Überblick: Der Wallfahrtskomplex der heiligen Thekla (Aya Tekla, Meriamlik) bei Silifke gehört zu den bedeutendsten frühchristlichen Pilgerorten des östlichen Mittelmeerraums. Auf einem Hügel etwa vier Kilometer südlich der antiken Stadt Seleukeia am Kalykadnos entstand um die heilige Höhle der Thekla — der traditionell als „erste Märtyrerin" und prominenteste Heilige der frühen Christenheit verehrten Frau — ein ausgedehntes Heiligtum mit monumentaler Kuppelbasilika Kaiser Zenons des Isauriers (Regierungszeit 474–491), einer in den Kalkstein gehauenen Höhlenkirche, weitläufigen Klosterbauten, Zisternen und Thermen. Über Jahrhunderte zogen Pilger aus dem ganzen christlichen Mittelmeerraum zu diesem abgelegenen kilikischen Hügel, was Aya Tekla neben Jerusalem, Rom und Ephesos in den Rang eines der großen Kultzentren der Spätantike rückte.
Inhalt
- Bedeutung von Aya Tekla
- Geografie und Lage
- Historische Chronologie
- Wer war die heilige Thekla?
- Die Paulus- und Thekla-Akten
- Die Höhlenkirche
- Die Basilika Kaiser Zenons
- Klosterkomplex
- Wallfahrt und Heiligenkult
- Die Wundertaten der Thekla
- Egeria und die antiken Pilger
- Architektur und Kunst
- Zisternen und Infrastruktur
- Thekla im Frühchristentum
- Byzantinisches Silifke und Seleukeia
- Niedergang und Aufgabe
- Archäologische Forschungen
- Besucherinformationen
- Häufig gestellte Fragen
- Quellen
Bedeutung von Aya Tekla
Der Thekla-Komplex ist in mehrfacher Hinsicht ein Schlüsselort des spätantiken Christentums:
- Eines der größten frühchristlichen Pilgerziele: In der Wahrnehmung spätantiker Pilger stand das Heiligtum auf einer Stufe mit Jerusalem, Rom und Ephesos
- Die früheste Märtyrerin: Thekla galt als Protomartyr unter den Frauen — eine Gründungsfigur christlicher Hagiographie
- Kaiserliches Mäzenatentum: Kaiser Zenon der Isaurier ließ hier eine monumentale Kuppelbasilika errichten — einen der bedeutendsten Kirchenbauten Kleinasiens im 5. Jahrhundert
- Die Höhlenkirche: Die Höhle, in der die Heilige der Überlieferung nach lebte, gehört zu den frühesten dokumentierten christlichen Kultplätzen Anatoliens
- Pilgerinfrastruktur: Basilika, Höhlenkirche, Kloster, Thermen und Zisternen bilden gemeinsam ein vollständiges Ensemble spätantiker Pilgerlogistik
- Wirkung der Paulus- und Thekla-Akten: Einer der einflussreichsten Texte des frühen Christentums, der die Entwicklung weiblicher Askese und Klosterbewegung tief geprägt hat
- Isaurisches Erbe: Das Heiligtum steht für die isaurische Identität — Zenon selbst stammte aus dieser Region
Geografie und Lage
Aya Tekla liegt auf einem Kalksteinhügel südlich der antiken Stadt Seleukeia am Kalykadnos (heute Silifke).
Lage:
- Ortschaft Meriamlik (Meryemlik), etwa 4 km südlich von Silifke, Provinz Mersin
- Auf einem Kalksteinplateau über dem Tal des Kalykadnos (heute Göksu)
- Rund 80 km westlich von Mersin
- Im Bereich des antiken Rauen Kilikiens (Cilicia Tracheia)
- Höhe: ca. 250 m über dem Meer
Landschaft:
- Karstartiger Kalksteinrücken mit mediterraner Vegetation
- Blick auf das Göksu-Tal und die Gebirge des Rauen Kilikiens
- In der Ferne öffnet sich der Blick auf Küstenebene und Mittelmeer
- Pinien und Macchia bedecken die Hänge
- Ruhige, leicht abgeschiedene Atmosphäre — passend zum klösterlichen Charakter
Historische Chronologie
| Epoche | Datierung | Ereignisse |
|---|---|---|
| 1. Jh. n. Chr. | ca. 50–70 | Traditionelle Lebenszeit Theklas und ihre Beziehung zu Paulus |
| 2. Jh. n. Chr. | ca. 150–180 | Niederschrift der Paulus- und Thekla-Akten |
| 3.–4. Jh. | 200er–300er | Entstehung des Thekla-Kults; Höhle wird Pilgerziel |
| 4. Jh. | nach ca. 312 | Kirchenbau über/an der Höhle; Anstieg der Pilgerschaft |
| spätes 4. Jh. | ca. 380er | Pilgerin Egeria besucht und beschreibt den Ort |
| 5. Jh. | 460er–470er | Kaiser Zenon errichtet die monumentale Basilika |
| 5. Jh. | ca. 470–480 | Niederschrift von Leben und Wundern der Thekla |
| 6.–7. Jh. | 500–650 | Wallfahrt und Klosterleben dauern an |
| Arabische Einfälle | 7.–8. Jh. | Niedergang infolge arabisch-byzantinischer Grenzkriege |
| Mittelalter | 9.–14. Jh. | Verringerte Besiedlung; Königreich Kleinarmenien |
| Moderne | 19.–20. Jh. | Archäologische Dokumentation |
Wer war die heilige Thekla?
Thekla (griech. Θέκλα) ist eine der prägenden weiblichen Heiligen der frühen Christenheit.
Traditionelle Vita:
- Nach den Paulus- und Thekla-Akten (2. Jh.) eine junge Frau aus Ikonium (heute Konya), die einer Predigt des Apostels Paulus lauschte
- Vom Ruf zu Keuschheit und Auferstehung tief ergriffen, löste sie ihre Verlobung und folgte Paulus in der Nachfolge
- Vom Verlobten und der Familie angeklagt, wurde sie zum Tod auf dem Scheiterhaufen und durch wilde Tiere verurteilt — überlebte aber beide Martyrien wunderbar
- Nach Stationen in Antiochia und Seleukeia zog sie sich in eine Höhle zurück, wo sie als Asketin und Wundertäterin lebte
- Verehrung als Protomartyr unter den Frauen, obwohl sie technisch ihre Prüfungen überlebte
- Festtag: 24. September (im Westen), 24. September/7. Oktober (im Osten)
Historische Einordnung:
- Die moderne Forschung diskutiert, ob Thekla eine historische Person oder eine literarische Schöpfung ist
- Die Paulus- und Thekla-Akten werden überwiegend als fiktionale Erzählung gewertet, könnten jedoch Erinnerungen an eine reale frühchristliche Frau bewahren
- Unabhängig von der Historizität prägte der Thekla-Kult Vorstellungen über Frauen, Jungfräulichkeit und Askese im frühchristlichen Denken tief
Die Paulus- und Thekla-Akten
Die Paulus- und Thekla-Akten zählen zu den populärsten und einflussreichsten Texten des frühen Christentums.
Der Text:
- Verfasst im 2. Jahrhundert (ca. 150–180), wahrscheinlich in Kleinasien
- Teil der umfangreicheren Paulus-Akten
- Schildert Theklas Bekehrung, Prüfungen, Wunder und ihr asketisches Leben in Seleukeia
- Lebendige, romanhafte Erzählweise — einer der frühen christlichen „Romane"
Wirkung:
- Außerordentliche Verbreitung — Übersetzungen ins Lateinische, Syrische, Koptische, Armenische und weitere Sprachen
- Thekla wurde zum Vorbild weiblicher Askese — ihre Geschichte inspirierte Generationen christlicher Frauen zur Jungfräulichkeit und zum geistlichen Leben
- Der Text war umstritten — einige Kirchenautoritäten zweifelten an seiner Authentizität und an den darin implizierten Rollen für Frauen
- Tertullian (um 200 n. Chr.) griff die Akten an und argumentierte, dass sie nicht zur Rechtfertigung von weiblichem Predigen oder Taufen herangezogen werden dürften
Die Höhlenkirche
Die Höhlenkirche bildet das spirituelle Zentrum des Komplexes — die Höhle, in der Thekla der Überlieferung nach lebte und starb.
Beschreibung:
- Natürliche Kalksteinhöhle, für liturgische Zwecke ausgebaut
- Erweitert und geformt zu einem sakralen Raum
- Apsis in die östliche Wand gehauen
- Verputzte und vermutlich freskenbemalte Wände
- Älter als die Hügelbasilika — der Höhlenkult könnte bis ins 3. Jahrhundert zurückreichen
Tradition:
- Der Legende nach lebte Thekla hier ihre letzten Jahre
- Aus der Höhle ergingen Heilungen und Wunder
- Nach ihrem Tod (oder ihrem wundersamen Verschwinden — die Quellen variieren) wurde die Höhle zum Schrein
- Vor der konstantinischen Legalisierung des Christentums (312) wahrscheinlich heimlicher Kultort
Die Basilika Kaiser Zenons
Die monumentale Kuppelbasilika auf dem Hügel ließ Kaiser Zenon der Isaurier (474–491) errichten — einer der bedeutendsten Kirchenbauten Anatoliens im 5. Jahrhundert.
Der Kaiser:
- Zenon stammte aus Isaurien — dem Bergland, zu dem auch Meriamlik gehört
- Er war der erste Kaiser aus dieser Region; sein Mäzenatentum für lokale Heiligtümer drückte isaurisches Selbstbewusstsein aus
- Der Bau verband religiöses und politisches Programm: kaiserliche Autorität verflechtet mit lokaler Frömmigkeitstradition
Die Basilika:
- Große Kuppelbasilika — einer der frühesten zentralplanartigen Kuppelbauten Anatoliens
- Architektur: Mittelkuppel auf Pfeilern und Bögen, Seitenschiffe, Apsis
- Aus lokalem Kalkstein mit feiner Bauornamentik
- Mosaikfußböden und Marmorschmuck
- Fasste hunderte Pilger gleichzeitig
Heutiger Zustand:
- Beträchtliche Reste stehen aufrecht — Mauern, Pfeiler, Apsis und Bauplastik
- Die Kuppel ist eingestürzt, der Grundriss aber gut lesbar
- Visuell eindrucksvollstes Denkmal der Anlage
Klosterkomplex
Das Heiligtum umfasste eine ausgedehnte Kloster- und Pilgerinfrastruktur.
Bestandteile:
- Klostergebäude rund um Basilika und Höhlenkirche
- Zellen für Mönche oder Nonnen
- Pilgerherberge (Xenodocheion)
- Thermen für rituelle Reinigung und alltägliche Hygiene
- Zisternen zur Wasserspeicherung auf dem trockenen Hügel
- Refektorium für Klostergemeinschaft und Pilger
- Gärten und Wirtschaftsflächen
Wallfahrt und Heiligenkult
Der Thekla-Kult zählte zu den wichtigsten Pilgertraditionen der spätantiken Christenheit.
Pilgerwesen:
- Pilger aus dem östlichen Mittelmeerraum — Kleinasien, Syrien, Ägypten, Konstantinopel und darüber hinaus
- Aufstieg von Seleukeia über eine Prozessionsstraße
- Auf dem Hügel besuchten Pilger die Höhlenkirche (Allerheiligstes), beteten in der Basilika und suchten Heilung
- Festtage zogen große Mengen — der Theklatag (24. September) war Hauptfest
Heilungskult:
- Thekla wurde besonders als Heilerin verehrt
- Pilger suchten Linderung bei Krankheiten, Unfruchtbarkeit und anderen Nöten
- Leben und Wunder der Thekla (ca. 470–480) verzeichnet zahlreiche Heilungswunder
- Votivgaben verblieben als Dank in der Höhle
Die Wundertaten der Thekla
Leben und Wunder der Thekla (ca. 470–480, wahrscheinlich in Meriamlik selbst verfasst) bewahrt die Wunder, die der Heiligen am Schrein zugeschrieben wurden.
Der Text:
- Anonymer Verfasser mit engem Bezug zum Heiligtum
- Dutzende Wundererzählungen — Heilungen, Rettungen, göttliche Eingriffe
- Wunderempfänger aus allen sozialen Schichten — Soldaten, Händler, Mütter, Mönche
- Lebendiges Bild des Alltags an einem spätantiken Pilgerort
Egeria und die antiken Pilger
Der Ort wird ausdrücklich von einer der frühesten dokumentierten christlichen Pilgerinnen erwähnt: Egeria.
Egeria (ca. 380er):
- Westeuropäerin (vermutlich aus Spanien oder Gallien), wahrscheinlich Nonne
- Reisetagebuch Itinerarium Egeriae — Schlüsseltext für das frühchristliche Pilgerwesen
- Egeria besuchte das Thekla-Heiligtum und beschrieb es ausführlich
- Erwähnt eine Kirche an der Höhle, ein Kloster sowie eine Gemeinschaft von Mönchen und „Jungfrauen" (asketischen Frauen)
- Ihr Bericht belegt, dass der Ort bereits im späten 4. Jahrhundert ein bedeutendes Wallfahrtsziel war
Architektur und Kunst
Der Komplex weist bemerkenswerte Bau- und Bildwerke auf.
Zenons Basilika:
- Frühes Beispiel zentralplanartiger Kuppelarchitektur in Anatolien
- Einfluss auf die Entwicklung byzantinischer Kirchenbaukunst
- Architektonische Parallelen zu Bauten in Konstantinopel, Ephesos und Syrien
Höhlenkirche:
- Eigenständige Adaption einer natürlichen Höhle für christliche Liturgie
- Verbindung natürlicher und gebauter Sakralarchitektur, wie sie an weiteren frühchristlichen Stätten erscheint (Heiliges Grab in Jerusalem, Geburtshöhle in Bethlehem)
Mosaik und Schmuck:
- Fragmente von Mosaikfußböden erhalten
- Basilika und Höhlenkirche waren ursprünglich reich mit Fresken, Marmor und liturgischer Ausstattung versehen
- Gehauene Bauelemente — Kapitelle, Gesimse, Türrahmungen — zeugen von qualitätsvoller Steinmetzarbeit
Zisternen und Infrastruktur
Die Versorgung der Pilger und der Klostergemeinschaft erforderte eine ausgefeilte Infrastruktur.
Zisternen:
- Zahlreiche in den Fels gehauene Wasserspeicher
- Unverzichtbar auf einem quellenlosen Kalksteinhügel
- Sammelten Regenwasser für Trinken, Kochen, Bad und Liturgie
- Beachtliche Größen mancher Zisternen verweisen auf die erwartete Besucherzahl
Thermen:
- Badeanlagen für Pilger — rituelle Reinigung und praktische Hygiene
- Zeugen der entwickelten Pilgerinfrastruktur
Thekla im Frühchristentum
Thekla ist eine der wichtigsten Gestalten frühchristlicher Frömmigkeit.
Wirkung:
- Protomartyr unter den Frauen — weibliches Gegenstück zum Erstmärtyrer Stephanus
- Ihre Geschichte wurde sowohl für als auch gegen Rollen von Frauen in der Kirche herangezogen
- Schutzpatronin weiblicher Klosterbewegungen — ihr geweihte Klöster und Kirchen entstanden in der ganzen Christenheit
- Besonders starker Kult in Ägypten, Syrien, Kleinasien und im lateinischen Westen
- Verehrung in orthodoxer wie katholischer Tradition
Byzantinisches Silifke und Seleukeia
Der Thekla-Komplex ist eng mit dem antiken Seleukeia am Kalykadnos (heute Silifke) verbunden.
Seleukeia:
- Gegründet im 3. Jh. v. Chr. von Seleukos I. Nikator, einem der Diadochen
- Benannt nach dem Fluss Kalykadnos (heute Göksu)
- Bedeutende Stadt des Rauen Kilikiens in römischer und byzantinischer Zeit
- Hier ertrank Friedrich Barbarossa während des Dritten Kreuzzugs (1190) im Göksu — ein zentrales Ereignis der Kreuzzugsgeschichte mit unmittelbarem Bezug zur deutschsprachigen Geschichte
Niedergang und Aufgabe
Der Komplex verfiel infolge der arabisch-byzantinischen Konflikte.
Niedergang:
- Arabische Einfälle des 7. Jahrhunderts verwüsteten die kilikische Küste
- Mit Verschiebung der Front sank der Pilgerverkehr
- Schließlich wurde das Kloster aufgegeben
- Während des armenischen Königreichs Kleinarmenien (11.–14. Jh.) möglicherweise vereinzelte Aktivität
- In osmanischer Zeit vollständig verlassen
Nachwirkung:
- Der Thekla-Kult lebte andernorts fort
- Thekla bleibt eine der am stärksten verehrten weiblichen Heiligen des östlichen Christentums
Archäologische Forschungen
Die archäologische Erforschung dokumentiert beachtliche Reste des Komplexes.
Grundlagenforschung:
- Reisende des 19. Jahrhunderts beschrieben die Ruinen
- Ernst Herzfeld und Samuel Guyer veröffentlichten im frühen 20. Jh. eine umfassende Bauaufnahme
- Türkische und internationale Teams setzen die Dokumentation in jüngerer Zeit fort
- Konservierungsarbeiten stabilisierten die wichtigsten Bauten
Besucherinformationen
Anreise:
- Ab Silifke: 4 km Richtung Süden (ca. 10 Minuten)
- Ab Mersin: 80 km westlich (ca. 1,5 Stunden)
- Ab Kızkalesi: 25 km westlich (ca. 30 Minuten)
- Beschilderung „Aya Tekla" oder „Meriamlik/Meryemlik" ab Silifke
- Mit Auto oder Taxi von Silifke
- Direktflüge aus dem deutschsprachigen Raum (Frankfurt, München, Wien, Zürich) führen meist nach Antalya oder Adana, von dort Weiterreise per Mietwagen
Gelände:
- 1–1,5 Stunden einplanen
- Wichtige Stationen: Basilika Zenons, Höhlenkirche (atmosphärisch zentral), Klosterreste, Zisternen
- Die Höhlenkirche ist spirituell und emotional der eindrucksvollste Punkt
- Aus Respekt vor dem religiösen Charakter wird zurückhaltende Kleidung empfohlen
- Beschilderung gering; Reiseführer oder Vorabinformation bereichern den Besuch
Beste Reisezeit:
- Frühling (März–Mai) und Herbst (Oktober–November) ideal
- Im Sommer hohe Temperaturen — früh morgens besuchen
- Winter mild, aber regenanfällig
Praktische Hinweise:
- Festes Schuhwerk wegen unebenen Geländes
- Taschenlampe in der Höhlenkirche hilfreich
- Fotografisch reizvoll — die Basilikareste gegen den Himmel sind dramatisch
- Kombination mit Burg von Silifke, dem Jupiter-Tempel in Silifke und nahegelegenen kilikischen Stätten (Kızkalesi, Uzuncaburç, Kanlıdivane)
- Unterkünfte und Restaurants in Silifke
Häufig gestellte Fragen
F: Wer war die heilige Thekla? A: Nach den Paulus- und Thekla-Akten (2. Jh.) eine junge Frau aus Ikonium (Konya), die von Paulus bekehrt wurde, Scheiterhaufen und wilde Tiere wunderbar überlebte und in einer Höhle bei Seleukeia (Silifke) als Asketin lebte.
F: Ist die Höhle noch zugänglich? A: Ja. Die Höhlenkirche ist begehbar — der atmosphärischste Teil des Komplexes. Eine Taschenlampe wird empfohlen.
F: Wer ließ die Basilika erbauen? A: Kaiser Zenon der Isaurier (474–491) errichtete die monumentale Kuppelbasilika. Er stammte aus der Region und wollte die lokale Heilige ehren.
F: War Thekla eine historische Person? A: Die moderne Forschung diskutiert das. Die Paulus- und Thekla-Akten gelten überwiegend als fiktional, könnten aber Erinnerungen an eine reale frühchristliche Frau bewahren.
F: Warum war dieser Ort so bedeutsam? A: Das Thekla-Heiligtum gehörte zu den wichtigsten christlichen Pilgerzielen des östlichen Mittelmeerraums, neben Jerusalem, Rom und Ephesos.
Architektonische Maße und Bauteildetails
Die Bauwerke des Komplexes gehören zu den fortgeschrittensten Beispielen frühbyzantinischer Bauingenieurkunst.
| Gebäude | Länge (m) | Breite (m) | Merkmal | Datierung |
|---|---|---|---|---|
| Basilika Zenons | 80,00 | 36,80 | 15 Säulen, 3 Schiffe, Kuppel | 476–491 |
| Höhlenkirche | ~18 (Tiefe) | ~12 | In den Fels gehauene Apsis | 3.–4. Jh. |
| Große Zisterne | 14,10 | 12,60 | 1,70 m starke Mauern | 5. Jh. |
| Votivkirche | ~25 | ~15 | 150 m nordöstlich der Basilika | 476–491 |
| Thermenkomplex | ~30 | ~18 | Praefurnium, Caldarium | 5.–6. Jh. |
| Klosterzellen | variabel | ~3 × 4 (je Einheit) | Reihenanordnung | 4.–6. Jh. |
Der Fußboden der Basilika ist in Opus-sectile-Technik mit schwarzen, weißen und roten Tesserae ausgeführt — Ausdruck der kaiserlich finanzierten Bauqualität. Die Bögen und Pfeiler, die die Zentralkuppel trugen, gehören zu den frühesten Beispielen zentralplanartiger Kuppelarchitektur Anatoliens.
Grabungs- und Forschungsgeschichte
Der Komplex blickt auf über ein Jahrhundert archäologischer Forschung zurück.
| Zeitraum | Forschende / Team | Arbeit / Befund |
|---|---|---|
| 1880er–1890er | Reisende des 19. Jh. | Erste Dokumentation und Zeichnungen |
| 1907 | Erste archäologische Grabung | Teilfreilegung von Basilika und Höhlenkirche |
| 1920er | Ernst Herzfeld & Samuel Guyer | Meriamlik und Korykos (MAMA II) — umfassende Bauaufnahme |
| 1940er | Verschiedene Teams | Schäden durch Schatzgräberei und unsachgemäße Grabungen |
| 1960er–1980er | Türkische und internationale Teams | Konservierungs- und Dokumentationsarbeiten |
| 2000er–heute | Türkisches Ministerium für Kultur und Tourismus | Stabilisierung, Restaurierung und Besucherführung |
Die Zerstörungen der 1940er Jahre erschweren die exakte Datierung der Bauphasen. Insbesondere die zeitliche Abfolge der drei Basiliken und der Höhlenkirche bleibt in der Forschung umstritten.
Pilgerinfrastruktur und Einzugsbereich
Das Aufnahmevermögen und die Reichweite des Heiligtums waren mit denen anderer großer spätantiker Pilgerziele vergleichbar.
| Herkunftsregion | Quellenart | Detail |
|---|---|---|
| Kleinasien | Inschriften, Votive | Intensivster Pilgerstrom; aus Isaurien, Kilikien, Kappadokien |
| Syrien-Palästina | Wunder der Thekla | Pilger aus Antiochia, Damaskus und Küstenstädten |
| Ägypten | Koptische Thekla-Tradition | Starker Kult; Pilger aus dem Niltal |
| Konstantinopel | Kaiserliches Mäzenatentum | Persönliche Verbindung Zenons |
| Westeuropa | Reisebericht der Egeria | Pilgerin aus Spanien oder Gallien (ca. 380) |
Wasser war auf dem trockenen Kalksteinhügel eine zentrale ingenieurtechnische Herausforderung. In den Fels geschlagene Zisternen und Regenwassersammelanlagen versorgten Hunderte Pilger und die Klostergemeinschaft. Die Maße der großen Zisterne (14,10 × 12,60 m, 1,70 m Mauerstärke) lassen die erwartete Besucherdichte erkennen.
Geografische Verbreitung des Thekla-Kults
Der Kult reichte weit über Meriamlik hinaus und zählte zu den weitestverbreiteten weiblichen Heiligenkulten der Mittelmeerwelt.
- Seleucia Pieria (Hafen Antiochias): sekundärer Kultplatz
- Ägypten (Alexandria und Niltal): koptische Thekla-Texte und Klostertradition
- Rom: Thekla-Ikonographie in den Katakomben; Anerkennung als Heilige in der lateinischen Kirche
- Spanien (Tarragona): Thekla als Patronin der Kathedrale — stärkster Westkult
- Syrien: syrische Thekla-Handschriften und lokale Kulttradition
- Georgien und Armenien: starke Verehrung im östlichen Christentum
Diese Ausbreitung ist eine direkte Folge der außerordentlichen Popularität der Paulus- und Thekla-Akten. Der Text wurde in Dutzende Sprachen übersetzt — darunter Latein, Syrisch, Koptisch, Armenisch, Georgisch und Äthiopisch.
Quellen
- Dagron, Gilbert, Vie et Miracles de Sainte Thècle (Subsidia Hagiographica 62)
- Herzfeld, Ernst & Guyer, Samuel, Meriamlik und Korykos (MAMA II), Manchester 1930
- Egeria, Itinerarium Egeriae (deutsche Ausgabe Fontes Christiani)
- Paulus- und Thekla-Akten (Neutestamentliche Apokryphen, hg. W. Schneemelcher)
- Kristensen, T. M., „Landscape, Space, and Presence in the Cult of Thekla at Meriamlik"
- Wikipedia (DE), „Thekla von Ikonium" und „Meriamlik"
- Türkisches Ministerium für Kultur und Tourismus — Mersin
- Deutsches Archäologisches Institut (DAI) — dainst.org
- Österreichisches Archäologisches Institut (ÖAI) — oeai.at
