Prusias ad Hypium

Das Ephesos des Schwarzen Meeres

22 Min. Lesezeit

Im Nordwesten der Türkei, am Fuß des Bolu-Gebirges, gehört Prusias ad Hypium zu den bedeutendsten antiken Städten der westlichen Schwarzmeerregion. Die von der lokalen Bevölkerung Konuralp genannte Stadt beherbergt ein eindrucksvolles römisches Theater, das im Volksmund als „Vierzig Stufen" bekannt ist, ein reiches Skulpturenprogramm — von einem Alexanderkopf bis zu einer Apollon-Kitharoidos-Statue — und ein archäologisches Areal, das durch fortlaufende Grabungen Jahr für Jahr neue Überraschungen liefert. Nach sechs Jahren intensiver Ausgrabung ist das Theater vollständig freigelegt und soll 2025 als Kulturzentrum mit 10.000 Plätzen wiedereröffnet werden.

  1. Warum Prusias ad Hypium bedeutsam ist
  2. Geografische Lage und Naturraum
  3. Historische Chronologie
  4. Wichtige Bauwerke und Funde
  5. Archäologische Forschung
  6. Besucherinformationen
  7. Häufig gestellte Fragen
  8. Quellen und weiterführende Literatur

Warum Prusias ad Hypium bedeutsam ist

  1. Eine der bedeutendsten erhaltenen antiken Städte der westlichen Schwarzmeerregion. Anders als viele bithynische Städte sind Theater, Brücke, Aquäduktteile und Stadtmauern von Prusias ad Hypium noch in beträchtlichem Maße sichtbar. Nach sechsjähriger Grabung wurde das Theater vollständig freigelegt.

  2. Außergewöhnliches Skulpturenprogramm. Der in der Stadt gefundene Alexanderkopf aus Marmor (2. Jh. n. Chr.) wurde 2023 zu einer der fünf wichtigsten archäologischen Entdeckungen der Türkei gekürt. Daneben gehören die 1,9 m hohe Apollon-Kitharoidos-Statue, der Medusakopf und die als M. Iulius Proklos identifizierte Porträtbüste — vermutlich der Stifter des Theaters — zu den bemerkenswerten Funden, die den kulturellen Reichtum der Stadt belegen.

  3. Ununterbrochene Besiedlung von hellenistischer bis osmanischer Zeit. Die Schichtfolge in Konuralp ermöglicht es, fast zweitausend Jahre des Wandels öffentlicher Architektur, religiöser Praxis und Alltagslebens nachzuvollziehen.

  4. Schnelle Entdeckungen durch ganzjährige Grabungen. Unter Leitung der Museumsdirektion Konuralp und mit Unterstützung der Universität Düzce sowie der Stadt Düzce werden in Prusias ad Hypium Grabungen über 12 Monate ohne Unterbrechung durchgeführt. Zu den jüngsten Funden gehören eine tönerne Theaterkarte, eine Aphrodite-Figurine, ein Thyrsos-Symbol, römische Militärspielsteine und eine byzantinische Kirche.

  5. Museumserlebnis vor Ort. Das 2003 gegründete Konuralp-Museum beherbergt 6.237 Objekte: 1.848 archäologische, 491 ethnografische und 3.898 numismatische Stücke. Das Museum liegt nahe der antiken Stätte, sodass Stättenbesuch und Museumsgang verbunden werden können.

  6. Zukünftiges Kulturzentrum. Die Pläne, das antike Theater zu einem funktionsfähigen Kultur- und Kunstzentrum mit 10.000 Plätzen umzugestalten, schreiten voran — Konzerte, Theateraufführungen und Festivals sollen die Bühne nach nahezu zwei Jahrtausenden Stille zu neuem Leben erwecken.

Geografische Lage und Naturraum

Prusias ad Hypium liegt etwa 8 km nördlich des Stadtzentrums von Düzce, an der Straße nach Akçakoca. Die Stadt wurde in einem fruchtbaren Flusstal angelegt, in dem der Hypios (heute Küçük Melen Çayı) sich mit seinen vom Bolu-Gebirge herabkommenden Nebenflüssen vereinigt.

Die Lage bot zwei wesentliche strategische Vorteile:

  • Kontrolle der Nord-Süd-Handelsrouten. Die Stadt befindet sich auf dem Handelskorridor von den Schwarzmeerhäfen (Herakleia Pontike, heute Karadeniz Ereğli) in das innere Anatolien. Holz, Agrarerzeugnisse und Metalle wurden über diese Route transportiert.
  • Zugang zu reichen Agrarflächen. Das weite Talböden bot fruchtbares Land für Getreidebau, Obstplantagen und Weinbau und bildete das wirtschaftliche Fundament urbaner Entwicklung.

Das Gelände steigt sanft nach Süden an, wo die Sitzreihen des Theaters in den natürlichen Hang gehauen wurden. Die umliegenden Wälder — Hasel-, Eichen- und Buchenbestände — verleihen der Stätte einen ganz anderen, grünen Charakter als ägäische und mediterrane antike Städte.

Das Klima ist Schwarzmeer-Übergangsklima: milde, feuchte Winter und warme Sommer. Frühling (April–Mai) und Herbst (September–Oktober) sind die angenehmsten Besuchszeiten. Die Region erhält besonders im Herbst und Winter beträchtliche Niederschlagsmengen, was die Landschaft ganzjährig grün hält.

Der antike Hypios verlieh der Stadt den zweiten Teil ihres Namens — „ad Hypium" („am Hypios") —, um sie von der bithynischen Küstenstadt Prusias ad Mare zu unterscheiden.

Historische Chronologie

Vorhellenistische Periode (vor dem 3. Jh. v. Chr.)

Die Siedlung war ursprünglich unter dem Namen Kieros (oder Cierus / Hypios) bekannt. Sie stand in Abhängigkeit von der mächtigen griechischen Kolonie Herakleia Pontike (heute Karadeniz Ereğli). Die Lage am Flussübergang lässt vermuten, dass der Ort schon früh als Markt- und Rastplatz fungierte.

Bithynisches Königreich (ca. 228–74 v. Chr.)

Prusias I. (228–182 v. Chr.) entriss Kieros in seinen Expansionskriegen den Herakleioten und benannte die Stadt in Prusias ad Hypium — „Prusias am Hypios" — um. Unter bithynischer Herrschaft erlangte die Stadt eine hellenistische Polis-Identität: Theater, Agora, Stadtverwaltung und vermutlich ein Gymnasion wurden errichtet.

Prusias I. war eine der komplexen Figuren hellenistischer Politik — er gewährte dem im Exil lebenden Hannibal Asyl und führte Kriege gegen Pergamon wie gegen die Galater. Seine Patronage der nach ihm umbenannten Stadt spiegelt die Praxis bithynischer Könige wider, Macht durch Stadtgründungen oder -umbenennungen zu zeigen.

Römische Zeit (74 v. Chr. – 4. Jh. n. Chr.)

Mit der testamentarischen Übergabe des Königreichs durch den letzten bithynischen König Nikomedes IV. an Rom im Jahr 74 v. Chr. wurde die Stadt Teil der Provinz Bithynia et Pontus. Die Blütezeit der Stadt begann:

  • Das Theater wurde auf etwa 10.000 Plätze erweitert und zu einem der größten Theater im inneren Schwarzmeerraum.
  • Der wohlhabende Wohltäter M. Iulius Proklos finanzierte eine mit Apollon-Darstellungen und Porträtbüsten geschmückte Bühnenfassade (scaenae frons).
  • Über den Hypios wurde eine monumentale römische Brücke aus mörtellos gefügten weißen Marmorblöcken errichtet.
  • Ein Aquäduktsystem versorgte das Stadtzentrum mit Wasser aus den Bergquellen.
  • Die Stadt prägte eigene Bronzemünzen mit Darstellungen lokaler Gottheiten und bürgerlicher Symbole.

Der Statthalter von Bithynia et Pontus, Plinius der Jüngere, korrespondierte um 111–113 n. Chr. mit Kaiser Trajan über Verwaltungsfragen der Provinz. Der Reichtum der Stadt zeigt sich in der Qualität ihres Skulpturenprogramms — Alexanderporträt, Apollonstatue und Medusakopf weisen auf Zugang zu fähigen Marmorwerkstätten und ein bedeutendes Stiftersystem hin.

Spätrömische und byzantinische Zeit (4.–14. Jh.)

Unter den diokletianischen Reformen wurde die Stadt Teil der spätrömischen Provinz Honorias. Das Christentum verdrängte allmählich die heidnischen Kulte. Bei jüngsten Grabungen wurden eine byzantinische Kirche, eine Zisterne und Infrastruktur mit gebrannten Tonröhren freigelegt. Die Mauern wurden in byzantinischer Zeit verstärkt, und das Haupttor Pferdetor verdankt seinen Namen einem Pferderelief auf dem Türsturz.

Die südliche Nekropole liefert wichtige Informationen zu Bestattungstraditionen vom 2. bis 5. Jh. Ein in einem Grab gefundener Charonsobolus — der antiken Sitte folgend, dem Fährmann der Toten Lohn zu zahlen — zählt zu den bemerkenswerten Funden.

Osmanische und neuere Zeit (ab 14. Jh.)

Im 14. Jh. fiel die Siedlung an die Osmanen und schrumpfte. Der antike Name wich dem Namen eines Turkmenenbeys aus der Zeit Osman Gazis: Konuralp. Das Theater wurde nach und nach von Erde bedeckt, und die oberen Sitzreihen verwandelten sich in einen terrassierten Hang. Systematische archäologische Erforschung begann in den frühen 2000er Jahren.

Wichtige Bauwerke und Funde

Römisches Theater („Vierzig Stufen")

Das Theater ist das Wahrzeichen von Prusias ad Hypium. Errichtet wurde es in hellenistischer Zeit (3.–2. Jh. v. Chr.) mit Aushöhlung der unteren Cavea in den natürlichen Hang und in römischer Zeit erheblich erweitert. Nach sechsjähriger Grabung ist es vollständig freigelegt:

  • Sitzkapazität: ca. 10.000 — eines der größten Theater im inneren Schwarzmeerraum.
  • Cavea: Sitzreihen steigen halbkreisförmig den Hang hinauf — daher der lokale Name „Kırk Bayır" oder „Vierzig Stufen".
  • Bühnenhaus (scaenae frons): mit marmornen Reliefplatten verziert; Apollon-Darstellungen und Porträtbüsten ziviler Wohltäter, darunter der Theaterstifter M. Iulius Proklos.
  • Räume unter der Bühne: Drohnenaufnahmen offenbarten gewölbte Kammern unter der Bühne — vermutlich Umkleide- und Vorbereitungsräume für Schauspieler sowie Lagerflächen für Dekoration — ein seltener Einblick in die antike Bühnenlogistik.
  • Tönerne Theaterkarte: Ein gebrannter Tonchip aus römischer Zeit belegt das System ticketpflichtiger Unterhaltung und Zuschauerlenkung.
  • Aphrodite-Figurine und Thyrsos-Symbol: Zusätzliche Funde aus dem Theaterumfeld unterstreichen die Verbindung zur römischen Kultur- und Religionspraxis.

Das Theater soll 2025 für Tourismus und Kulturveranstaltungen geöffnet werden und in einen funktionsfähigen Veranstaltungsort verwandelt werden.

Apollon-Kitharoidos-Statue

Die 1,9 m hohe Marmorstatue zeigt Apollon mit einer Kithara (Lyra) in der Hand. Mit Lorbeerkranz bekrönt, spiegelt die Figur die feine Handwerkskunst römischer Idealskulptur des 2. Jh. wider. Die Statue bestätigt, dass Musikaufführungen und künstlerische Wettkämpfe integraler Bestandteil des Theaterprogramms waren. Sie ist im Konuralp-Museum ausgestellt.

Alexanderkopf

Dieser bei den Grabungen 2023 nahe der Mosaikstruktur gefundene Marmorkopf datiert ins 2. Jh. Tiefe Augenhöhlen, lockiges Haar und der charakteristische „Löwenmähnen"-Stil (Anastolé) zeigen das klassische Alexanderporträt. Er wurde zu einer der fünf bedeutendsten archäologischen Entdeckungen Türkiyes 2023 gewählt. Vermutlich gehörte er zu einer ehrenden Ganzkörperstatue in einem öffentlichen Bauwerk und belegt die Fortdauer der Alexanderverehrung Jahrhunderte nach seinem Tod.

Porträtbüste des M. Iulius Proklos

Eine Porträtbüste, die vermutlich den Stifter der reich verzierten Bühnenfassade darstellt, wurde freigelegt. Dieser Fund bietet eine seltene persönliche Verbindung zur antiken Wohltätigkeit — der in Inschriften als Theaterstifter genannte Name erhält nun ein Gesicht.

Medusakopf

Der aus dem Theaterumfeld geborgene Gorgonenkopf der Medusa beeindruckt durch dramatischen Ausdruck und Schlangenhaar. Solche apotropäischen (abwehrenden) Bildnisse wurden in Rom an Theaterbühnen und öffentlichen Monumenten angebracht, um Böses abzuwehren und die Gemeinschaft zu schützen.

Löwenmosaik

Ende 2023 wurde nahe dem Theater ein Bodenmosaik mit Löwendarstellung entdeckt. Es gehört zu einem öffentlichen oder vornehmen Bauwerk römischer Zeit und zeigt, dass Prusias ad Hypium über Bodendekorationsprogramme verfügte, die mit denen bekannterer antiker Städte Anatoliens vergleichbar sind.

Römische Militärspielsteine

Zu den bemerkenswerten Funden 2024 zählen Knochenspielsteine für die römischen Strategiespiele Ludus Latrunculorum und Ludus duodecim scriptorum (5. Jh. n. Chr.). Diese Spielsteine bekräftigen die Hypothese einer in der Stadt stationierten Militäreinheit; frühere Untersuchungen hatten bereits die Existenz militärischer Kasernen aus dem 2. Jh. nachgewiesen.

Römische Brücke

Über den Hypios führt eine Brücke aus großen mörtellos gefügten weißen Marmorblöcken — ein Zeugnis römischer Steinbearbeitungs- und Ingenieurskunst. Mehrere ihrer Bögen sind erhalten und für Besucher zugänglich.

Aquäduktsystem

Einige Bögen des stadteigenen Aquädukts sind im Umland noch sichtbar. Das System leitete sauberes Wasser aus Bergquellen zu öffentlichen Brunnen, Thermen und Privathäusern.

Stadtmauern und Pferdetor

Teile der byzantinischen Stadtmauern umgeben das städtische Kerngebiet. Das Haupttor, das Pferdetor, verdankt seinen Namen einem in den Türsturz gehauenen Pferderelief. Die Mauern enthalten wiederverwendete römische Architekturblöcke.

Byzantinische Kirche, Zisterne und Infrastruktur

Bei den Grabungen wurden eine byzantinische Kirche, eine Zisterne und Wasserverteilungssysteme mit Tonröhren freigelegt. Diese Bauten belegen, dass die Stadt auch im Mittelalter eine bedeutende Siedlung mit organisiertem religiösem Leben und städtischer Wassergewirtschaft war.

Münzen und Flussgott

Eine im Süden der Nekropole gefundene Münze aus dem 2. Jh. trägt eine „Flussgott"-Gravur und die Aufschrift „Kezios". Diese Inschrift identifiziert die Münze als hadrianopolitanischer Herkunft und wirft Licht auf den antiken Namen des Eskipazar-Flusses — eine wichtige Quelle für die regionale historische Geografie.

Münzprägung und numismatisches Erbe von Prusias ad Hypium

Prusias ad Hypium war in römischer Zeit eine bedeutende Münzstätte, die eigene Bronzemünzen prägte:

  • Prägezeit: Stadtmünzen wurden vom 1. Jh. v. Chr. bis Mitte des 3. Jh. n. Chr. geprägt. Die intensivste Prägephase lag im 1.–2. Jh. n. Chr.
  • Aversbilder: Auf den Vorderseiten finden sich Porträts römischer Kaiser. Belegt sind Exemplare aus der Zeit Trajans, Hadrians, Antoninus Pius', Marc Aurels, Septimius Severus' und Caracallas.
  • Reversmotive: Auf den Rückseiten erscheinen Stadtgötter. Zu den häufigsten Motiven gehören Dionysos (Gott des Weins und des Theaters), Demeter (Göttin der Landwirtschaft) und der Flussgott Hypios. Der Flussgott ist meist als bärtiger älterer Mann mit Schilfrohr und Wasserkrug dargestellt.
  • Beischrift: Die Münzen tragen die Aufschrift „PRVSIADEON" oder „PRVSIAS". Auf einigen Exemplaren ist der vollständige offizielle Name „PRVSIAS AD HYPIVM" lesbar.
  • Historische Bedeutung: Die Münzprägung verweist auf die offizielle Stellung der Stadt im römischen Verwaltungssystem und auf ihr Selbstverwaltungsrecht. Nur Städte von gewisser Größe und Bedeutung besaßen das Privileg, eigene Münzen zu prägen.
  • Verbreitungsgebiet: Prusias-Münzen zirkulierten innerhalb Bithyniens und Paphlagoniens; einige Exemplare gelangten durch Handel auch in entferntere Regionen.
  • Konuralp-Museumssammlung: Unter den 3.898 im Museum gezeigten Münzen bildet die Prägung von Prusias ad Hypium einen bedeutenden Teil. Die Sammlung ist eine grundlegende Quelle für die Rekonstruktion der Wirtschaftsgeschichte der Stadt.

Bithynische Eliten und Wohltätigkeitssystem

Die monumentalen Bauten von Prusias ad Hypium liefern anschauliche Beispiele des Wohltätigkeitssystems (Euergetismus) im römischen Bithynien:

  • M. Iulius Proklos und das Theater: Proklos, der die scaenae frons des Theaters finanzierte, war vermutlich ein Decurio (Mitglied des Stadtrats) oder Duumvir (Stadtbeamter). Das römische Wohltätigkeitssystem sah vor, dass wohlhabende Bürger öffentliche Bauten finanzierten und im Gegenzug Ehrungen, Inschriften und Statuen erhielten. Die Aufstellung der Porträtbüste Proklos' im Theater ist ein konkreter Beleg für die Funktionsweise dieses Systems.
  • Kosten des Skulpturenprogramms: Eine 1,9 m hohe Marmorstatue wie die Apollon-Kitharoidos kostete zu damaligen Preisen etwa 500–1.000 römische Denare (2–4 Jahresgehälter eines römischen Soldaten). Diese Kosten zeigen die finanzielle Stärke der städtischen Elite.
  • Fortdauer des Alexanderkults: Das im 2. Jh. gefertigte Alexanderporträt zeigt, dass die Verehrung Alexanders auch 500 Jahre nach seinem Tod fortdauerte. Es ist einer der seltenen physischen Belege für die Präsenz eines Alexanderkults in bithynischen Städten.
  • Programm der scaenae frons: Die Ausstattung der Bühnenfassade mit Marmorreliefs, Apollon-Darstellungen und Stifterporträts entspricht der gängigen Praxis römischer Theaterarchitektur. Vergleichbare Beispiele finden sich in den Theatern von Aspendos, Side und Perge.
  • Inschriftenkultur: In der Stadt gefundene Ehreninschriften halten die Namen der Wohltäter, den Inhalt der Stiftungen und die vom Stadtrat erlassenen Anerkennungsbeschlüsse fest. Diese Inschriften sind Primärquellen für die Funktionsweise der bürgerlichen Gesellschaft in römischer Zeit.
  • Öffentliche Rolle der Frau: In Bithynien sind in einigen Ehreninschriften auch Frauen als Wohltäterinnen vermerkt. In Prusias ad Hypium liegen zwar nur begrenzte direkte Belege für die öffentliche Rolle von Frauen vor, doch entsprechend den regionalen Gepflogenheiten ist anzunehmen, dass auch Frauen am bürgerlichen Leben teilnahmen.

Hypios-Fluss und antike Geografie

Der antike Name des Küçük Melen Çayı, Hypios, war integraler Bestandteil der Identität der Stadt:

  • Etymologie: Das Wort „Hypios" leitet sich vom griechischen hypselos („hoch, stolz") ab. Der schnell von den Bergen herabstürzende, rauschende Fluss erklärt diese Bezeichnung.
  • Flussgott-Kult: Die Darstellungen des Flussgottes auf den Stadtmünzen bestätigen die Existenz eines lokalen Kultes für den Hypios. Flussgötter waren in kleinasiatischen Städten der römischen Zeit wichtige religiöse Figuren, denen für Ernteüberfluss und Wasserversorgung gehuldigt wurde.
  • Geografische Grenze: In der Antike bildete der Hypios die Grenze zwischen Bithynien und Paphlagonien. Prusias ad Hypium lag direkt an dieser Grenze und pflegte Handels- und Kulturbeziehungen zu beiden Regionen.
  • Hochwasserrisiken: Trotz der fruchtbaren Lage im Flusstal brachte die Lage auch periodische Überschwemmungen mit sich. Reste römischer Deiche und Kanäle zeigen, dass technische Maßnahmen zum Hochwasserschutz ergriffen wurden.
  • Brückenfunktion: Der mörtellose Bau der römischen Brücke aus weißen Marmorblöcken zeigt die kritische Bedeutung der Flussüberquerung im Handelsweg. Sie verband die Stadt am Westufer mit dem östlich gelegenen Agrarland und der Route nach Paphlagonien.
  • Heute: Der heutige Küçük Melen Çayı bleibt eine wichtige Wasserquelle für die Stadt Düzce. Seine strategische Funktion findet in der Moderne eine Entsprechung.

Archäologische Forschung

Institutioneller Rahmen

Die Grabungen in Prusias ad Hypium sind durch das Ministerium für Kultur und Tourismus, Generaldirektion für Kulturgüter und Museen, autorisiert. Das Projekt wird von der Museumsdirektion Konuralp geleitet, in Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Institut der Universität Düzce und finanziell unterstützt von der Stadt Düzce. Die Grabung läuft 12 Monate pro Jahr und beschleunigt den Fortschritt im Vergleich zu üblichen saisonalen Grabungen erheblich.

Wichtige Forschungsphasen

  • Vor 2000: Die Stätte war über Oberflächenreste und Reisendenberichte des 19. Jh. bekannt.
  • Frühe 2000er: Die Gründung des Konuralp-Museums im Jahr 2003 ermöglichte systematische Forschungen und ein dauerhaftes Zuhause für die Funde.
  • Nach 2017: Großflächige Grabungen am Theater und in der Umgebung; in Folge Alexanderkopf, Apollon-Statue, Medusakopf, Löwenmosaik und tönerne Theaterkarte.
  • 2024: Funde römischer Militärspielsteine, die die militärische Bedeutung der Stätte unterstreichen. Aphrodite-Figurine und Thyrsos-Symbol wurden ebenfalls zusammen mit weiteren Münzen und Keramikfunden freigelegt.
  • 2024–2025: Drohnentechnologie offenbarte versteckte Tunnel und Vorbereitungsräume unter der Bühne. Die byzantinische Kirche und Infrastruktur wurden entdeckt und erweiterten die chronologische Reichweite der Stätte. Nach sechsjähriger kontinuierlicher Arbeit wurde die Theatergrabung abgeschlossen.

Fundverwaltung

Alle Funde werden im Konuralp-Museum bearbeitet, restauriert und ausgestellt. Das Museum beherbergt in archäologischen, ethnografischen und numismatischen Kategorien insgesamt 6.237 registrierte Objekte.

Zukunftspläne

Das vollständig ausgegrabene Theater soll 2025 für den Tourismus geöffnet werden. Ambitionierte Restaurierungspläne zielen darauf ab, das Theater zu einem funktionsfähigen Kultur- und Kunstzentrum mit 10.000 Plätzen umzugestalten — Konzerte, Theateraufführungen und Festivals sollen die antike Bühne nach fast zweitausend Jahren Stille wiederbeleben.

Technische Analyse und architektonische Merkmale des Theaters

Die nach sechsjähriger Grabung sichtbaren architektonischen Details des Theaters von Prusias ad Hypium sind für das Verständnis der bithynischen Theatertradition bedeutsam:

  • Cavea-Abschnitte: Die Sitzfläche ist durch horizontale Gänge (Diazoma) in drei Hauptabschnitte unterteilt: ima cavea (unterer Teil), media cavea (mittlerer Teil) und summa cavea (oberer Teil). Jeder Abschnitt war gemäß der römischen Sozialhierarchie unterschiedlichen Gesellschaftsschichten zugewiesen.
  • Vomitoria: Gewölbte Durchgänge (Vomitoria), die schnelles Ein- und Aussteigen ermöglichten, sind in der baulichen Substanz erhalten. Diese Durchgänge erlaubten die Räumung von 10.000 Personen in etwa 15 Minuten.
  • Orchestra: Die halbkreisförmige Orchestra hat einen Durchmesser von rund 25 m und bildet die Übergangszone zwischen Bühne und Zuschauer. In römischer Zeit diente sie auch für Ehrensitze.
  • Tiefe der Bühne: Das Bühnengebäude (Postscaenium) hinter der scaenae frons ist rund 8 m tief und ermöglichte Vorbereitung der Schauspieler und Lagerung der Dekoration.
  • Akustische Gestaltung: Das in den Hang gehauene und mit Steinreihen ausgekleidete Theater wurde nach den akustischen Ingenieurprinzipien seiner Zeit gestaltet. Ein auf Orchestraebene gesprochenes Wort war noch in der hintersten Reihe der summa cavea verständlich.
  • Drainagesystem: Im unteren Teil wurde ein ausgedehntes Drainagekanalsystem festgestellt, das das Wasser unter dem Hang in den Fluss leitete und so den Bauboden schützte.
  • Baustoffe: Das Theater wurde aus lokalem Kalkstein und römischem Beton (Opus caementicium) errichtet. Die Marmorplatten der Bühnenfassade stammen aus den Marmorbrüchen von Prokonnesos (Marmara-Insel).
  • Bauphasen: Die architektonische Analyse zeigt mindestens drei große Bau- und Reparaturphasen: hellenistisches Fundament (2. Jh. v. Chr.), iulisch-claudische Erweiterung (1. Jh. n. Chr.) und antoninische Renovierung (2. Jh. n. Chr.).

Besucherinformationen

Anreise

  • Aus dem DACH-Raum: Direktflüge nach Istanbul von Frankfurt, München, Wien oder Zürich; weiter mit Mietwagen oder Bus nach Düzce.
  • Mit dem eigenen Fahrzeug: Konuralp liegt 8 km nördlich vom Stadtzentrum Düzce, an der Straße nach Akçakoca. Von Istanbul ca. 260 km (auf der O4 etwa 3 Std.). Von Ankara ca. 310 km (ca. 3,5 Std.).
  • Mit dem Bus: Regelmäßige Verbindungen aus Istanbul, Ankara und Bolu nach Düzce. Vom Busbahnhof Düzce verkehren etwa alle 30 Min. Dolmuş nach Konuralp.

Konuralp-Museum

  • Eingerichtet 2003 in einem restaurierten historischen Gebäude.
  • Ausgestellt sind 1.848 archäologische Objekte, 491 ethnografische Stücke und 3.898 Münzen.
  • Wichtige Stücke: Apollon-Kitharoidos-Statue, Alexanderporträt, Medusakopf, Büste des M. Iulius Proklos und römerzeitliche Inschriften.
  • Direkt neben der antiken Stätte; Stättenbesuch und Museumsgang lassen sich verbinden.
  • Klein, aber sorgfältig kuratiert; Informationen in Türkisch und Englisch.

Empfohlene Aufenthaltsdauer

  • Schneller Besuch (Theater und Museum): 1,5–2 Std.
  • Umfassender Besuch (Theater, Brücke, Aquädukt, Mauern, Museum): 3–4 Std.
  • Forschungsmäßiger Besuch: ein ganzer Tag.

Beste Reisezeit

  • Frühling (April–Mai): mildes Wetter, grüne Landschaft, Wildblumen auf den umliegenden Hügeln.
  • Herbst (September–Oktober): angenehme Temperaturen, wenige Besucher, Herbstlaub.
  • Sommer: warm, aber erträglich; Mittagshitze meiden. Die Haselnussplantagen stehen voll im Laub.
  • Winter: Stätte zugänglich, aber Regen und Schlamm können das Gelände erschweren. Das Museum bietet eine gute Alternative bei Regen.

Praktische Tipps

  • Festes Schuhwerk tragen; Theater- und Aquäduktbereich haben unebenes Gelände.
  • Im Sommer Wasser und Sonnenschutz mitbringen.
  • Fotografie im Freien und im Museum erlaubt (kein Blitz in Museumsgalerien).
  • Aktive Grabungsbereiche können abgesperrt sein; alle Barrieren und Warnungen beachten.
  • Den Besuch mit den Düzce-Thermen oder der Küste von Akçakoca zu einem ganztägigen Programm verbinden.
  • Die Stätte ist familienfreundlich; das Gelände ist im Vergleich zu vielen antiken Städten relativ eben.

Sehenswertes in der Umgebung

  • Akçakoca — Schwarzmeerort mit Stränden und osmanischer Architektur (30 km nördlich).
  • Bolu — Bergstadt, bekannt für ihre Küche und den Abant-See (60 km östlich).
  • Yedigöller-Nationalpark — herrliche Bergseen zwischen Buchenwäldern (80 km östlich).
  • Mudurnu — gut erhaltene osmanische Kleinstadt (90 km südöstlich).

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet „Vierzig Stufen" und warum trägt das Theater diesen Namen?

Der lokale Name „Kırk Bayır" (Vierzig Stufen) bezieht sich auf die in den Hang gehauenen, ansteigenden Steinsitzreihen. Obwohl die tatsächliche Sitzreihenzahl über vierzig liegt, hat sich der Beiname in der lokalen Tradition durchgesetzt und wird seit Jahrhunderten zur Bezeichnung des Bauwerks genutzt. Nach sechsjähriger Grabung sind nun alle Reihen vollständig freigelegt.

Wie vergleicht sich Prusias ad Hypium mit Ephesos?

Das Etikett „Ephesos des Schwarzen Meeres" spiegelt die relative Bedeutung der Stadt innerhalb ihrer Region wider. Während Ephesos mit über 200.000 Einwohnern eine Metropole war, war Prusias ad Hypium eine mittelgroße, aber wohlhabende bithynische Stadt. Der Vergleich unterstreicht, dass sie die monumentalste antike Stadt im Hinterland des westlichen Schwarzmeers war und ihr Theater in seinem Maßstab viele Großstädte übertraf.

Kann ich den Alexanderkopf und die Apollon-Statue sehen?

Ja. Beide Stücke sind im Konuralp-Museum nahe der antiken Stätte ausgestellt. Im Museum befinden sich auch der Medusakopf, die Büste des M. Iulius Proklos, Inschriften, Münzen und Keramikfunde. Die Sammlung ist klein, qualitativ jedoch beeindruckend.

Werden die Grabungen fortgesetzt?

Ja. Unter Leitung der Museumsdirektion Konuralp und der Universität Düzce wird ganzjährig gegraben. Die Theatergrabung ist 2025 abgeschlossen, doch in den umliegenden Bauten, der byzantinischen Kirche und in anderen Teilen der antiken Stadt laufen die Arbeiten weiter. Aktive Grabungsbereiche können eingezäunt sein; bitte alle Absperrungen beachten.

Steht die römische Brücke noch?

Mehrere Bögen der Brücke sind erhalten und können besucht werden. Sie liegt nahe dem Fluss in kurzer Gehweite vom Theaterbereich. Die mörtellose Marmorbauweise ist nach fast zweitausend Jahren weiterhin beeindruckend.

Wie alt ist die Stadt?

Die Siedlung begann mindestens im 3. Jh. v. Chr. unter dem Namen Kieros. Sie wurde zwischen 228 und 182 v. Chr. von Prusias I. umbenannt. Theater und römische Hauptmonumente datieren überwiegend ins 1.–3. Jh. n. Chr. Byzantinische und osmanische Schichten reichen mit der Besiedlung bis ins 14. Jh. und darüber hinaus.

Was wurde in den versteckten Tunneln gefunden?

Drohnenaufnahmen offenbarten unter der Bühne Vorbereitungsräume — vermutlich für Umkleiden, Schauspielervorbereitung und Lagerung von Dekoration. Diese Unterbühnenräume bieten einen seltenen Einblick in die Organisation und Aufführung antiker Theaterveranstaltungen.

Wird Eintritt erhoben?

Für aktuelle Eintrittsregelungen wenden Sie sich an das Konuralp-Museum. Antike Stätte und Museum können getrennte Regelungen haben. Die Gebühren sind in der Regel moderat.

Das Kulturprogramm des Theaters

Die reichen Funde im Theaterumfeld ermöglichen es uns, Aspekte des kulturellen Programms zu rekonstruieren, das diese Stätte einst lebendig machte:

  • Musikaufführungen: Die Apollon-Kitharoidos-Statue bestätigt, dass Musikwettbewerbe ein zentrales Element der Theaterprogramme waren. Apollon als Gott der Musik und Schirmherr künstlerischer Wettkämpfe präsidierte mit seiner Präsenz an der scaenae frons den Aufführungen von Sängern, Instrumentalisten und Dichtern.

  • Theateraufführungen: Die durch Drohnenaufnahmen entdeckten Unterbühnenräume sind Vorbereitungsareale, in denen die Schauspieler Kostüme und Masken anlegten. Die Kapazität von 10.000 Plätzen lässt vermuten, dass das Theater große regionale Festspiele beherbergte, die Zuschauer aus dem bithynischen Hinterland anzogen.

  • Eintritt mit Karte: Der Fund der tönernen Theaterkarte belegt, dass die Aufführungen durch ein Ticketsystem organisiert waren. Solche Marken leiteten die Zuschauer in bestimmte Bereiche der Cavea und zeigen eine ausgereifte Publikumsverwaltung, die mit modernen Veranstaltungsstätten vergleichbar ist.

  • Kultaktivitäten: Die Aphrodite-Figurine und der Thyrsos (Dionysos-Stab) deuten darauf hin, dass das Theaterumfeld auch religiösen Zwecken diente. In der griechisch-römischen Welt waren Theateraufführungen ursprünglich religiöse Zeremonien zu Ehren des Dionysos, und diese sakrale Dimension blieb über die Antike hinweg erhalten.

  • Bürgerliche Funktionen: Römische Theater dienten als Schauplatz öffentlicher Versammlungen, politischer Reden und kaiserlicher Bekanntmachungen. Das Theater von Prusias ad Hypium beherbergte vermutlich Stadtratssitzungen und diente als Ort, an dem die Stadtführung sich an die Öffentlichkeit wandte.

Der Wohltäter M. Iulius Proklos

Die Identifikation von M. Iulius Proklos als Stifter des Theaters ist für das Verständnis der römischen Bürgerkultur bedeutsam. Im römischen Euergetismus-System (öffentliche Wohltätigkeit) finanzierten wohlhabende Bürger im Tausch gegen Ehre und sozialen Status öffentliche Bauten. Proklos' Entscheidung, eine reich verzierte scaenae frons mit Reliefplatten und Porträtstatuen zu finanzieren, war zugleich eine großzügige Tat und ein Statusdemonstration.

Der Name kombiniert ein römisches Doppelnamen-Muster (Marcus Iulius) mit einem griechischen Cognomen (Proklos) und spiegelt die zweikulturelle Identität der bithynischen Elite unter römischer Herrschaft wider — griechische Kulturtraditionen wurden beibehalten, während römische politische Namenskonventionen übernommen wurden.

Die Porträtbüste, die wahrscheinlich Proklos selbst darstellt, wurde prominent im Theater ausgestellt und erinnerte jeden Zuschauer an seine Wohltätigkeit. Die Praxis, Stifter in öffentlichen Bauten durch Porträts zu ehren, war das Fundament des römischen Bürgerwesens und half dabei, private Vermögen zur öffentlichen Infrastruktur fließen zu lassen.

Römisches Aquädukt und städtisches Wassersystem

Eines der weniger bekannten, aber kritisch wichtigen Merkmale von Prusias ad Hypium ist die römerzeitliche Wassermanagementinfrastruktur. Die Lage der Stadt im gut bewässerten Tal zwischen Bergbächen bot natürliche Vorteile, doch die städtische Bevölkerung und öffentliche Anlagen — insbesondere der Thermenkomplex und die Brunnen — erforderten eine ingenieurmäßige Wasserversorgung.

Aquädukt-Ingenieurwesen

Archäologische Untersuchungen identifizierten Abschnitte eines römischen Aquädukts, das Wasser von Bergquellen südlich der Stadt ins Stadtzentrum brachte. Das Aquädukt verwendete eine Kombination aus offenen Kanälen, geschlossenen Rohren und steinernen Rohrabschnitten, um einen gleichmäßigen Fluss über das wechselnde Gelände zu gewährleisten. Bei den Grabungen am Theater gefundene Tonrohrfragmente lassen ein Verteilungsnetz zu einzelnen Gebäuden vermuten.

Wasserbedarf des Thermenkomplexes

Die römische Therme in Prusias ad Hypium benötigte für ihre heißen, lauwarmen und kalten Räume enorme Wassermengen. Das Hypokausten-Heizsystem verbrauchte viel Brennstoff (üblicherweise Holz aus den umliegenden Wäldern), und das Drainagesystem der Therme leitete das Brauchwasser in die städtische Kanalisation ab. Der Thermenkomplex stellt daher nicht nur eine soziale Annehmlichkeit dar, sondern eine fortschrittliche Ingenieurleistung, die Wasserversorgung, Heizung und Entwässerung integrierte.

Öffentliche Brunnen und Nymphäen

Monumentale Brunnen (Nymphäen) waren Standardelemente römischer Städte und erfüllten sowohl praktische als auch zeremonielle Funktionen. In Prusias ad Hypium wurden Brunnenreste in der Nähe der wichtigsten öffentlichen Bereiche identifiziert; sie versorgten die städtische Bevölkerung mit Trink-, Koch- und Reinigungswasser und waren zugleich Ausdruck bürgerlichen Stolzes und kaiserlicher Loyalität.

Städtisches Gewebe und Stadtplanung

Prusias ad Hypium war nach dem hippodamischen Rastergrundriss geplant, bei dem die Straßen sich rechtwinklig kreuzen. Dieses für hellenistisch geplante Städte charakteristische geordnete Gewebe gliederte den städtischen Raum in funktionale Zonen:

  • Bürgerzentrum: Agora, Bouleuterion und Verwaltungsbauten befanden sich im Stadtherz.
  • Unterhaltungsbereich: Das Theater mit 10.000 Plätzen beherrschte den westlichen Hang.
  • Handelszonen: Von Geschäften flankierte Straßen verbanden die Agora mit den Wohnvierteln.
  • Heilige Bezirke: Tempel und Kultareale waren an markanten Stellen platziert.
  • Wohnviertel: Privathäuser erstreckten sich auf den sanfter geneigten Hängen.
  • Industrielle Bereiche: Werkstätten und Produktionsanlagen befanden sich am Stadtrand.

Das Rastermuster wurde durch geophysikalische Untersuchungen bestätigt, die unter der modernen Landschaft die Umrisse zahlreicher noch nicht ausgegrabener Gebäude offenbarten. Diese Untersuchungen zeigen, dass nur ein kleiner Teil der antiken Stadt heute ausgegraben ist und Jahrzehnte potenzieller Entdeckungen noch vor uns liegen.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Wikipedia DE: „Prusias ad Hypium"
  • UNESCO whc.unesco.org/de/
  • Kulturministerium der Republik Türkei
  • Deutsches Archäologisches Institut (DAI): dainst.org
  • Österreichisches Archäologisches Institut (ÖAI): oeai.at
  • Türkiye Today, „Apollon, Medusa und die Geheimnisse römischer Unterhaltung in Prusias ad Hypium"
  • Arkeonews, „Römerzeitliche tönerne Theaterkarte"
  • Hürriyet Daily News, „Drei römerzeitliche Artefakte in Düzce"
  • Heritage Daily, „Löwenmosaik in Prusias ad Hypium gefunden"
  • Greek City Times, „Römerzeitliche Artefakte in der hellenistischen Stadt Prusias ad Hypium"
  • Türkiye Today, „Versteckte Vorbereitungsräume im Theater von Prusias ad Hypium"
  • Anadolu Agency, „Theater mit 10.000 Plätzen freigelegt"
  • Archaeology Magazine, „Türkische Archäologen graben Theater von Prusias ad Hypium am Schwarzen Meer"
  • Daily Sabah, „Ephesos des Schwarzen Meeres wird ausgegraben"
  • Ancient Pages, „Antike Stadt Prusias ad Hypium und das 40-Stufen-Theater"
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Standortinformationen

Breitengrad:40.905500
Längengrad:31.148000
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