya zu einer ganztägigen Tour durch das hethitische Kernland
  • Sehen Sie sich die Originale im Museum für anatolische Zivilisationen in Ankara vor oder nach dem Besuch der Stätte an
  • Das Standortmuseum liefert wichtigen Kontext — vor dem Rundgang besuchen
  • Die Sphingentor-Repliken vermitteln einen guten Eindruck vom monumentalen Eingang
  • Frühling und Herbst bieten die angenehmsten klimatischen Bedingungen

Alacahöyük im Kontext der anatolischen Archäologie

Alacahöyük besitzt einen einzigartigen Stellenwert in der anatolischen Archäologie:

Hattisch-hethitische Kontinuität

Die Verbindung von hattischem und hethitischem Material an einer Stätte bietet eine unvergleichliche Gelegenheit, den kulturellen Übergang in Anatolien zu verstehen. Hattische Religionstraditionen, Gottheiten und Kunstmotive bildeten das Fundament der hethitischen Zivilisation.

Symbol der republikanischen Archäologie

Die Grabungen in Alacahöyük gehören untrennbar zur kulturellen Identitätsbildung der jungen Türkischen Republik. Atatürks persönliches Interesse und das Engagement türkischer Archäologen machten sie zu einer Quelle nationalen Stolzes.

Verbindung zum Museum für anatolische Zivilisationen

Die Funde aus Alacahöyük gehören zu den wertvollsten Beständen des Museums für anatolische Zivilisationen in Ankara. Bronzestandarten und Goldreife sind Wahrzeichen des Museums.

Häufig gestellte Fragen

Was sind die Königsgräber von Alacahöyük? Dreizehn Schachtgräber der Frühen Bronzezeit (um 2500–2000 v. Chr.) mit Goldreifen, Silbergefäßen, Bronzestandarten und weiteren Schätzen. Sie gehören zur hattischen Kultur, der prähethitischen Zivilisation Zentralanatoliens.

Was sind die Bronzestandarten? Rätselhafte bronzene Scheiben- und Halbmondobjekte auf Stäben, oft mit Hirsch- und Stierfiguren bekrönt. Sie könnten Ritualstandarten, Sonnensymbole oder Clanabzeichen gewesen sein.

Was ist das Sphingentor? Ein monumentales hethitisches Tor (14.–13. Jh. v. Chr.) mit Sphinxskulpturen und reliefierten Steinplatten, die Götterprozessionen, Musiker und Jagdszenen zeigen.

Wer waren die Hatti? Die Hatti waren die nicht-indoeuropäischen Bewohner Zentralanatoliens vor den Hethitern. Ihre Kultur, Religion und Heiligtümer wurden weitgehend von den Hethitern übernommen.

Wo befinden sich die Originalfunde? Die Hauptfunde befinden sich im Museum für anatolische Zivilisationen in Ankara. Im Standortmuseum von Alacahöyük sind Repliken und kleinere Originalobjekte zu sehen.

Architektonische Maße

Technische Maße der Hauptbauten Alacahöyüks:

Bauwerk / ElementMaßErläuterung
Durchgangsbreite Sphingentor~10 mmonumentaler Zeremonialeingang
Sphinx-Protomenhöhe~2 mAußenseiten der Torpfeilerblöcke
Tiefe der Königsgräber~1,5 mtypische Schachtgrabmaße
Anzahl Königsgräber14freigelegt 1935–1939
Datierung der Gräber2850–2450 v. Chr.Frühe Bronzezeit II–III
Gesamtbesiedlungsdauer~6.000 JahreChalkolithikum bis Römerzeit
Posternentunnelunterirdischer Durchgang unter der FestungsmauerParallelen in Hattuša

Technische Analyse der Bronzestandarten

Die mehr als 40 Bronzestandarten aus den Königsgräbern belegen fortgeschrittenes metallurgisches Wissen:

MerkmalTechnisches Detail
Gesamtzahl der Standarten40+
Zinn-Bronze-Legierungsanteil4,75–12,3 % Zinn (Gewichtsanteil)
Höhe der Tierstandarten20–56 cm
Durchmesser der Scheibenstandarten20–30 cm
Montagesystemvierfüßiger Sockel, mittlere Hülse oder Niete zur Verbindung mit dem Holzstab
GusstechnikHohlguss — zur Gewichtsreduktion und Detailgestaltung
EinlagematerialienSilber, Gold, Elektron, Lapislazuli, Perlmutt
EinlagebereicheAugen, Hörner, Nasen und Detailflächen

Tierstandarten

  • Hirschfiguren: Aufwärts gerichtete Geweihe ergeben eine kronenartige Silhouette
  • Stierfiguren: Kräftiger, muskulöser Körper; ausgeprägte aufwärts geschwungene Hörner, flacher, langer Kopf, hervortretende Augen
  • Sorgfältige Ohren- und Nasenarbeit — individuelle Beobachtungsgabe der Handwerker

Scheibenstandarten

  • Konfigurationen als Ring, Halbkreis oder Rauten
  • Symmetrische Tierpaare (Hirsche, Stiere oder Löwen) im Zentrum
  • Sonnenstrahlmotive und Hornelemente — Sonnengottsymbolik der hattischen Himmelsverehrung

Goldobjekte: Echt und vergoldet

Eine wichtige wissenschaftliche Korrektur zu den Schätzen Alacahöyüks:

Moderne metallurgische Analysen an der Ruhr-Universität Bochum haben gezeigt, dass viele zuvor als Gold klassifizierte Objekte tatsächlich aus Silber oder Bronze bestehen und lediglich vergoldet sind:

  • Die Stärke der Goldauflage beträgt teilweise nur 1 Mikrometer (0,001 mm)
  • Dies belegt das hochentwickelte Können der hattischen Handwerker im Anbringen extrem dünner Goldauflagen
  • Gleichzeitig zwingt es zu einer Neubewertung des Grabschmucks
  • Es gibt jedoch auch echte Goldstirnreife, -nadeln und -schmuckstücke

Bestattungsritus der Königsgräber

Die Grabbauten lassen die Phasen eines komplexen Bestattungsritus erkennen:

PhaseHandlung
1. Grabaushubrechteckige Grube im Boden, mit Steinen ausgeschlagen
2. LeichenniederlegungHockerstellung; Gesicht nach Westen
3. GrabbeigabenGoldreife, Silberbecher, Bronzewaffen, Standarten
4. AbdeckungHolzbalkenkonstruktion
5. Rinderopfergehörnte Schädel geopferter Rinder werden auf die Abdeckung gelegt
6. BestattungAufschüttung mit Erde

Dass die Rinderschädel mit nach oben gerichteten Hörnern platziert wurden, unterstreicht die zentrale Rolle des Stiers in der hattischen Sakralsymbolik. Diese Tradition findet sich in der späteren hethitischen Religion fort, wo der Stier das heilige Tier des Wettergottes blieb.

Die Orthostaten des Sphingentors: Szenenverzeichnis

Die Reliefplatten beiderseits des Tordurchgangs bieten ein einzigartiges Panorama hethitischen Religionslebens:

SzeneDarstellungDeutung
König und KöniginFiguren beten vor einem Altar zu einem Stierstaatlicher Kultritus
MusikerSaiten-, Schlag- und BlasinstrumenteFestmusik
Akrobatendynamische PosenFestunterhaltung
WagenjagdWildschweinjagd vom Wagenkönigliche Jagdtradition
Rituelle GabenOpferträger vor thronender Gottheitgöttliche Widmung
TierszenenLöwe, Stier und weitere Tiereübernatürliche Machtsymbolik

Die Originale dieser Reliefs sind im Museum für anatolische Zivilisationen in Ankara ausgestellt. Die Repliken vor Ort vermitteln die räumliche Wirkung des Tores.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Wikipedia DE: Alaca Höyük
  • UNESCO Vorschlagsliste — Alacahöyük
  • Türkisches Kultur- und Tourismusministerium — Alacahöyük
  • Deutsches Archäologisches Institut (DAI): dainst.org — Hethitologie-Projekte
  • Österreichisches Archäologisches Institut (ÖAI): oeai.at
  • Remzi Oğuz Arık, Alaca Höyük Hafriyatı 1935 (TTK, 1937)
  • Hamit Zübeyr Koşay, Alacahöyük Kazısı (TTK, mehrere Bände)
  • Museum für anatolische Zivilisationen, Ankara — Galerien Königsgräber und Sphingentor
  • World History Encyclopedia, "Hattische Königsgräber in Alacahöyük"
  • Turkish Archaeological News — Alacahöyük
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Standortinformationen

Breitengrad:40.233158
Längengrad:34.695932
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