Soloi

Die Säulen-Hafenstadt Kilikiens

17 Min. Lesezeit

Soli-Pompeipolis ist eine der bedeutendsten antiken Hafenstädte an der östlichen Mittelmeerküste der Türkei. Im heutigen Stadtbezirk Mezitli von Mersin gelegen, wurde die Stadt um 700 v. Chr. von rhodischen Kolonisten gegründet und blühte über ein Jahrtausend lang als Handels- und Kulturzentrum. Nach der Zerstörung durch Piraten 67 v. Chr. wurde sie vom römischen Feldherrn Pompeius Magnus wiederaufgebaut und erhielt den Namen Pompeipolis („Stadt des Pompeius"). Die monumentale Säulenstraße — eine 450 Meter lange prächtige Achse mit korinthischen Säulen, geschmückt mit Büsten von Kaisern und Göttern — gehört noch heute zu den eindrucksvollsten Beispielen römischer Straßenarchitektur. Das englische Wort „solecism" (Sprachverstoß) geht zudem auf den eigentümlichen griechischen Dialekt der Einwohner Solis zurück.

  1. Warum Soli-Pompeipolis bedeutend ist
  2. Geographie und Lage
  3. Historische Zeitleiste
  4. Wichtigste Bauwerke
  5. Die Säulenstraße im Detail
  6. Archäologische Forschung
  7. Besucherinformationen
  8. Häufig gestellte Fragen
  9. Quellen und weiterführende Literatur

Warum Soli-Pompeipolis bedeutend ist

Diese antike Stadt nimmt aus mehreren Gründen einen besonderen Platz ein:

  • Eine Stadt, die einem Wort ihren Namen gab. Das englische Wort „solecism" (Grammatikfehler oder Verstoß gegen gesellschaftliche Normen) leitet sich vom griechischen soloikismos ab und bezeichnet das Griechisch der Einwohner Solis, das nach attischem Maßstab als „falsch" galt. Diese etymologische Verbindung macht Soli unter antiken Städten einzigartig.

  • Heimat des Aratos. Der berühmte hellenistische Dichter und Astronom Aratos von Soloi (ca. 315–240 v. Chr.) wurde hier geboren und verfasste sein Werk Phainomena über die Sternbilder. Es zählte zu den meistgelesenen Texten der Antike, wurde von Cicero und Germanicus ins Lateinische übersetzt und sogar vom Apostel Paulus in der Apostelgeschichte (17:28) zitiert.

  • Schaufensterstadt des Pompeius. Nachdem Pompeius 67 v. Chr. das Mittelmeer von Piraten befreit hatte, siedelte er erbeutete Piraten und vertriebene Bewohner in Soli an und ließ die Stadt mit großen Infrastrukturinvestitionen wiederaufbauen. Der Name Pompeipolis symbolisierte die römische Neuordnung im östlichen Kilikien.

  • Einer der größten antiken Häfen des östlichen Mittelmeers. Mit einer Westmole von 160 m, einer Gesamtlänge von 320 m und der Verwendung von hydraulischem Beton (opus caementicium) ist der Hafen ein Beleg für fortgeschrittene römische Ingenieurskunst.

  • Eine archäologische Stätte mitten in der modernen Stadt. Anders als entlegene antike Städte liegt Soli-Pompeipolis im Stadtgefüge Mersins und ist damit eine der am leichtesten zugänglichen archäologischen Stätten der Türkei sowie ein laufendes Freilichtmuseumsprojekt.

Geographie und Lage

Soli-Pompeipolis liegt im Stadtviertel Viranşehir in Mezitli, unmittelbar am Mittelmeer auf einer flachen Küstenebene. Der antike Hafen öffnet sich nach Süden zum offenen Meer; die Säulenstraße verläuft auf einer Nord-Süd-Achse landeinwärts.

Das moderne Mersin (über 1,8 Mio. Einwohner) hat einen Großteil der antiken Stadt überbaut und umschlossen; die Grabungen sind daher als sensible städtische Archäologie konzipiert.

MerkmalDetail
LageViranşehir, Mezitli, Mersin
Küstedirekt am Mittelmeer
Antike LandschaftKilikia Pedias (Ebenes Kilikien)
Nächster FlughafenAdana Şakirpaşa (~70 km)
Klimawarm-mediterran; milde Winter
HöheMeeresspiegel

Die Çukurova (kilikische Küstenebene) gehört zu den fruchtbarsten Agrarregionen der Türkei und beherbergte in der Antike ein dichtes Netz handelsorientierter Hafenstädte. Solis Lage kontrollierte sowohl Küstenhandelsrouten als auch Flusstäler, die Zugang zum Taurus ermöglichten.

Historische Zeitleiste

Gründung und archaische Zeit (ca. 700–500 v. Chr.)

Griechische Siedler von der Insel Rhodos (nach manchen Quellen aus Lindos) gründeten Soli um 700 v. Chr. Die Kolonie wuchs dank des natürlichen Hafens und der fruchtbaren kilikischen Ebene rasch zu einem bedeutenden Handelsplatz. Im 6. Jh. v. Chr. war Soli reich genug, eigene Silbermünzen zu prägen, auf denen Weintrauben, Athena und Amazonen abgebildet waren.

Persische Zeit (ca. 500–333 v. Chr.)

Unter achaimenidischer Herrschaft wurde Soli zu einem Subprovinzzentrum in Kilikien. Die Stadt bewahrte weitgehend ihre Autonomie und setzte Münzprägung sowie Seehandel fort. Im Griechisch-Persischen Krieg stellte Soli Schiffe für die persische Flotte. Als Alexander der Große 333 v. Chr. durch Kilikien zog, verhängte er wegen der persischen Unterstützung eine schwere Geldstrafe über Soli.

Hellenistische Zeit (333–67 v. Chr.)

Nach Alexander wechselte Soli zwischen dem Seleukidenreich und dem Ptolemäerreich. In diese Zeit fällt das Leben des Aratos von Soloi (ca. 315–240 v. Chr.), der sein berühmtes Phainomena hier verfasste. Auch der Philosoph Chrysippos (ca. 279–206 v. Chr.), dritter Vorsteher der Stoa, stammte aus Soli. Im 1. Jh. v. Chr. zerstörte die im östlichen Mittelmeer verbreitete Piraterie die Stadt und Soli verfiel zu Ruinen.

Römische Neugründung: Pompeipolis (ab 67 v. Chr.)

67 v. Chr. erhielt der römische Feldherr Gnaeus Pompeius Magnus außergewöhnliche Vollmachten zur Bekämpfung der Mittelmeerpiraterie. Nach einem raschen Feldzug siedelte er erbeutete Piraten und vertriebene Bevölkerungen unter anderem in Soli an. Die Stadt wurde umfassend wiederaufgebaut und erhielt den Namen Pompeipolis. In dieser Zeit entstanden neue öffentliche Bauten, der Hafen und die emblematische Säulenstraße.

Kaiserzeitlicher Wohlstand (1.–3. Jh. n. Chr.)

Unter dem Römischen Reich blühte Pompeipolis als großer Handelshafen. Kaiser Hadrian besuchte die Stadt 130 n. Chr. und finanzierte den Hafenausbau. Die Säulen der Säulenstraße wurden mit Büsten von Kaisern und Göttern geschmückt. Den architektonischen Höhepunkt erreichte die Stadt im 2. und 3. Jh. n. Chr.

Spätantike und Niedergang (4.–7. Jh. n. Chr.)

Pompeipolis wurde ein bedeutendes Zentrum des Frühchristentums und Bischofssitz. Wiederholte Erdbeben und die Versandung des Hafens schwächten die Stadt jedoch. Während der arabischen Einfälle des 7. Jh. wurde sie weitgehend aufgegeben.

Wichtigste Bauwerke

Säulenstraße

Das prägende Monument Soli-Pompeipolis ist die Säulenstraße, die vom Hafen in die Stadt führt und 450 Meter lang ist. Sie ist 14,5 Meter breit und wurde ursprünglich von etwa 200 korinthischen Säulen gesäumt. Bei neueren Grabungen wurden 47 Säulen wiedererrichtet. Die Säulenkapitelle und Konsolen tragen geschnitzte Büsten römischer Kaiser (z. B. Balbinus) und Götter wie Asklepios, Hygieia, Zeus, Nemesis, Demeter und Dionysos.

Antiker Hafen

Der Hafen von Soli-Pompeipolis zählte zu den größten des östlichen Mittelmeers:

  • Westmole: 160 m lang
  • Gesamtlänge: 320 m
  • Hafeneinfahrt zwischen den Molen: 180 m
  • Baumaterial: hydraulischer Beton (opus caementicium)

Unterwasserarchäologische Untersuchungen haben die Struktur detailliert dokumentiert. Hadrian finanzierte 130 n. Chr. bei seinem Besuch große Hafenverbesserungen.

Wohnviertel und Mosaike

Bei den Grabungen wurde ein Wohnviertel mit Mosaikböden freigelegt, die geometrische Muster und mythologische Szenen zeigen. Diese Mosaike datieren überwiegend in das 2.–4. Jh. n. Chr. und belegen den Wohlstand der städtischen Eliten.

Nekropole

Außerhalb der antiken Stadt wurde eine bedeutende Nekropole mit Felsgräbern, Sarkophagen und Bestattungskammern aus hellenistischer bis byzantinischer Zeit identifiziert.

Stadtmauern

Reste der Stadtmauern sind an verschiedenen Stellen sichtbar, viele jedoch durch die moderne Stadtentwicklung zerstört. Die Mauern datieren überwiegend in die hellenistische und römische Zeit.

Thermen

In der Nähe der Säulenstraße wurden Teile mindestens einer römischen Therme identifiziert; Hypokaustböden und Marmorverkleidungen sind typische Merkmale.

Die Säulenstraße im Detail

Die Säulenstraße verdient als sichtbarstes und beeindruckendstes Element besondere Aufmerksamkeit:

  • Ausrichtung: Nord-Süd, verbindet Hafen und Stadt
  • Gesamtlänge: 450 m
  • Breite: 14,5 m (einschließlich Gehwegen und Portiken)
  • Ursprüngliche Säulenzahl: geschätzt 200
  • Erhaltene/wieder aufgestellte Säulen: 47
  • Säulenordnung: korinthisch, mit reich verzierten Kapitellen
  • Besonderheit: Konsolen mit geschnitzten Porträtbüsten

Die Büsten auf den Konsolen sind besonders wertvoll, denn sie umfassen sowohl Kaiserporträts (Datierungsbelege) als auch Götterfiguren (Zeugnisse des religiösen Lebens). Wichtigste identifizierte Figuren:

FigurArtBedeutung
Balbinusrömischer Kaiser (238 n. Chr.)Terminus post quem für die Datierung
AsklepiosHeilgottBeleg für den Heilkult
HygieiaGöttin der GesundheitBegleiterin des Asklepios
ZeusKönig der GötterHauptgott
NemesisGöttin von Schicksal und Gerechtigkeittypisch in Hafenstädten
DemeterErntegöttinspiegelt die Agrarwirtschaft
DionysosGott des WeinsVerbindung zum Weinhandel

Beim Gang durch die Straße können Besucher das einst dort pulsierende Handelsleben vor Augen führen: Händler aus aller Welt, Reisende, die von den Schiffen im Hafen kommen, und Bürger, die zu religiösen Festen zusammenkommen.

Archäologische Forschung

Erste Entdeckungen (1960er–1980er)

Vom Museum Mersin eingeleitete Rettungsgrabungen konzentrierten sich angesichts der drohenden Bebauung vor allem auf die Säulenstraße.

Systematische Grabungen (1999 – heute)

Die ersten systematischen wissenschaftlichen Grabungen begannen 1999 unter Leitung von Prof. Dr. Remzi Yağcı (Universität Dokuz Eylül) in Zusammenarbeit mit dem Kultur- und Tourismusministerium. Wichtigste Erfolge:

  • Freilegung und Wiederaufrichtung von 47 Säulen der Säulenstraße
  • detaillierte Dokumentation der Büsten auf den Konsolen
  • Grabung des Wohnviertels mit Mosaikböden
  • Kartierung des Hafens durch Unterwasseruntersuchungen

Hafengrabungen

Die Unterwasserarchäologie am Hafen wurde im International Journal of Nautical Archaeology veröffentlicht und belegt die Verwendung von hydraulischem Beton sowie das gewaltige Ausmaß römischer Hafentechnik.

Archäopark-Projekt

Eine laufende Initiative will Soli-Pompeipolis in ein Freilichtmuseum bzw. einen Archäopark verwandeln. Prof. Yağcı: „Unser Ziel ist es, die ausgegrabenen Bereiche miteinander zu verknüpfen und diesen Ort in einen Archäopark zu verwandeln."

Suche nach dem Grab des Aratos

In den letzten Jahren suchen Archäologen aktiv nach dem Grab des berühmten Dichters und Astronomen Aratos in der Nekropole. Das Grab ist noch nicht eindeutig identifiziert; die Suche hat jedoch wichtige neue Befunde geliefert.

Besucherinformationen

Anreise

DACH-Direktflüge: Direkte Verbindungen von Frankfurt, München, Wien oder Zürich nach Adana machen die Anreise unkompliziert. Von Adana sind es etwa 70 km bis Mersin.

  • Innerhalb Mersins: Soli-Pompeipolis liegt in Mezitli/Viranşehir und ist mit Stadtbus, Taxi oder Privatfahrzeug bequem aus dem Stadtzentrum erreichbar (ca. 10 km westlich).
  • Von Adana: Autobahn O-51 westwärts (ca. 70 km, 1 Stunde).
  • Von Antalya: Küstenstraße D-400 ostwärts (ca. 550 km, 7 Stunden) oder Flug nach Adana und Weiterfahrt.

Vor Ort

  • Eintritt: Das archäologische Areal hat definierte Grenzen. Aktuelle Zugangsbedingungen und Gebühren vor Ort erfragen.
  • Gelände: weitgehend eben und gut begehbar; für jedes Fitnesslevel geeignet.
  • Dauer: Für einen ausführlichen Besuch von Säulenstraße, Hafenbereich und offenen Grabungsflächen sollten 1,5–3 Stunden eingeplant werden.

Beste Reisezeit

  • Frühling (März–Mai) und Herbst (Oktober–November) bieten angenehme Wetterbedingungen.
  • Der Sommer ist an der Küste heiß und feucht; Morgenstunden bevorzugen.
  • Der Winter verläuft in Mersin mild; ganzjährig besuchbar.

Kombinationsbesuche

  • Museum Mersin: zeigt Münzen, Keramik und Skulpturfragmente aus Soli-Pompeipolis.
  • Tarsus (30 km östlich): Geburtsort des Apostels Paulus mit reichem archäologischen Erbe.
  • Kızkalesi (Korykos) (60 km südwestlich): eindrucksvolle Seefestung und antike Stadt.
  • Uzuncaburç (Diokaisareia) (80 km westlich): hellenistischer Tempel und römische Säulenstraße im Bergland.

Tipps

  • Da die Stätte in der modernen Stadt liegt, gibt es Restaurants, Cafés und Geschäfte in der Nähe.
  • Spätnachmittag ideal für Fotos, wenn die Säulen lange Schatten werfen.
  • Lässt sich gut mit der Strandpromenade Mersins verbinden.
  • Auf die geschnitzten Büsten an den Säulenkonsolen achten — die markanteste Eigenheit der Stätte.

Häufig gestellte Fragen

Welcher Zusammenhang besteht zwischen Soli und dem Wort „solecism"?

Solecism (im Sinne eines Grammatikfehlers oder gesellschaftlichen Fauxpas) leitet sich vom griechischen soloikismos ab und bezieht sich auf die Sprechweise der Einwohner Solis. Ihre Mundart galt nach attischem Maßstab als „falsch", da sie das Rhodische Griechisch mit lokalen kilikischen Einflüssen vermischte. Der Begriff wird seit über 2.000 Jahren verwendet und bezeugt die kulturelle Eigenheit Solis.

Wer war Aratos von Soloi?

Aratos (ca. 315–240 v. Chr.) war ein in Soli geborener hellenistischer Dichter und Astronom. Sein Hauptwerk Phainomena ist ein didaktisches Gedicht über die Sternbilder und Wetterzeichen. Es wurde zu einem der meistgelesenen Texte der Antike, von Cicero und Germanicus ins Lateinische übersetzt und vom Apostel Paulus in der Apostelgeschichte (17:28) zitiert.

Wie viele Säulen der Säulenstraße stehen noch?

Bei den jüngsten Grabungen wurden von den geschätzt 200 ursprünglichen Säulen insgesamt 47 wieder aufgerichtet. Grabung und Restaurierung gehen weiter, um weitere Säulen freizulegen.

Kann man den antiken Hafen sehen?

Der Hafenbereich ist teilweise sichtbar; Unterwasserarchäologie hat die Struktur dokumentiert. Einige Hafenelemente sind vom Ufer aus erkennbar, die meisten Befunde liegen jedoch unter Wasser.

Wird Soli-Pompeipolis in ein Museum umgewandelt?

Ja. Ein Projekt zur Verwandlung der Stätte in einen integrierten Archäopark mit Verbindung der ausgegrabenen Bereiche, Besucherinfrastruktur, Informationsschildern und Wanderwegen läuft aktiv.

Wie verhält sich Soli zu anderen Säulenstraßen der Türkei?

Es gibt viele berühmte Säulenstraßen in der Türkei (Ephesos, Perge, Side, Apamea). Soli-Pompeipolis besitzt mit den geschnitzten Porträtbüsten auf den Säulenkonsolen ein in der römischen Welt seltenes Merkmal. Auch die direkte Anbindung an den Hafen bildet eine einzigartige Sichtachse.

Architektonische Maße und ingenieurtechnische Daten

Die Monumentalbauten Soli-Pompeipolis spiegeln die umfassendste Stadtplanung des römerzeitlichen Kilikiens wider.

Bauwerk / ElementMaßDetail
Länge der Säulenstraße450 mNord-Süd vom Hafen zur Stadt
Breite der Säulenstraße14,5 mmit Gehwegen und Portiken
Ursprüngliche Säulenzahl~200beidseitig
Aufgestellte Säulen47aus jüngsten Grabungen
Geborgene Säulenkapitelle~70korinthische Ordnung
Westmole160 mhafenschützende Hauptmole
Hafengesamtlänge320 mzwischen den Molen
Hafeneinfahrt180 mSchiffspassagebreite
HafenbaumaterialOpus caementiciumhydraulischer Beton, unter Wasser erhärtend

Die Säulenstraße war nicht nur eine Verkehrsachse, sondern auch eine kaiserliche Repräsentationsbühne. Die geschnitzten Büsten an den Konsolen bildeten eine Galerie von Kaisern und Göttern. Von den 70 geborgenen Kapitellen befinden sich 33 noch auf ihren Säulen.

Römischer hydraulischer Beton (opus caementicium) entsteht durch das Mischen vulkanischer Asche (Pozzolana), Kalk und Meerwasser und ist ein außergewöhnliches Material, das unter Wasser aushärtet. Moderne Untersuchungen zeigen, dass dieser Beton im Meer eintaucht und durch Mineralkristallwachstum mit der Zeit stärker wird — im Gegensatz zu modernem Portlandzement.

Münzbelege und numismatische Chronologie

Soli ist eine der frühesten Münzprägestätten Kilikiens und prägt seit dem 6. Jh. v. Chr. Der numismatische Befund bietet eine einzigartige Chronologie der über tausendjährigen Wirtschafts- und Kulturgeschichte der Stadt.

PeriodeMünztypVorderseiteRückseiteGewicht/Maß
440–410 v. Chr.AR-Staterkniende Amazone mit BogenWeintraube, Ankh-Symbol~10,6 g, 20 mm
410–375 v. Chr.AR-StaterAmazone oder AthenaWeintraube, Rebenzweig~10,5 g
400–350 v. Chr.AR-StaterAthenakopf mit GreifenhelmΣΟΛΙΩΝ, Traube, HalbmondStandardstater
385–350 v. Chr.AR-StaterAthenakopf nach rechtsWeintraube, eingetiefte QuadraturSilberstater
333–323 v. Chr. (Balakros)AR-StaterBaaltars, Thron, LotusstabAthenabüste, dreifachgipfeliger HelmSatrapenprägung
2.–1. Jh. v. Chr.BronzeverschiedeneverschiedeneÜbergang Soli-Pompeiopolis
Römisch kolonialBronzeKaiserporträtslateinische InschriftenIdentität Pompeipolis

Analyse der Münzikonographie

Das visuelle Programm der Soli-Münzen spiegelt die kulturellen Schichten der Stadt:

  • Amazonenmotiv: kann auf einen Gründungsmythos verweisen, der Soli mit mythischen Kriegerinnen verbindet. Die Amazone ist dominantes Thema der Prägungen des 5. Jh. v. Chr.
  • Weintraube: durchgängiges Motiv aller Serien; belegt die zentrale Rolle des Weinbaus in der kilikischen Küstenwirtschaft
  • Athena: als Stadtgöttin mit Helmporträts häufig auf den Münzen. Der Greifenhelm ist eine für Soli typische ikonographische Variante
  • Sonnengott (Helios/Sol): Auf einigen Münzen erscheint der strahlenbekränzte Sonnengott, was die sprachliche Verbindung zum Stadtnamen (Sol/Helios) numismatisch belegt

Soli-Münzen sind in den großen numismatischen Sammlungen der Welt vertreten, darunter im British Museum, in der American Numismatic Society und in den Archäologischen Museen Istanbul. Die zwischen 333 und 323 v. Chr. vom kilikischen Satrapen Balakros geprägten Statere sind seltene numismatische Belege aus der Eroberungszeit Alexanders.

Hafenarchäologie und Unterwasserbefunde

Der Hafen war in römischer Zeit einer der geschäftigsten Handelsplätze des östlichen Mittelmeers. Unterwasserarchäologische Untersuchungen haben Aufbau und Funktion detailliert dokumentiert:

  • Molenbautechnik: Verbindung großer Steinblöcke durch römischen hydraulischen Beton (opus caementicium). Der Beton wird durch Mischen von Pozzolana (vulkanischer Asche), Kalk und Meerwasser gewonnen.
  • Hafenchronologie: Nach der Neugründung durch Pompeius 67 v. Chr. begann der Ausbau; bei Hadrians Besuch 130 n. Chr. wurden umfassende Erweiterungen finanziert.
  • Handelsbelege: Bei den Grabungen geborgene römische Metallbarren dokumentieren die Rolle des Hafens im Rohstoffhandel.
  • Wissenschaftliche Publikationen: Die Hafenbefunde sind im International Journal of Nautical Archaeology publiziert und belegen das gewaltige Ausmaß römischer Hafentechnik.

Die intensivste Handelstätigkeit des Hafens lag zwischen dem 1. Jh. v. Chr. und dem 1. Jh. n. Chr. Hellenistische und römerzeitliche Keramik, Glasgefäße und Metallfunde dokumentieren diesen regen Seehandel.

Quellen und weiterführende Literatur

Berühmte Bewohner Solis

Soli brachte mehrere Persönlichkeiten hervor, die in der antiken Geistesgeschichte bedeutend waren:

Aratos von Soloi (ca. 315–240 v. Chr.)

Solis berühmtester Sohn, Aratos, verfasste das etwa 1.150 Verse umfassende didaktische Gedicht Phainomena über Sternbilder und Wetterzeichen. Es basierte auf den astronomischen Arbeiten des Eudoxos von Knidos und erlangte enorme Popularität. Übersetzt wurde es ins Lateinische von Cicero (in jungen Jahren), Germanicus Caesar und dem spätrömischen Dichter Avienus. Der Apostel Paulus zitierte Aratos in seiner Athener Rede: „Denn auch wir sind seines Geschlechts" (Apostelgeschichte 17:28).

Chrysippos von Soloi (ca. 279–206 v. Chr.)

Chrysippos wurde nach Kleanthes der dritte Vorsteher der Stoa. In Soli geboren, zog er nach Athen und wurde einer der produktivsten Schriftsteller der Antike — ihm werden über 700 Werke zugeschrieben (keines vollständig erhalten). Er systematisierte stoische Logik und Physik und galt als so bedeutend, dass antike Denker sagten: „Ohne Chrysippos gäbe es keine Stoa."

Philemon von Soloi (ca. 362–262 v. Chr.)

Der Komödiendichter Philemon, in Soli geboren (später athenischer Bürger), zählte zu den führenden Vertretern der Neuen Komödie und konkurrierte mit Menander. Seine Stücke wurden später vom römischen Dramatiker Plautus adaptiert.

Soli und die kilikische Piraterie

Die Zerstörung Solis durch die Piraten im 1. Jh. v. Chr. war Teil einer viel größeren Krise:

  • Hintergrund: Anfang des 1. Jh. v. Chr. nahm die Piraterie im östlichen Mittelmeer epidemische Ausmaße an. Piratenflotten, die vom rauen kilikischen Küstenraum (Kilikia Trakheia) operierten, störten den Handel, plünderten Küstenstädte und gefährdeten sogar die lebenswichtigen Getreidelieferungen Roms.

  • Auswirkungen auf Soli: Als wohlhabende, aber wehrlose Küstenstadt wurde Soli zum Hauptziel. Die Piraten überfielen die Stadt, raubten die Bewohner als Sklaven und zerstörten weite Teile der Infrastruktur.

  • Pompeius' Feldzug: Die Lex Gabinia gab Pompeius 67 v. Chr. eine beispiellose Vollmacht über das gesamte Mittelmeer zur Niederringung der Piraterie. Pompeius teilte das Meer in dreizehn Zonen und säuberte sie systematisch von West nach Ost. Der Feldzug war in drei Monaten abgeschlossen — eine der effektivsten Militäroperationen der römischen Geschichte.

  • Wiederansiedlung: Statt erbeutete Piraten hinzurichten, verfolgte Pompeius eine Umsiedlungspolitik in entvölkerte Binnenregionen und verlassene Städte wie Soli. Dieser humane Ansatz war für die Zeit innovativ und beendete die Piraterie wirkungsvoll.

Verbindung zum Sonnengott

Der Name „Soli" ist sprachlich mit dem griechischen Wort für Sonne (helios/sol) verbunden, und Sonnenikonographie tritt in der Stadtikonographie hervor:

  • Münzbeleg: Auf vielen Soli-Münzen erscheint der strahlenbekränzte Sonnengott (Helios/Sol)
  • Kulturelle Bedeutung: Die Sonnenassoziation könnte einen vorhellenischen Sonnengottkult widerspiegeln
  • Namensdebatte: Wissenschaftler diskutieren, ob die Stadt nach der Sonne benannt wurde oder ob die Verbindung zufällig ist. Die rhodischen Kolonisten stammten von einer Insel, die für den Koloss — die kolossale Statue des Sonnengottes Helios — berühmt war

Hafentechnik: Römischer hydraulischer Beton

Der Hafen von Soli-Pompeipolis demonstriert eine der bemerkenswertesten ingenieurtechnischen Innovationen Roms — hydraulischer Beton (opus caementicium):

  • Zusammensetzung: Römischer hydraulischer Beton wurde aus vulkanischer Asche (Pozzolana), Kalk und Meerwasser hergestellt und ergab ein unter Wasser aushärtendes Material
  • Dauerhaftigkeit: Moderne Forschungen zeigen, dass römischer hydraulischer Beton, ins Meerwasser eingetaucht, mit der Zeit durch Mineralkristallwachstum stärker wird
  • Anwendung in Soli: Die Hafenmolen wurden mit dieser Technologie errichtet, was Massivfundamente in offener Meeresumgebung ermöglichte
  • Wissenschaftliche Bedeutung: Der Hafen Soli-Pompeipolis ist eine wichtige Fallstudie für die Erforschung antiker Betontechnologie und ihrer möglichen modernen Anwendungen

Glossar wichtiger Begriffe

  • Säulenstraße (Cardo): monumentale, von Säulen gesäumte Straße, meist die nördlich-südliche Hauptachse einer römischen Stadt
  • Korinthische Ordnung: prächtigste der griechischen Säulenordnungen, mit Akanthusblattkapitellen
  • Hydraulischer Beton: römisches, mit vulkanischer Asche hergestelltes, unter Wasser aushärtendes Baumaterial
  • Nekropole: Friedhof, wörtlich „Stadt der Toten"
  • Archäopark: modernes Konzept, das eine archäologische Stätte mit Museumsinfrastruktur und Besuchereinrichtungen verbindet
  • Konsole: vorstehender Wandträger, der Büsten oder Schmuckelemente trägt
  • Terminus post quem: Datierungsbegriff für „frühestmögliches Datum"
  • Solecism: Grammatikfehler oder Etiketteverstoß, abgeleitet vom Dialekt der Bewohner Solis
  • Mole: Bauwerk zum Schutz eines Hafens vor Wellen und Strömungen
  • Pozzolana: vulkanische Asche, Grundstoff des römischen hydraulischen Betons

Münzprägung Soli-Pompeipolis

Soli prägte bereits seit dem 6. Jh. v. Chr. Münzen und besitzt eine der längsten numismatischen Aufzeichnungen Kilikiens:

  • Archaische Zeit: Silberstatere und Obole mit Traube, Athena und Amazonen
  • Klassische Zeit: Prägung unter persischer Herrschaft mit lokalen Göttern
  • Hellenistische Zeit: Bronze- und Silbermünzen mit seleukidischem und ptolemäischem Einfluss
  • Römisch-koloniale Zeit: Bronzemünzen mit Kaiserporträts und lateinischen Legenden; bezeichnen die neue Identität als Pompeipolis

Das Traubenmotiv der frühen Münzen spiegelt die Bedeutung des Weinbaus in der kilikischen Küstenwirtschaft wider. Die Amazonenfigur könnte Soli mit einem Gründungsmythos um mythische Kriegerinnen verbinden.

Soli-Münzen sind in den großen numismatischen Sammlungen der Welt vertreten, einschließlich des British Museum, der American Numismatic Society und der Archäologischen Museen Istanbul.

Zeitleiste in der Übersicht

DatumEreignis
um 700 v. Chr.Gründung durch rhodische Kolonisten
6. Jh. v. Chr.erste Silbermünzprägung
500–333 v. Chr.persische Zeit; Soli als Subprovinzzentrum
333 v. Chr.Alexander der Große verhängt Geldstrafe
ca. 315–240 v. Chr.Lebenszeit des Aratos von Soloi
ca. 279–206 v. Chr.Lebenszeit des Chrysippos von Soloi
1. Jh. v. Chr.Zerstörung durch kilikische Piraten
67 v. Chr.Pompeius baut die Stadt wieder auf; Umbenennung in Pompeipolis
130 n. Chr.Besuch Hadrians; Finanzierung des Hafenausbaus
238 n. Chr.Büste Kaiser Balbinus' an der Säulenstraße angebracht
4.–7. Jh. n. Chr.frühchristlicher Bischofssitz Pompeipolis
7. Jh. n. Chr.weitgehende Aufgabe nach arabischen Einfällen
1999Beginn systematischer Grabungen unter Prof. Dr. Remzi Yağcı
laufendArchäopark-Projekt zur Umwandlung der Stätte in ein Freilichtmuseum
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Längengrad:34.540707
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