Überblick: Kanlıdivane — das antike Kanytelis (auch Kanytelleis/Canytellis) — ist eine der dramatischsten archäologischen Stätten Südanatoliens. Die Siedlung entstand auf einer Kalksteinhochebene des antiken Rauen Kilikien (Cilicia Tracheia) rund um einen riesigen natürlichen Karstschacht. Im Landkreis Erdemli (Provinz Mersin) gelegen, verdankt der Ort seinen türkischen Namen — „Kanlı Divane“, also „blutiger Wahnsinnsort“ — Legenden, denen zufolge Verurteilte in den Abgrund gestürzt wurden. Der Schacht ist rund 70 Meter tief, 144 Meter lang und 90 Meter breit und bildet ein gewaltiges natürliches Amphitheater. Um den Schacht und in seinen Wänden finden sich fünf frühchristliche Basiliken (eine davon vom Kaiser Theodosius II. gestiftet), monumentale Turmgräber, ein hellenistischer Wachturm, Felsgräber, eine römische Nekropole und Spuren des Zeus-Olbios-Kults.
- Bedeutung von Kanlıdivane
- Lage und Landschaft
- Historische Chronologie
- Der große Karstschacht
- Die Geschichte des Namens
- Antikes Kanytelis
- Der Zeus-Olbios-Kult
- Hellenistischer Turm
- Basiliken
- Basilika Theodosius' II.
- Turmgräber
- Felsgräber und Nekropole
- Reliefs an den Schachtwänden
- Römische Straße und Siedlung
- Olba und die Priesterkönige
- Byzantinisches Kanytelis
- Archäologische Forschung
- Besuch der Stätte
- FAQ
- Quellen
Bedeutung von Kanlıdivane
- Spektakulärer Karstschacht: ein gewaltiger Abgrund — 70 m tief, 144 m lang, 90 m breit — der die Siedlungsstruktur prägt
- Fünf Basiliken: ungewöhnlich viele für eine kleine Siedlung — Hinweis auf herausragende religiöse Bedeutung
- Basilika Theodosius' II.: kaiserliche Stiftung durch Theodosius II. (408–450 n. Chr.)
- Turmgräber: monumentale mehrgeschossige Grabbauten — charakteristisch für das Raue Kilikien
- Zeus-Olbios-Kult: Verbindung zum mächtigen Tempelstaat in Olba (Uzuncaburç)
- Hellenistischer Turm: gut erhaltene Wehranlage als Beleg strategischer Bedeutung
- Reliefs: Steinreliefs an den Schachtwänden mit Krieger- und Familiengruppen
- Atmosphäre: die Verbindung von Naturmonument, antiken Ruinen, mediterraner Vegetation und Meerblick wirkt unvergesslich
Lage und Landschaft
Standort:
- nahe dem Dorf Kumkuyu, Landkreis Erdemli, Provinz Mersin
- auf einem Kalksteinplateau über der Mittelmeerküste, ca. 3 km landeinwärts
- ca. 60 km westlich von Mersin
- ca. 20 km östlich von Silifke
- Höhenlage: ca. 200 m
- Teil des Rauen Kilikien (Cilicia Tracheia)
Landschaft:
- felsiges Kalksteinplateau mit Karstschächten und Tälern
- mediterrane Vegetation — Macchia, Olivenbäume, Johannisbrotbäume und Wildkräuter
- Sicht aufs Mittelmeer
- karstgeprägtes Gelände — poröser Kalkstein mit Höhlen, Schächten und unterirdischen Bachläufen
- die antike Siedlung verteilt sich um den Schacht
- im Frühling bedecken Wildblumen die Fläche und bilden einen Kontrast zu den grauen Kalksteinmauern
Klima:
- mediterranes Klima
- maritime Lage mildert die Temperaturen
- Sonne und Wind exponiert — Schutzkleidung empfehlenswert
Historische Chronologie
| Epoche | Datierung | Wichtige Ereignisse |
|---|---|---|
| Hellenismus | 3.–1. Jh. v. Chr. | Gründung; Bau des Turmes; Verbindung zum Priestertum von Olba |
| Römische Republik | 1. Jh. v. Chr. | Pompeius unterwirft die kilikischen Seeräuber |
| Kaiserzeit | 1.–3. Jh. n. Chr. | Wachstum; Bau der Turmgräber; Nekropole |
| Frühe Byzantinische Zeit | 4.–5. Jh. n. Chr. | Christianisierung; Basiliken (u. a. Theodosius II.) |
| Byzantinische Zeit | 6.–7. Jh. n. Chr. | Fortbestand; weitere Kirchen |
| Arabische Überfälle | 7.–10. Jh. n. Chr. | Niedergang im Grenzraum |
| Mittelalter | 11.–14. Jh. | reduzierte Besiedlung; kilikisch-armenisches Königreich |
| Osmanische Zeit | ab dem 15. Jh. | Aufgabe |
| Moderne | 20.–21. Jh. | archäologische Dokumentation und Konservierung |
Der große Karstschacht
Der Karstschacht ist das prägende Element — ein gewaltiger natürlicher Abgrund.
Maße:
- Tiefe: ca. 70 m
- Länge: ca. 144 m
- Breite: ca. 90 m
- die Wände stehen steil bis senkrecht
- die Sohle ist bewachsen — geschützter Mikroklima
Geologie:
- entstanden durch Karstifizierung — die Auflösung des Kalksteins durch Wasser über Jahrmillionen
- Grundwasser löste den Stein, eine Höhle stürzte ein und ließ den offenen Schacht entstehen
- das kilikische Plateau ist voll solcher Karststrukturen — Kanlıdivane ist eine der größten
Antike Nutzung:
- Quelle ehrfürchtiger Faszination — möglicherweise als Tor zur Unterwelt verstanden
- die Wände wurden mit Reliefs verziert
- der Legende nach wurden Verurteilte hinabgestürzt — daher der türkische Name
- der Schacht wurde zum Siedlungskern: Bauten gruppieren sich am Rand
- die geschützte Sohle trug üppige Vegetation, im Kontrast zur trockenen Hochebene
Die Geschichte des Namens
Der Name Kanlıdivane bedeutet wörtlich „blutiger Ort des Wahnsinns“.
- Kanlı = „blutig“
- Divane = „Tollhaus“ oder „Verrückter“ (aus dem persischen divāne)
Legenden:
- der Überlieferung nach wurden Kriminelle, Geisteskranke oder Verurteilte in den Schacht gestürzt
- das Blut soll die Felsen gefärbt haben — daher der Name
- Wahrheitsgehalt umstritten, der dramatische Name jedoch geblieben
Antiker Name:
- der antike Name Kanytelis (Kanytelleis) steht in keinem klaren etymologischen Bezug zum heutigen Türkischen
- die Umbenennung fand in türkisch-islamischer Zeit statt, inspiriert durch die unheimliche Wirkung des Schachts
Antikes Kanytelis
Kanytelis war eine sekundäre Siedlung im großen Territorium des Olba-Priesterstaates.
Charakter:
- kein Großstadt, sondern bedeutendes Dorf oder Kleinstadt im Olba-Gebiet
- Bedeutung durch Lage an den Verbindungsrouten zwischen Küste und Hinterland
- Teil des Tempelstaates, der dem Zeus Olbios geweiht war
- in römischer Zeit Wachstum mit Monumentalbauten — Turmgräber, Nekropole und später Basiliken
Verhältnis zu Olba:
- Olba (heute Uzuncaburç, ca. 30 km landeinwärts) war das Zentrum mit dem Zeus-Olbios-Tempel
- Kanytelis fungierte als Satellitensiedlung
- der Kult von Olba prägte das religiöse Leben in Kanytelis
- der hellenistische Turm könnte ein Olba-Außenposten gewesen sein
Der Zeus-Olbios-Kult
Die religiöse Landschaft prägte der mächtige Zeus-Olbios-Kult in Olba.
Zeus Olbios:
- „gnädiger/seliger Zeus“ — Hauptgottheit der Region
- der Tempel in Olba (Uzuncaburç) — ein korinthischer Bau, dessen Säulen heute noch stehen — war religiöses Zentrum
- die Teukriden beanspruchten Abkunft vom Helden Teukros und herrschten als Priesterkönige
- der Kult verband griechische Zeus-Verehrung mit lokalen kilikischen Traditionen
In Kanytelis:
- als Teil des Olba-Gebiets innerhalb des Kultraums
- der Karstschacht selbst war möglicherweise kultisch relevant — tief liegende Schächte wurden oft mit Unterwelt und chthonischen Mächten verknüpft
- Inschriften belegen die Bindung an regionale Institutionen
- die Wende von Zeus Olbios zum Christentum lässt sich in der Bauabfolge ablesen
Hellenistischer Turm
Am Schachtrand steht ein gut erhaltener hellenistischer Turm.
Beschreibung:
- rechteckiger Steinturm mit ca. 8 m Resterhöhe
- aus sorgfältig gefügten Kalksteinquadern
- datiert auf das 2.–1. Jh. v. Chr.
- kleine Fenster und ein hochgelegener Eingang über Leiter
- mehrere Innenräume
Funktion:
- Wachturm: weite Sicht aufs Plateau und Richtung Küste — Überwachung von Piraten oder Truppen
- Zufluchtsturm: Verteidigungsposition für die lokale Bevölkerung
- Verwaltungsstützpunkt: möglicher Olba-Außenposten zur Kontrolle der Wege und Steuererhebung
- vergleichbare Türme stehen in ganz Rauem Kilikien — Spiegel der vorrömischen Unsicherheit
Bedeutung:
- einer der besterhaltenen hellenistischen Wehrtürme Kilikiens
- veranschaulicht die chronische Unsicherheit vor der Befriedung durch Pompeius (67 v. Chr.)
Basiliken
Bemerkenswert sind fünf frühchristliche Basiliken — eine ungewöhnliche Dichte für eine kleine Siedlung.
Basilika 1 (Nordwestbasilika):
- dreischiffig am Nordwestrand des Schachts
- gut erhaltene Mauern und Apsis
- datiert auf das 5. Jh. n. Chr.
- Reste von Bodenmosaiken
Basilika 2 (Theodosius' II.):
- die wichtigste Kirche — kaiserliche Stiftung
- am Nordrand des Schachts
Basilika 3 (Südbasilika):
- an der Südseite der Siedlung
- kleiner als die beiden ersten
- datiert auf das 5.–6. Jh. n. Chr.
Basilika 4 und 5:
- weitere kleinere Kirchen
- Beleg tiefer Christianisierung
- teilweise auf oder neben älteren Heiligtümern
Warum so viele Basiliken?
- die Dichte deutet auf außergewöhnliche religiöse Bedeutung in frühchristlicher Zeit
- möglicherweise Pilgerort mit lokalem Heiligen oder Märtyrer
- kaiserliches Engagement (Theodosius II.) zog weitere Stiftungen an
- der Bischof von Olba/Diocaesarea förderte den Kirchenbau im Umland
Basilika Theodosius' II.
Die wichtigste Basilika in Kanytelis wurde von Kaiser Theodosius II. (regierte 408–450 n. Chr.) gestiftet.
Bau:
- große dreischiffige Basilika an der Nordseite des Schachts
- eine Inschrift hält die kaiserliche Finanzierung fest
- feines Bauornament — Kapitelle und Türprofile
- Apsis im Osten, Narthex im Westen
- datiert auf die erste Hälfte des 5. Jh. n. Chr.
Theodosius II.:
- einer der am längsten regierenden römischen Kaiser (42 Jahre)
- bekannt für die Theodosischen Mauern Konstantinopels, den Codex Theodosianus und das Konzil von Ephesos (431)
- die Patronage einer Kirche im abgelegenen Kanytelis deutet auf besondere religiöse Bedeutung des Ortes
- kaiserlicher Kirchenbau war Religionspolitik
Turmgräber
Die Turmgräber zählen zu den markantesten Bauwerken der Stätte — eine Eigenheit des Rauen Kilikien.
Beschreibung:
- monumentale mehrgeschossige Steinkuppeln als Grabbauten
- meist 2–3 Geschosse, manche bis 8–10 m hoch
- aus sorgfältig zugeschnittenen Kalksteinquadern
- Grabkammern im Inneren
- mit Inschriften und Reliefdekor
Beispiele in Kanlıdivane:
- mehrere Turmgräber nahe der Siedlung und entlang der antiken Straße
- die besterhaltenen bewahren die volle Höhe
- ein markantes Turmgrab steht direkt am Schachtrand
Bedeutung:
- spezifisch kilikische Bauform — andernorts selten
- Ausdruck von Reichtum und Status lokaler Eliten
- ähnliche Türme in Olba (Uzuncaburç), Elaiussa Sebaste und anderen kilikischen Stätten
Felsgräber und Nekropole
Neben den Turmgräbern finden sich umfangreiche Felsgräber und eine römische Nekropole.
Felsgräber:
- direkt in den Kalkstein und in die Schachtwände gehauen
- teils mit architektonischen Fassaden — Portale, Giebel, Dekorelemente
- Loculi (Bestattungsnischen) im Inneren
- Datierung hellenistisch bis frühbyzantinisch
- einige Gräber in der Schachtwand nur durch Klettern erreichbar — möglicherweise als Sicherheitsmaßnahme
Nekropole:
- formelle römische Bestattungszone mit Sarkophagen, Grabhäusern und Inschriften
- entlang der antiken Straße zur Siedlung
- einige Sarkophage mit Girlanden, Tabula ansata und mythologischen Szenen
- repräsentiert die ganze Bandbreite römischer Bestattungspraxis Kilikiens
Reliefs an den Schachtwänden
Die Wände des Schachts tragen Reliefs — eine der faszinierendsten Eigenheiten der Stätte.
Reliefs:
- direkt in den Kalkstein der Schachtwände gehauen
- Kriegerfigur: Mann mit Waffen — möglicherweise Soldat oder Heros
- Familiengruppe: als Grab- oder Votivrelief interpretiert
- weitere, teils erodierte Figuren und Symbole
- die Reliefs sitzen in verschiedenen Höhen — manche nur mit Seil oder Gerüst zu erreichen
Deutung:
- möglicherweise religiöse Bedeutung — der Schacht als Verbindung von Welt und Unterwelt
- der Kriegerheros könnte einen lokalen Gott oder verstorbenen Krieger darstellen
- die Familiengruppe als Votivszene
- Verbindungen zum Zeus-Olbios-Kult oder zu lokalen Bestattungstraditionen werden diskutiert
Römische Straße und Siedlung
Kanytelis lag an einer römischen Straße zwischen Küste und Hinterland.
Straße:
- gepflasterte Trasse, die durch oder neben der Siedlung verlief
- verband Küstenstädte (Elaiussa Sebaste, Korykos) mit Olba (Uzuncaburç)
- in der Nähe sind Originalpflasterungen erhalten
- diente Handel, Militär und Pilgerwesen
Siedlung:
- römerzeitliche Bauten um den Schacht
- Wohnhäuser, Wasserzisternen und landwirtschaftliche Anlagen
- nie eine Großstadt — Dorf bzw. Kleinstadt für Umland und Reisende
- Olivenöl- und Weinpressen belegen agrarische Verarbeitung
Olba und die Priesterkönige
Kanytelis' Geschichte ist eng mit dem mächtigen Olba (Uzuncaburç) verbunden.
Olba-Priesterstaat:
- Zentrum war der Zeus-Olbios-Tempel, dessen Säulen heute noch stehen
- regiert von den Teukriden, einer Priesterdynastie
- Kontrolle über weite Teile des Rauen Kilikien, darunter Kanytelis
- in römischer Zeit Umbildung — das Territorium wurde zur Stadt Diocaesarea (Uzuncaburç)
Verbindung zu Kanytelis:
- religiös, politisch und wirtschaftlich abhängig von Olba
- der hellenistische Turm vermutlich Olba-Außenposten
- nach römischer Umgestaltung wurde Kanytelis Teil der neuen Verwaltung
- ein Besuch von Uzuncaburç ergänzt Kanlıdivane perfekt
Byzantinisches Kanytelis
In byzantinischer Zeit wandelte sich der Ort durch das Christentum.
Christianisierung:
- Übergang vom Heidentum zum Christentum im 4. Jh.
- der Bau von fünf Basiliken prägte die Stätte neu
- kaiserliche Stiftung (Theodosius II.) hob das Prestige
- Bischofssitz in Olba/Diocaesarea; in Kanytelis möglicherweise ein Priester oder Mönchskonvent
Niedergang:
- 7.–10. Jh. arabische Überfälle entlang der kilikischen Küste
- die byzantinisch-arabische Grenze verlief durch Kilikien
- Aufgabe oder reduzierte Besiedlung
- das kilikisch-armenische Königreich (11.–14. Jh.) brachte kurzfristig neue Bewohner
- in osmanischer Zeit endgültige Aufgabe — die geisterhafte Ruinenlandschaft prägt das heutige Bild
Archäologische Forschung
Die Forschung in Kanlıdivane hat die beeindruckenden Reste dokumentiert.
Wesentliche Arbeiten:
- frühere Reisende und Topographen des 19. Jh.
- systematische Surveys im 20. Jh.
- türkische Teams führen Konservierung und Dokumentation durch
- ausführliche Untersuchung der Basiliken, Turmgräber und des Turmes
- Publikation der Inschriften
Konservierung:
- Stätte unter Aufsicht des türkischen Kulturministeriums
- Infotafeln zu den wichtigsten Monumenten
- Wege und Geländer am Schachtrand
- touristische Infrastruktur mit Kassenhäuschen
Laufende Arbeiten:
- weitere Dokumentation und Konservierung der Basiliken und Turmgräber
- Studien zu den Reliefs an den Schachtwänden
- Einbindung in das archäologische Netzwerk Kilikiens
Besuch der Stätte
Anreise:
- aus dem DACH-Raum: Direktflüge nach Adana (ADA) ab Frankfurt, München und Düsseldorf; alternativ Antalya (AYT)
- ab Mersin: ca. 60 km westlich (D-400, ca. 1 Stunde)
- ab Silifke: ca. 20 km östlich (ca. 25 Minuten)
- ab Kızkalesi (Korykos): ca. 10 km westlich (ca. 15 Minuten)
- in Kumkuyu von der D-400 ins Landesinnere abbiegen — ca. 3 km zur Stätte
- Beschilderung vorhanden
- kein direkter Nahverkehr — Mietwagen oder Taxi ab Erdemli/Kızkalesi
Auf dem Gelände:
- 1,5–2 Stunden einplanen
- Höhepunkte: Schachtrandblicke, hellenistischer Turm, Basilika 1 und Theodosius II., Turmgräber, Felsgräber, Reliefs (von oben sichtbar), Nekropole
- kompaktes Gelände — alles fußläufig
- Geländer am Schachtrand — Vorsicht
- Kassenhäuschen und einfache Infrastruktur
Beste Reisezeit:
- Frühjahr (März–Mai) ideal — Wildblumen, milde Temperaturen, perfektes Licht
- Herbst (Oktober–November) ebenfalls hervorragend
- Sommer sehr heiß — morgens oder abends besuchen
- Winter mild, gelegentlich regnerisch
Praktische Hinweise:
- festes Schuhwerk — Kalksteinboden uneben
- Wasser und Sonnenschutz mitbringen
- spektakuläre Schachtblicke für Fotografie
- in Kombination mit Uzuncaburç (Olba/Diocaesarea), Kızkalesi (Korykos) und den Cennet-Cehennem-Schächten
- in Kızkalesi Hotels, Restaurants und die berühmte Meerburg
Nahegelegene Stätten:
- Cennet-Cehennem („Himmel und Hölle“-Schächte): 5 km — ähnliche Karstformationen mit byzantinischer Kapelle
- Kızkalesi/Korykos: 10 km — Meer- und Landburg
- Uzuncaburç (Olba): 30 km landeinwärts — Zeus-Olbios-Tempel mit stehenden Säulen
- Adamkayalar: Felsreliefs der Kaiserzeit
- Elaiussa Sebaste: antike römische Küstenstadt
FAQ
Was ist der Karstschacht? Ein gewaltiger natürlicher Abgrund im Kalksteinplateau — ca. 70 m tief, 144 m lang, 90 m breit. Entstanden durch jahrmillionenlange Karstifizierung.
Warum heißt es „Kanlı Divane“? Lokale Legende: Verurteilte wurden in den Schacht gestürzt. Historisch unklar, der Name aber prägnant.
Was ist die Verbindung zu Olba? Kanytelis gehörte zum Territorium des Olba-Priesterstaates um den Zeus-Olbios-Kult. Der hellenistische Turm war vermutlich ein Außenposten.
Warum so viele Basiliken? Fünf frühchristliche Kirchen deuten auf besondere religiöse Bedeutung — möglicherweise Pilgerort. Die Stiftung Theodosius' II. legt eine Verbindung zu einem lokalen Heiligen nahe.
Was sind Turmgräber? Monumentale mehrgeschossige Steinkuppeln als Grabbauten — eine kilikische Eigenheit, errichtet von wohlhabenden Familien.
Ist die Stätte sicher? Ja. Geländer und Wege am Schachtrand schützen die Besucher. Vorsicht ist trotzdem geboten.
Kann man in den Schacht hinabsteigen? Im Regelfall nein — die Wände sind senkrechte Klippen. Die Reste werden vom oberen Rand betrachtet.
Quellen
- Durugönül, Serra: Cilicia: Ancient Cities and Monuments
- Machatschek, Alois / Schwarz, Mario: Bauforschungen in Selinus und Meriamlik
- Bean, George E. / Mitford, Terence B.: Journeys in Rough Cilicia
- Trampedach, Kai: „Priests and Kings: The Priest-Dynasts of Olba in Rough Cilicia“
- T.C. Kultur- und Tourismusministerium der Türkei — Mersin Kulturerbe
- Wikipedia DE, „Kanlıdivane“
- UNESCO-Tentativliste — kilikische archäologische Stätten
- Hild, Friedrich / Hellenkemper, Hansgerd: Tabula Imperii Byzantini: Kilikien und Isaurien
- Deutsches Archäologisches Institut (dainst.org)
- Österreichisches Archäologisches Institut (oeai.at)
