Antiphellos

Die lykische Stadt unter Kaş

12 Min. Lesezeit

Kurzfassung: Antiphellos, das heutige Kaş an der westlichen Mittelmeerküste der Provinz Antalya, ist eine antike lykische Polis, deren Reste unter und um die malerische Kleinstadt verteilt liegen. Ursprünglich nur Hafen des höher gelegenen Phellos, wuchs Antiphellos im Hellenismus über seinen Mutterort hinaus und wurde eigenständige Stadt. Berühmt ist die Stadt für die eindrucksvollen lykischen Felsgräber in den Klippen oberhalb der Bucht, den 5 Meter hohen lykischen Sarkophag mitten im Stadtzentrum mit einer seltenen Inschrift in Milyas (Lykisch B), das hellenistische Theater mit Blick auf das Meer und die antiken Reste, die sich in das moderne Straßennetz einfügen. Sir Francis Beaufort entdeckte die Stadt in den 1820er Jahren wieder, Charles Fellows dokumentierte 1840 mehr als 100 Felsgräber. Antiphellos ist eines der eindrucksvollsten Beispiele dafür, wie eine antike Stadt in einer modernen Ortschaft weiterlebt – wo 2.400 Jahre alte Gräber neben Boutiquehotels und Strandcafés stehen.

Warum Antiphellos besondere Bedeutung hat

Sprachgeschichtlicher Schatz: Die Sarkophaginschrift in Milyas (Lykisch B) – einer wenig bekannten luwischen Sprache – zählt zu den wichtigsten epigraphischen Dokumenten zum Verständnis der sprachlichen Vielfalt im antiken Lykien. Weltweit sind nur rund 30 Milyas-Texte bekannt; die Inschrift von Antiphellos ist eine der längsten und aussagekräftigsten.

Antike Stadt im Hier und Jetzt: Kaş ist unmittelbar über Antiphellos gebaut. Gräber, Theaterstufen und Inschriften verweben sich mit Restaurants und Geschäften. Weltweit gibt es wenige Orte, an denen Antike und Gegenwart sich so organisch durchdringen.

Lykische Grabkunst: Felsgräber und freistehende Sarkophage zeugen vom enormen Aufwand, mit dem die Lykier ihre Toten ehrten – ein kulturelles Spezifikum, das im antiken Mittelmeer einzigartig ist.

Vom Hafen zur Stadt: Der Aufstieg von Antiphellos vom abhängigen Hafen zum eigenständigen Polis-Zentrum belegt, wie Seehandel im Hellenismus und in der Kaiserzeit urbane Hierarchien neu ordnete – ähnlich Piräus/Athen oder Ostia/Rom.

Kontinuität: Kaş zählt zu den seltenen Orten der Türkei, an denen eine moderne Gemeinde ohne Unterbrechung auf antikem Stadtboden weiterlebt.

Geographie und Lage

Antiphellos nimmt einen der pittoreskesten Standorte der türkischen Mittelmeerküste ein:

Topographie

  • Kleine Halbinsel mit Naturhafen, ins Mittelmeer gestreckt;
  • die Stadt schmiegt sich an steile Kalksteinklippen, in die die Felsgräber geschlagen sind;
  • gegenüber – durch eine nur 4 km schmale Meeresenge – liegt die griechische Insel Kastellorizo (Meis);
  • die Küste rundherum ist von Buchten, Meereshöhlen und kristallklarem Wasser geprägt;
  • der Lykische Weg verläuft auf einer seiner schönsten Etappen durch die Umgebung.

Klima

  • Typisches mediterranes Klima – heiße, trockene Sommer (30–35 °C), milde, regenreiche Winter;
  • Badesaison von Mai bis November;
  • geschützte Hafenlage;
  • jährlich mehr als 300 Sonnentage.

Historischer Hintergrund

Lykische Gründungsphase (5. Jh. v. Chr. oder früher)

Antiphellos entstand als Hafensiedlung des höher gelegenen Phellos (heute in der Nähe von Çukurbağ, etwa 10 km nordöstlich):

  • Der Name bedeutet wörtlich „gegenüber von Phellos";
  • in der Frühphase abhängig vom Mutterort;
  • die lykischen Felsgräber bezeugen eine bedeutsame Siedlung mindestens ab dem 5. Jh. v. Chr.;
  • die Lykier galten als versierte Seefahrer.

Persische Zeit (546–334 v. Chr.)

Unter den Achämeniden blieb Lykien eine Satrapie mit lokal autonomen Dynasten. Die schönsten Felsgräber und das berühmte Sarkophag dürften ins 4. Jh. v. Chr. zu datieren sein.

Hellenismus (334–43 v. Chr.)

Mit Alexanders Eroberungen und der maritimen Expansion gewann Antiphellos an Bedeutung und überholte schließlich Phellos. Im 2. Jh. v. Chr. ist Antiphellos eigenständiges Mitglied des Lykischen Bundes. Das Theater wird in dieser Phase errichtet.

Kaiserzeit (43 – 395 n. Chr.)

Unter Rom blühte Antiphellos als Hafenstadt in der Provinz Lycia et Pamphylia weiter. Das Theater wurde umgebaut und erweitert; römische Bauten reicherten das Stadtbild an. Der Hafen war wichtiger Knoten im östlichen Mittelmeerhandel.

Byzantinische Zeit (395 – 7. Jh.)

Antiphellos wurde Bischofssitz. Kirchen wurden gebaut, teils unter Wiederverwendung antiken Materials. Mit Piraterie und arabischen Überfällen schrumpfte die Stadt.

Vom Osmanischen Reich zum modernen Kaş

  • Im Osmanischen Reich hieß die Siedlung Andifli (verschliffen aus „Antiphellos");
  • später umbenannt in Kaş („Augenbraue" – auf die Form der Hafenhalbinsel bezogen);
  • bis Ende des 20. Jahrhunderts kleine Fischer- und Agrargemeinschaft;
  • heute eine der beliebtesten Boutiquedestinationen der Türkei;
  • seit den 2000er Jahren international bekannt durch Tauchtourismus.

Der lykische Sarkophag (Königsgrab)

Das berühmteste Monument von Antiphellos steht mitten in Kaş, in der Uzunçarşı Caddesi:

Beschreibung

  • Gesamthöhe etwa 5 Meter;
  • aufgesetzt auf einem hohen rechteckigen Sockel (Hyposorion);
  • charakteristisch lykischer spitzbogiger Deckel – wie ein umgestülpter Schiffsrumpf;
  • am Sarkophag eingemeißelte Löwenköpfe;
  • Reliefplatten mit menschlichen und tierischen Figuren;
  • datiert ins 4. Jh. v. Chr.

Milyas-Inschrift

Der Sarkophag trägt eine lange Inschrift in Milyas (auch „Lykisch B" genannt):

  • luwische Sprache, mit Lykisch A verwandt, aber davon unterschieden;
  • nur etwa 30 milyasische Texte bekannt – einer der wichtigsten ist dieser;
  • die Inschrift benennt den Grabinhaber und regelt Bestattungsangelegenheiten;
  • teilweise entziffert;
  • unverzichtbar für das Verständnis der sprachlichen Topographie Lykiens;
  • die meisten Milyas-Inschriften stammen aus Westlykien – der Sarkophag von Antiphellos markiert das östliche Verbreitungsende.

Standort

Der Sarkophag steht mitten in einer Wohnstraße zwischen modernen Häusern – eine der surrealsten Sichtbeziehungen der türkischen Archäologie. Caféstühle stehen buchstäblich in seinem Schatten.

Die Felsgräber

Die Klippen hinter Kaş sind förmlich von lykischen Felsgräbern durchsetzt:

Überblick

  • Charles Fellows zählte 1840 mehr als 100 Felsgräber;
  • in die nach Süden weisende Kalksteinwand geschlagen;
  • überwiegend 5.–4. Jh. v. Chr.;
  • nachts beleuchtet bilden sie das ikonische Stadtbild;
  • aus dem gesamten Ort sichtbar.

Typen

  • Tempelfassadengräber – ionische oder dorische Fronten;
  • Hausgräber – lykische Holzarchitektur in Stein nachgebildet;
  • einfache Kammergräber – sparsamer Schmuck;
  • Vielfalt spiegelt soziale Schichten wider.

„Dorisches Grab"

Eines der markantesten Beispiele zeigt eine dorische Tempelfassade:

  • zwei dorische Säulen tragen einen Architrav;
  • Bankettrelief mit liegender Figur;
  • vom Hafen aus sichtbar;
  • Beleg für die Auseinandersetzung Lykiens mit griechischer Kultur.

Grab und sozialer Status

  • Höchstgelegene Gräber gehörten den vermögendsten Familien;
  • Detailtiefe der Fassaden spiegelt sozialen Rang;
  • Strafgelder in Inschriften schützten vor unbefugter Nutzung.

Das Theater

Das hellenistische Theater liegt am Westende der Halbinsel mit Meerblick:

  • Fassungsvermögen ca. 4.000 Zuschauer;
  • 26 Sitzreihen, durch eine horizontale Diazoma geteilt;
  • in den Naturhang eingebaut;
  • nach Südsüdwest ausgerichtet – Blick auf das Meer und Kastellorizo;
  • die Skene ist verloren, die Sitzreihen gut erhalten;
  • gemeinsam mit Magarsus eines der wenigen antiken Theater der Türkei mit direktem Meerblick;
  • gelegentlich Bühne für Kaş Lykia Festival-Veranstaltungen;
  • bemerkenswerte Akustik bis heute;
  • antike Stufen und mediterraner Sonnenuntergang ergeben eine besondere Atmosphäre.

Weitere antike Spuren

Tempelfundament

Nahe des Hafens befindet sich ein dorisches Tempelfundament:

  • vermutlich Apollon geweiht;
  • nur die Plattform erhalten;
  • Apollon war die wichtigste lykische Gottheit.

Stadtmauern

An verschiedenen Stellen sind Reste der antiken Stadtmauern ablesbar:

  • teilweise in spätere osmanische und moderne Bauten integriert;
  • hellenistische Mauertechnik erkennbar;
  • Beleg für die Bedeutung der Stadt.

Zisternen

Antike, in den Fels geschlagene Zisternen sorgten für die Wasserversorgung:

  • in einer wasserarmen Küste lebenswichtig;
  • einige in der Nähe der Felsgräber zugänglich;
  • Wassermanagement im trockenen Sommer war zentrale ingenieurtechnische Aufgabe.

Verstreute Inschriften

Im ganzen Ort sind griechische und lykische Inschriften sichtbar – manche in spätere Mauern eingebaut, andere auf einzelnen Blöcken.

Antiphellos und Phellos

Um Antiphellos zu verstehen, muss man Phellos kennen:

  • ursprüngliches Binnenland-Phellos, etwa 10 km nordöstlich auf einem Bergrücken über Çukurbağ;
  • Antiphellos war sein Hafen – „anti" im Sinne von „gegenüber";
  • mit dem Bedeutungsgewinn des Seehandels übernahm der Hafen die Führung;
  • typisches Muster der antiken Hafen-Mutterstadt-Beziehung (Piräus/Athen, Ostia/Rom);
  • mikroskopisches Beispiel des hellenistischen ökonomischen Wandels.

Phellos selbst besitzt noch eindrucksvolle Reste (Felsgräber, Sarkophage, kleines Theater) und ist als Tagesausflug von Kaş erreichbar.

Die milyasische Sprache

Was ist Milyas?

  • Auch Lykisch B genannt;
  • luwische Sprache des Anatolischen Zweigs;
  • mit Lykisch A verwandt, doch eigenständig;
  • in einer Variante des lykischen Alphabets geschrieben;
  • Luwisch ist Nachklang der hethitischen Sprachfamilie in Südwestanatolien.

Bekannte Milyas-Texte

  • Nur etwa 30 Inschriften;
  • die Sarkophaginschrift von Antiphellos zählt zu den längsten;
  • weitere Texte vor allem aus Westlykien;
  • für die anatolische Sprachgeschichte unverzichtbar.

Bedeutung

Die Koexistenz von Milyas und Standard-Lykisch zeigt, dass das antike Lykien sprachlich wesentlich vielschichtiger war, als lange angenommen – ein Mosaik verwandter, aber unterschiedener anatolischer Sprachen.

Maritimes Erbe von Antiphellos

Der antike Hafen

  • Naturhafen, sicherer Ankerplatz für kleine Schiffe;
  • Kastellorizo (Meis) als natürlicher Wellenbrecher;
  • wichtiger Knoten im lykischen Küstenhandel;
  • Kontakte zu Phöniziern, Ägyptern, Griechen.

Seehandel und Stadtwachstum

  • Ab dem 4. Jh. v. Chr. brachte die Wiederbelebung des Osthandels Wohlstand;
  • Olivenöl, Wein, Holz und vermutlich Schwämme als wichtigste Exportgüter;
  • Reichtum finanzierte Grabbauten und Theater;
  • Lage auf der Route Rhodos – phönizische Küste.

Piraterie und Niedergang

  • Kilikische Piraterie in Hellenismus und Spätkaiserzeit;
  • 67 v. Chr. Pompeius' Pirateriebekämpfung;
  • in byzantinischer Zeit arabische Seezüge.

Modernes maritimes Erbe

  • Kaş zählt heute zu den wichtigsten Tauchzentren der Türkei;
  • Marina an Stelle des antiken Hafens;
  • tägliche Fähre nach Kastellorizo;
  • Bootstouren nach Kekova.

Besucherinformationen

Lage: Kaş, Provinz Antalya. Theater, Sarkophag und Felsgräber sind fußläufig vom Stadtzentrum erreichbar.

Anreise: Kaş ist von Antalya (4 Std.), Fethiye (2,5 Std.) und anderen Küstenorten mit Bus erreichbar. Der nächste Flughafen ist Dalaman (150 km westlich). Aus dem DACH-Raum bestehen Direktflüge nach Antalya (AYT) sowie saisonal nach Dalaman (DLM).

Lykischer Sarkophag: in der Uzunçarşı Caddesi rund um die Uhr sichtbar, kein Eintritt.

Theater: offener Zugang am Westrand der Stadt, kostenlos.

Felsgräber: über Pfade hinter der Stadt zugänglich, kostenlos.

Aufenthaltsdauer: 2–3 Stunden für die antiken Reste.

Kombinationsmöglichkeiten:

  • Phellos – die Mutterstadt (10 km nordöstlich, oberhalb von Çukurbağ);
  • Kekova (Simena) – versunkene Stadt im glasklaren Wasser;
  • Patara – lykische Bundeshauptstadt, längster Strand der Türkei (40 km westlich);
  • Myra (Demre) – Felsgräber und Nikolauskirche (45 km östlich);
  • Kastellorizo (Meis) – griechische Insel gegenüber;
  • Tauchen und Schnorcheln – Kaş ist eine Top-Destination der Türkei.

Tipps:

  • Der Sarkophag in der Uzunçarşı Caddesi fotografiert sich am besten im Morgenlicht;
  • Theater zum Sonnenuntergang besuchen;
  • Felsgräber werden nachts beleuchtet;
  • Kaş ist klein genug, um es zu Fuß zu erkunden;
  • der Freitagsmarkt für lokale Produkte;
  • Bootstouren zur versunkenen Stadt Kekova;
  • die Kaş-Etappe des Lykischen Wegs ist ein Höhepunkt für Wanderer.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Antiphellos? Eine antike lykische Polis unter dem heutigen Kaş. Ursprünglich Hafen von Phellos, später eigenständige Stadt. Berühmt für Felsgräber, milyasische Sarkophaginschrift und Theater mit Meerblick.

Was ist der große Sarkophag in Kaş? Der 5 m hohe lykische Sarkophag in der Uzunçarşı Caddesi, 4. Jh. v. Chr., mit einer der längsten Inschriften in Milyas (Lykisch B).

Welche Sprache trägt die Sarkophaginschrift? Milyas (Lykisch B), eine antike luwische Sprache, von Lykisch A unterschieden. Nur ca. 30 Texte erhalten.

Kann man in Antiphellos baden? Ja – Kaş bietet hervorragende Bade- und Tauchmöglichkeiten. Der antike Hafen ist heute Marina; Küçük Çakıl und Büyük Çakıl liegen mitten im Ort.

Lohnt sich Kaş? Unbedingt – für antike Reste, mediterrane Schönheit, Tauchgründe und die Boutiqueatmosphäre.

Wie kommt man nach Phellos? Über Çukurbağ, etwa 10 km. Geländewagen oder Wanderung. Beeindruckende Felsgräber und Sarkophage.

Architektonische Maße und Bauwerksverzeichnis

BauwerkMaßeMerkmalEpoche
Lykischer Sarkophag (Königsgrab)Höhe ~5 m, Kasten ~2,2 × 1,3 mMilyas-Inschrift (TL 55), Löwenköpfe4. Jh. v. Chr.
Hellenistisches TheaterCaveadurchmesser ~38 m, 26 Reihen4.000 Sitzplätze, Meerblick2. Jh. v. Chr.
Dorisches Tempelfundament~12 × 8 m (Plattform)vermutlich Apollon4.–3. Jh. v. Chr.
Dorisches FelsgrabFassade ~3,5 m breit2 dorische Säulen, Bankettrelief4. Jh. v. Chr.
Stadtmauernnachgewiesen ca. 800 mhellenistisches Mauerwerk3.–2. Jh. v. Chr.
Zisternenvariabel, max. ~6 × 4 mfelsgeschlagen, Regenwasser4.–2. Jh. v. Chr.

Das Theater wurde 2008 umfassend restauriert. Es liegt rund 500 m vom Stadtzentrum entfernt und teilt mit Magarsus das Alleinstellungsmerkmal eines anatolischen Theaters mit direktem Meerblick. Die 26 Reihen sind durch eine Diazoma geteilt.

Forschungsgeschichte

JahrForscher/EreignisBefund
1811–1812Francis Beaufortwiederentdeckte den Ort während seiner Küstenvermessung
1817Francis BeaufortKaramania – erste systematische Beschreibung
1838–1840Charles Fellowsdokumentierte über 100 Felsgräber, kopierte die Sarkophaginschrift
1840erFellows-ExpeditionenZeichnungen lykischer Monumente gelangen ins British Museum
1952Archäologisches TeamGrabungen in der Stadt mit begrenztem Ergebnis
1952Auswertungfür das 4. Jh. v. Chr. wird eine kleine Siedlung um den Hafen postuliert
2008Restaurierunghellenistisches Theater umfassend instand gesetzt
laufendMuseum AntalyaKonservierung, Monitoring, Dokumentation

Die Grabungen von 1952 ergaben, dass Antiphellos im 4. Jh. v. Chr. noch klein war. Das eigentliche Wachstum setzt mit der hellenistischen Seehandelsexpansion ein und führt zum Überholen von Phellos.

Milyas (Lykisch B): epigraphische Details

MerkmalDetail
Position der InschriftNordseite des Sarkophags
Zeilen9
SpracheMilyas (Lykisch B), luwischer Sprachzweig
SchriftVariante des lykischen Alphabets
Grabinhaberein gewisser Pixre
InhaltGrabbesitz, Bestattungsregelungen
Stand der Entzifferungteilweise entziffert; Forschung läuft
Vergleichstexte2 Milyas-Gedichte auf dem Xanthos-Obelisken

Insgesamt sind nur rund 30 Milyas-Texte überliefert. Drei gelten als am wichtigsten: die zwei langen Gedichte auf dem Xanthos-Obelisken und die Inschrift von Antiphellos (TL 55). Letztere markiert die östlichste Verbreitung der Milyas-Texte.

Antiphellos im Lykischen Bund

  • Der Lykische Bund (Lykion Koinon) war eines der entwickelteren Bundesregimes der Antike;
  • Mitglieder waren in drei Stimmkategorien eingeteilt: große Städte 3, mittlere 2, kleinere 1 Stimme;
  • Antiphellos war anfangs Hafen von Phellos und im Bund nicht eigenständig vertreten;
  • im 2. Jh. v. Chr. erlangte es eigenständigen Status mit einer Stimme;
  • konkretes Beispiel dafür, wie Hafenstädte ihre wirtschaftliche Macht in politische Repräsentation übersetzten;
  • unter Claudius (43 n. Chr.) wurde Lykien römische Provinz, der Bund verlor seine Eigenständigkeit.

Sechs lykische Sarkophage bei Bayındır mit kaiserzeitlichen Inschriften gehören nicht zu Antiphellos, sondern zu Phellos – ein Indiz, dass die Grenze zwischen beiden Städten bis in die Spätzeit umstritten blieb.

Handelsnetze und maritime Verbindungen

HandelspartnerRichtungHauptgüterBeleg
RhodosSW (90 km)Wein, Olivenöl, Keramikrhodische Amphorenstempel
phönizische KüsteSOGlas, Färbestoffe, Gewürzephönizische Keramikfragmente
Kastellorizo (Meis)S (4 km)Fisch, Salz, Holzgeographische Nähe
PataraW (40 km)Getreide, Hafenumschlaglykischer Küstenhandel
Myra (Demre)O (45 km)Getreide, römische StaatsversorgungHafenrolle Myras
ZypernSO (300 km)Kupfer, Holzöstliche Mittelmeerhandelsroute

Exportgüter waren Olivenöl, Wein, Holz und vermutlich Schwämme. Kastellorizo schützte den Hafen vor offenem Seegang.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Charles Fellows, A Journal Written During an Excursion in Asia Minor (1839);
  • Francis Beaufort, Karamania (1817);
  • George Bean, Lycian Turkey (London, 1978);
  • The Princeton Encyclopedia of Classical Sites – „Antiphellos";
  • Lycian Monuments Project – Grabdokumentation;
  • Ignacio-Javier Adiego, The Carian Language (2007);
  • Recai Tekoğlu, „Neue Forschungen zu den Lykisch-B-Inschriften (Milyas)";
  • Wikipedia DE – Antiphellos;
  • UNESCO Welterbe – whc.unesco.org/de;
  • Kultur- und Tourismusministerium der Türkei – ktb.gov.tr;
  • Deutsches Archäologisches Institut – dainst.org;
  • Österreichisches Archäologisches Institut – oeai.at.
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