Bayrakli Hoyugu

Geburtsort Homers und Morgendämmerung griechischer Urbanität

18 Min. Lesezeit

Bayraklı Höyük, auch Tepekule oder Alt-Smyrna genannt, ist die früheste bekannte Siedlung der antiken Stadt Smyrna und einer der am längsten ununterbrochen besiedelten Plätze des Mittelmeerraums. Mit Siedlungsschichten, die bis in die Frühe Bronzezeit (um 3000 v. Chr.) zurückreichen, ist dieser bescheidene Stadthügel Schauplatz einiger der revolutionärsten Entdeckungen der ägäischen Archäologie: des frühesten bekannten griechischen Athena-Tempels (um 725–700 v. Chr.), eines der ersten Beispiele eines rechtwinkligen Stadtgrundrisses der Antike, mächtiger Lehmziegelmauern sowie Megaron-Häuser, die das Leben gewöhnlicher griechischer Bürger zur Zeit Homers erhellen. Die antike Überlieferung nennt Alt-Smyrna als Geburtsort Homers — und macht damit aus einem scheinbar schlichten Hügel eine der kulturell bedeutsamsten archäologischen Stätten der Türkei und der Menschheitsgeschichte überhaupt.

  1. Warum Alt-Smyrna bedeutsam ist
  2. Geografie und natürliche Umgebung
  3. Historischer Überblick
  4. Wichtigste Bauwerke
  5. Homer und Smyrna: die literarische Tradition
  6. Alyattes' Zerstörung: archäologische Belege
  7. Von Alt-Smyrna zu Neu-Smyrna
  8. Die Bedeutung des rechtwinkligen Grundrisses
  9. Archäologische Forschung
  10. Besucherinformationen
  11. Häufig gestellte Fragen
  12. Quellen und weiterführende Literatur

Warum Alt-Smyrna bedeutsam ist

Alt-Smyrna nimmt in der Archäologie des Mittelmeerraums eine einzigartige Stellung ein:

  • Homerische Tradition: Antike Autoren wie Strabon, Herodot und Pausanias weisen auf Smyrna als Geburtsort Homers hin. Träfe diese Überlieferung zu, so hätte der größte Dichter der westlichen Zivilisation Ilias und Odyssee in diesen Straßen und Häusern konzipiert. Sieben Städte erhoben Anspruch auf Homers Geburtsort; Smyrna war stets einer der stärksten Kandidaten.

  • Frühester bekannter griechischer Steintempel: Der in Bayraklı freigelegte Athena-Tempel (um 725–700 v. Chr.) ist der älteste bekannte griechische Tempel der östlichen Ägäis. Die Entdeckung durch Ekrem Akurgal in den 1960er Jahren hat das chronologische Verständnis der frühen monumentalen Sakralarchitektur der Griechen grundlegend verschoben und die Zeitachse griechischer Tempelarchitektur um Jahrzehnte zurückversetzt.

  • Vorreiter der Stadtplanung: Alt-Smyrna bietet einen der frühesten Belege eines rechtwinkligen Straßenrasters. Sie geht dem traditionell auf Hippodamos von Milet (5. Jh. v. Chr.) zurückgeführten System um mehr als ein Jahrhundert voraus. Dies zeigt, dass städteplanerische Konzepte in der östlichen Ägäis viel früher entstanden als bisher angenommen.

  • 5.000 Jahre ununterbrochene Besiedlung: Der Hügel enthält Siedlungsschichten von der Frühen Bronzezeit (um 3000 v. Chr.) bis in die klassische Zeit (5. Jh. v. Chr.). Diese kontinuierliche Aufzeichnung der anatolisch-ägäischen Kulturinteraktion umfasst Schichten, die mit Troja I–II zeitgleich sind.

  • Dramatische Zerstörungsphasen: Die Stadt wurde um 600 v. Chr. vom Lyderkönig Alyattes gewaltsam zerstört und 545 v. Chr. erneut von persischen Truppen verwüstet. Diese Zerstörungsschichten lieferten archäologische Daten, die zur Kalibrierung der archaischen ägäischen Chronologie beitrugen — Pfeilspitzen in den Mauern, Brandschichten und eingestürzte Türme zeugen physisch von der Belagerungstechnik.

Geografie und natürliche Umgebung

Bayraklı Höyük liegt im Stadtteil Bayraklı des heutigen Izmir, im Quartier Tepekule, rund 700 Meter landeinwärts vom heutigen Küstenverlauf. In der Antike bildete der Hügel eine kleine, in den Golf von Izmir vorgeschobene Halbinsel oder Insel und bot natürliche Hafenfunktionen und Verteidigungsvorteile.

MerkmalInformation
Koordinaten38,46° N, 27,17° O
Hügelmaßerund 130 × 100 m
Höhe10–15 m über der Umgebung
Heutiger StadtteilBayraklı, Großraum Izmir
Nächster BezugspunktIZBAN-Station Bayraklı (1 km)
Antike KüstenlinieDer Hügel lag ursprünglich direkt am Meer; Schwemmablagerungen verlagerten die Küste nach Norden

Der geologische und topografische Kontext ist für das Verständnis Alt-Smyrnas entscheidend. Der Hügel sitzt auf einer natürlichen Felserhebung, die bei abweichenden Meeresspiegeln und Sedimentationsmustern eine verteidigbare Vorspringende bildete. Flüsse der Ebene von Bornova lagerten Sedimente ab, die den antiken Hafen allmählich verfüllten und damit erklären, warum die Stätte heute landeingeschlossen wirkt.

Das mediterrane Klima vor Ort ist warm und trocken in den Sommermonaten (Juli–August oft über 35 °C) sowie mild und regnerisch in den Wintermonaten. Heute wird der Hügel von modernen Wohnblöcken und Stadtinfrastruktur umrahmt — ein dramatischer Kontrast zur antiken Umgebung.

Anreise aus dem DACH-Raum: Izmir Adnan Menderes wird aus Frankfurt, München, Wien und Zürich mit Direktflügen bedient.

Historischer Überblick

Frühe Bronzezeit (um 3000–2000 v. Chr.)

Die frühesten Siedlungsspuren Bayraklıs datieren ins 3. Jahrtausend v. Chr. — zeitgleich mit den großen bronzezeitlichen Zivilisationen Troja I–II, der Kykladen und des minoischen Kreta. Diese ersten Siedler waren vermutlich indigene anatolische Bevölkerungen, die von Fischfang, Landwirtschaft und Küstenhandel lebten. Keramikbelege zeigen Verbindungen sowohl zu inneranatolischen als auch zu inselägäischen Traditionen.

Mittlere und Späte Bronzezeit (um 2000–1200 v. Chr.)

Die Besiedlung setzte sich durchs gesamte 2. Jahrtausend fort. Einige Forschende haben mögliche Verbindungen zu den äolisch-griechischen Wanderungen untersucht, die traditionell ans Ende der Bronzezeit datiert werden. In dieser Phase werden Anzeichen kulturellen Übergangs sichtbar.

Protogeometrische und geometrische Zeit (um 1050–700 v. Chr.)

Nach dem Zusammenbruch der Bronzezeit trat Smyrna mit ausgeprägt äolisch-griechischem Charakter erneut hervor. Diese Schichten enthalten die reichsten Funde der Stätte:

  • Megaronhäuser mit zentralem Herd, in regelmäßigen Reihen errichtet
  • Der erste Athena-Tempel entstand um 725–700 v. Chr. — der älteste bekannte griechische Tempel der östlichen Ägäis
  • Die Bevölkerung soll in der Blütezeit auf 500–600 Häuser und rund 3.000 Einwohner angestiegen sein
  • Keramikbefunde umfassen feine geometrische Ware mit Bemalung

Die antike Überlieferung, Homer sei in Smyrna geboren, verweist auf diese Zeit (Homer wird gewöhnlich ins 8. Jh. v. Chr. datiert). Sollte Homer tatsächlich Ilias und Odyssee hier komponiert haben, dann bieten die Megaronhäuser Alt-Smyrnas den räumlichen Rahmen, in dem die größte Literatur der Menschheitsgeschichte entstand.

Archaische Zeit (um 700–546 v. Chr.)

Das 7. Jh. v. Chr. war das goldene Zeitalter Alt-Smyrnas. In dieser Zeit:

  • erweiterte sie den Athena-Tempel um einen fortgeschritteneren Steinbau (etwa 640–580 v. Chr.); zählt zu den ältesten monumentalen Tempeln der griechischen Welt
  • errichtete sie Lehmziegelmauern auf Steinfundamenten mit Wehrtürmen und einem monumentalen Tor — geschätzte Höhe 5–6 m
  • entwickelte sie ein rechtwinkliges Straßenraster mit standardisierten Wohnblöcken
  • baute sie ein monumentales Brunnenhaus zur Wasserversorgung der städtischen Bevölkerung
  • pflegte sie Fernhandel, wie Keramik aus Korinth, dem ostgriechischen Raum und der Levante belegt

Diesen Wohlstand beendete eine Katastrophe. Um 610–600 v. Chr. belagerte und zerstörte der Lyderkönig Alyattes (Vater des sagenhaften Kroisos) Alt-Smyrna. Der Geograf Strabon überliefert, dass sich die Bevölkerung nach Alyattes' Angriff rund 400 Jahre auf dörfliche Siedlungen verteilte.

Persische Zerstörung (545 v. Chr.)

Die Erholung von der lydischen Attacke wurde durch die persische Eroberung Lydiens 546 v. Chr. unterbrochen. Alt-Smyrna wurde diesmal von den Truppen Kyros' II. verwüstet. Die Stätte erlangte ihren früheren städtischen Charakter nicht zurück.

Hellenistische Neugründung — Neu-Smyrna (um 300 v. Chr.)

Der Legende nach soll Alexander der Große beim Jagen am Berg Pagos eingeschlafen sein; im Traum forderten ihn die Göttinnen auf, Smyrna neu zu gründen. Seine Nachfolger Antigonos und später Lysimachos setzten die Vision um und gründeten um 300 v. Chr. das neue Smyrna am Kadifekale des heutigen Izmir (Berg Pagos). Der alte Hügel in Bayraklı wurde als urbanes Zentrum weitgehend aufgegeben.

Wichtigste Bauwerke

Athena-Tempel

Der Athena-Tempel ist die wichtigste archäologische Entdeckung des Hügels. Zwei Hauptphasen sind identifiziert:

  • Phase I (um 725–700 v. Chr.): kleiner Steintempel — der älteste bekannte griechische Tempel der östlichen Ägäis. Die Entdeckung durch Ekrem Akurgal in den 1960er Jahren hat die Zeitachse griechischer monumentaler Architektur um Jahrzehnte zurückversetzt und belegt, dass die ostgriechischen Städte architektonisch innovativ waren.
  • Phase II (um 640–580 v. Chr.): größerer und verfeinerter Neubau. Mit Pronaos (Vorhalle) und Cella (Innenraum) zählt diese Version zu den frühesten Beispielen entwickelter griechischer Tempelarchitektur.

Der Tempel bestätigt, dass Athena die Schutzgöttin Alt-Smyrnas war.

Stadtmauern und Stadttor

Alt-Smyrna verfügte über ein bemerkenswertes Verteidigungssystem:

  • Lehmziegelmauern auf Steinfundamenten, geschätzte Höhe 5–6 m
  • regelmäßige Wehrtürme entlang der Befestigung
  • ein monumentales Stadttor als Hauptzugang
  • ein Glacis (geneigte Verteidigungsfläche) an der Außenseite, um Belagerungsmaschinen das Erreichen der Mauer zu erschweren

Diese Befestigungen datieren überwiegend ins 7. Jh. v. Chr. und gehören zu den am besten dokumentierten archaisch-griechischen Verteidigungssystemen. Die lydische Belagerung hinterließ dramatische archäologische Spuren: in Mauerwerk eingebettete Pfeilspitzen, im Feuer gebrannte Lehmziegel und eingestürzte Turmpartien.

Megaronhäuser

Die Wohnarchitektur Alt-Smyrnas besteht hauptsächlich aus Megaronhäusern — rechteckigen Bauten mit Zentralherd, Vorhalle und einer Haupthalle:

  • in regelmäßigen Reihen entlang geplanter Straßen errichtet
  • aus Lehmziegeln auf Steinfundamenten
  • mit Innenmaßen von rund 4 × 8 m
  • durch zentrale Feuerstellen beheizt

Der Megaronplan gehört zur architektonischen Tradition, die auch die griechische Tempelarchitektur prägte, und öffnet ein einzigartiges Fenster in den Alltag der Griechen des 8.–7. Jh. v. Chr. In diesen Häusern aßen Familien, empfingen Gäste und zogen Kinder auf — vielleicht lebte auch Homer selbst in einem solchen Haus.

Monumentales Brunnenhaus

Das öffentliche Brunnenhaus zur Versorgung der Stadtbewohner mit Frischwasser zeugt von der zivilen Infrastruktur und der organisierten Daseinsvorsorgekapazität des archaischen Smyrna. Wasser wurde aus einer Quelle über Kanal herangeführt.

Rasterförmige Wohnviertel

Die geordnete Straßenanlage Alt-Smyrnas mit Häusern in groben Parallelreihen und Gassen dazwischen ist eines der frühesten Beispiele eines Proto-Rasters in der griechischen Welt.

Homer und Smyrna: die literarische Tradition

Der Geburtsort Homers war in der Antike umstritten. Ein berühmtes antikes Epigramm nennt sieben Städte:

Sieben Städte stritten nach Homers Tod um ihn: Smyrna, Chios, Kolophon, Ithaka, Pylos, Argos und Athen.

Von ihnen besaßen Smyrna und Chios die stärksten Traditionen. Der biografische Text Pseudo-Herodoteische Vita Homers verlegt Homers Geburt nach Smyrna und beschreibt seine Jugend am Meles-Fluss.

Plausibilität der Smyrna-Tradition

Die archäologischen Befunde aus Bayraklı stützen die Smyrna-Hypothese stark:

  • Chronologische Übereinstimmung: Alt-Smyrna war im 8. Jh. v. Chr. — der Zeit, in der Homer wirkte und seine Epen schuf — eine blühende, kulturell aktive griechische Stadt.
  • Kulturelle Raffinesse: Megaronhäuser, geordnetes Straßenraster, Athena-Tempel und importierte Keramik zeigen eine wohlhabende, international vernetzte Gemeinschaft — in einer solchen Umgebung lässt sich das Heranwachsen eines Dichters vom Format Homers plausibel verorten.
  • Äolisch-ionische Kulturmischung: Alt-Smyrna war ursprünglich eine äolische Siedlung und geriet später unter ionischen Einfluss. Homers Sprache mischt äolische und ionische Dialekte des Griechischen — vereinbar mit einem Dichter, der an dieser Kulturkreuzung aufwuchs.
  • Seefahrtskenntnis: Homers detaillierte Kenntnis von Schifffahrt, Häfen und Küstengeografie, besonders in der Odyssee, passt zu einer Kindheit in einer Hafenstadt wie Smyrna.

Auch wenn ein endgültiger Beweis fehlt, bleibt Alt-Smyrna der archäologisch stärkste Kandidat.

Alyattes' Zerstörung: archäologische Belege

Die lydische Zerstörung Alt-Smyrnas um 600 v. Chr. ist eines der am besten dokumentierten militärischen Ereignisse archaisch-griechischer Archäologie:

  • Brandschicht: dicke verkohlte Auffüllung über weite Bereiche des Hügels — Zeugnis flächendeckenden Brands
  • Pfeilspitzen in den Mauern: in den Lehmziegelmauern steckende Bronzepfeilspitzen — physischer Beleg des Belagerungsangriffs
  • Eingestürzte Mauern: Mauer- und Turmabschnitte zeigen schweren Einsturz im Sinne von Belagerungstechnik
  • Spuren eines Belagerungswalls: Hinweise auf an die Mauer gebaute Erdrampen — typische lydische und vorderasiatische Belagerungstechnik

Der Lyderkönig Alyattes (r. um 610–560 v. Chr.) war einer der aggressivsten Militärführer der ägäischen Welt des 7.–6. Jh. v. Chr. Sein Sohn Kroisos sollte sagenhaften Reichtum erlangen, aber 546 v. Chr. dem persischen König Kyros II. unterliegen.

Von Alt-Smyrna zu Neu-Smyrna

Nach der von Pausanias überlieferten Tradition soll Alexander der Große bei der Jagd am Berg Pagos (Kadifekale) nahe einem Nemesis-Heiligtum unter einer Platane eingeschlafen sein und im Traum von den Göttinnen den Auftrag erhalten haben, Smyrna neu zu gründen.

Seine Nachfolger Antigonos und Lysimachos gründeten um 300 v. Chr. Neu-Smyrna an den Hängen des Kadifekale. Neu-Smyrna entwickelte sich mit einer Einwohnerzahl von über 100.000 zu einer der größten und wohlhabendsten Städte des römischen Ostens und beanspruchte den Titel "Erste Stadt Asiens". Reste finden sich im Stadtzentrum des heutigen Izmir in der römischen Agora und in den Mauern des Kadifekale.

Die Bedeutung des rechtwinkligen Grundrisses

Das proto-rasterförmige Straßenraster Alt-Smyrnas hat weitreichende Bedeutung für die Geschichte der Stadtplanung:

  • Vor Hippodamos: Die traditionelle Erzählung sieht Hippodamos von Milet (5. Jh. v. Chr.) als "Vater der Stadtplanung". Alt-Smyrna zeigt, dass geordnete Straßenraster in der östlichen Ägäis mindestens zwei Jahrhunderte früher existierten.
  • Anatolische Wurzeln: Geplante Städte hatten in Anatolien tiefere Wurzeln; bronzezeitliche Orte wie Hattuša (hethitische Hauptstadt) weisen geplante Quartiere auf. Alt-Smyrna verkörpert möglicherweise eine Verbindung anatolischer Planungstraditionen mit griechischer Urbanität.
  • Soziale Folgen: Ein Raster impliziert zentrale Autorität, die Land systematisch verteilen kann, standardisierte Grundstücksgrößen als Spiegel sozialer Gleichheit oder Regulierung und kollektive bürgerliche Investitionen in die öffentliche Infrastruktur.

Archäologische Forschung

Die Forschungsgeschichte Bayraklıs ist herausragend:

  • 1930–1931: Erste Grabungen durch den österreichischen Archäologen Franz Miltner; Identifikation der Stätte als antikes Smyrna.
  • 1948–1951: Britisch-türkisches Gemeinschaftsprojekt unter John Manuel Cook (British School at Athens) und Ekrem Akurgal (Universität Ankara). Diese Kampagne erstellte die chronologische Rahmenstruktur und legte das Mauersystem frei.
  • 1966–1992: Ekrem Akurgal führte die Grabungen mit Fokus auf geometrische und archaische Besiedlung fort. Er entdeckte den Athena-Tempel und die geordneten Wohnviertel — eine Forschung, die das Verständnis der frühgriechischen Urbanität grundlegend veränderte. Seine Monografie Alt-Smyrna I: Wohnschichten und Athenatempel (1983) bleibt die Standardpublikation.
  • 2007 – heute: Im Rahmen des Projekts "Erbe für die Zukunft" des Kultur- und Tourismusministeriums werden erneut Grabungen rund um den Athena-Tempel und in den Nord- und Südbereichen des Hügels durchgeführt.
ForscherZeitBeitrag
Franz Miltner1930–1931Erstidentifikation und Grabung
John M. Cook1948–1951Stratigraphie, Mauerwerksanalyse
Ekrem Akurgal1948–1992Athena-Tempel, Megaronhäuser, Standardpublikation
Aktuelle türkische Teams2007 – heuteArbeiten um den Tempelbereich

Besucherinformationen

Lage und Anreise

InformationDetail
LageTepekule, Bezirk Bayraklı, Izmir
Entfernung zum Stadtzentrum (Konak)rund 8 km nördlich
Nächste ÖPNV-AnbindungIZBAN-Station Bayraklı (1 km Fußweg)
Mit dem Autoüber die Stadtautobahn Izmir; Beschilderung Bayraklı/Tepekule folgen
Parkplatzbegrenzt am Straßenrand nahe dem Hügel

Anreiseoptionen

  • Mit der IZBAN (S-Bahn): Aussteigen an der Station Bayraklı, dann rund 1 km nach Osten ins Quartier Tepekule. Die praktischste ÖPNV-Variante.
  • Mit Metro/Bus: Izmirer Metro- und Buslinien bedienen das Gebiet von Bayraklı; nach Tepekule lokal weiterfragen.
  • Mit dem Auto/Taxi: Von Konak entlang der Küstenstraße am Golf nordwärts. Der Hügel liegt im Wohnquartier Tepekule.
  • Zu Fuß: für Übernachtungen in Bayraklı oder Bornova in Gehweite.
  • Direktflüge aus dem DACH-Raum: Izmir Adnan Menderes wird ab Frankfurt, München, Wien und Zürich direkt angeflogen.

Besuchsdauer

  • Kurzbesuch: 30–45 Minuten (Hügel umrunden, Hauptgrabungsbereiche besichtigen)
  • Standardbesuch: 1–1,5 Stunden (Tempelareal, Mauern und Schautafeln sorgfältig studieren)
  • Kombiniert mit Izmirer Museen: zusätzlich 2–3 Stunden für das Archäologische Museum Izmir und das Open-Air-Museum der Agora

Beste Reisezeit

  • Frühling (März–Mai): mild, ideal für Spaziergänge im Freien
  • Herbst (September–November): angenehme Temperaturen, geringere Luftfeuchtigkeit
  • Sommer: sehr heiß; früh morgens oder spätnachmittags besuchen
  • Winter: mild, aber regnerisch; dennoch zugänglich

Weitere Orte in der Nähe

  • Archäologisches Museum Izmir (Konak): Keramik, Figurinen und Architekturteile aus den Grabungen Alt-Smyrnas. Unverzichtbarer Begleitbesuch.
  • Agora von Smyrna (Konak): Die römische Agora von "Neu-Smyrna", rund 8 km südlich — nach dem Erdbeben 178 unter Marcus Aurelius wiedererrichtet.
  • Kadifekale (Berg Pagos): Hellenistisch-römische Festung, an der Lysimachos Neu-Smyrna gründete. Spektakulärer Aussichtspunkt über Izmir.
  • Ephesos: 80 km südlich, die berühmteste antike Stätte der türkischen Westküste — Vergleich von Größe und Erhaltungszustand.

Praktische Hinweise

  • Die Stätte liegt in einem Wohnquartier; Anwohner respektieren
  • Bequeme Wanderschuhe; uneben
  • Im Sommer Wasser und Sonnenschutz mitbringen
  • In aktiven Grabungssaisons können eingeschränkte Besuchszeiten gelten — vorab informieren
  • Fotografieren in der Regel erlaubt
  • Keine Café- oder Souvenirshop-Einrichtungen vor Ort; im umliegenden Stadtteil Bayraklı vorhanden
  • Die Stätte ist kompakt und für die meisten Fitnessniveaus geeignet
  • Besuchen Sie das Archäologische Museum Izmir möglichst vor dem Besuch der Stätte — es erleichtert die Interpretation

Häufig gestellte Fragen

Wurde Homer wirklich in Alt-Smyrna geboren?

Sieben antike Städte beanspruchten Homers Geburtsort, doch Smyrna besitzt eine der stärksten Traditionen. Mehrere antike Quellen, darunter Strabon und die Pseudo-Herodoteische Vita Homers, verlegen die Geburt hierher. Ein endgültiger Beweis ist unmöglich, doch die archäologischen Befunde zeigen, dass Alt-Smyrna im 8. Jh. v. Chr. eine blühende, kulturell raffinierte griechische Stadt war — genau in der Zeit, in der Homer seine Epen schuf.

Warum ist der Athena-Tempel so wichtig?

Der Tempel Phase I in Bayraklı (um 725–700 v. Chr.) ist der älteste bekannte griechische Steintempel der östlichen Ägäis. Vor dieser Entdeckung gingen Forschende davon aus, dass monumentale griechische Tempelarchitektur später begonnen habe und primär aus dem griechischen Mutterland stammte. Der Tempel von Bayraklı hat die Zeitachse zurückgesetzt und belegt die architektonische Innovationskraft ostgriechischer Städte.

Warum zerstörten die Lyder Smyrna?

Der Lyderkönig Alyattes verfolgte eine expansive Politik entlang der ägäischen Küste. Als wohlhabende und unabhängige griechische Stadt geriet Alt-Smyrna ins Visier. Die Belagerung und Zerstörung um 600 v. Chr. zerstreute die Bevölkerung und beendete die städtische Existenz. Archäologische Befunde — eingebettete Pfeilspitzen, Brandschichten, eingestürzte Türme — bestätigen die Härte der Zerstörung.

Wohin verlegte sich Neu-Smyrna?

Um 300 v. Chr. gründeten die Nachfolger Alexanders Smyrna am Kadifekale neu. Dieses "Neu-Smyrna" zählte mit über 100.000 Einwohnern zu den bedeutendsten Städten des römischen Ostens. Im heutigen Zentrum Izmirs sind die römische Agora und das Kadifekale erhalten.

Ist die Stätte gut erhalten?

Der Hügel steht unter städtischem Druck, da das moderne Bayraklı die Stätte umschließt. Doch sind die freigelegten Bereiche geschützt und gepflegt. Tempelfundamente, Mauerlinien und stratigraphische Schnitte sind sichtbar.

Kann ich Objekte aus Alt-Smyrna sehen?

Ja. Das Archäologische Museum Izmir in Konak zeigt Keramik, Figurinen, Architekturteile und weitere Funde aus den Grabungen in Bayraklı.

Architektonische Maße und numerische Daten

Die Bauten von Bayraklı Höyük sind durch systematische Messkampagnen detailliert dokumentiert. Die folgende Tabelle fasst die Maße und technischen Eigenschaften der wichtigsten Strukturen zusammen:

Bauwerk / ElementMaß / WertDatierungAnmerkung
Gesamtmaße des Hügels130 × 100 malle Epochen10–15 m über der Umgebung
Athena-Tempel Phase Ica. 6,5 × 4 m (Cella)725–700 v. Chr.Antenplan; Andesitfundamente
Athena-Tempel Phase II11 × 15 äolischer Säulenperistyl640–580 v. Chr.weiterentwickelter Plan mit Pronaos und Cella
Megaronhaus, Standardmaß4 × 8 m (innen)8.–7. Jh. v. Chr.ein Raum, Zentralherd
Doppel-Megaronhaus5 angrenzende Räume, 2 Geschosse650–600 v. Chr.ältestes bekanntes mehrräumiges Zweigeschossbauwerk
Lehmziegelmauer-Stärke4–5 m7. Jh. v. Chr.Lehm auf Steinfundament
Geschätzte Mauerhöhe5–6 m7. Jh. v. Chr.mit Wehrtürmen
Glacis (Verteidigungsböschung)ca. 15–20 m breit7. Jh. v. Chr.außenseitig geneigte Schüttung
Stadtbevölkerung (Zenit)500–600 Häuser, ~3.000 Personen7. Jh. v. Chr.geometrische und frühe archaische Zeit

Die Rekonstruktion der Phase II des Athena-Tempels ist in der 1998 erschienenen Arbeit Old Smyrna Excavations: The Temples of Athena von R. V. Nicholls detailliert dargestellt. Die Peristyl-Konfiguration mit 11 × 15 Säulen äolischer Ordnung verleiht dem Bau eine einzigartige Stellung in der äolisch-griechischen Architekturtradition.

Münzen und numismatische Befunde

Obwohl die eigenständige Münzprägung Alt-Smyrnas begrenzt war, liefern die Funde wichtige Daten zu Handelsbeziehungen und Chronologie:

  • Spätantiker Münzhort: Bei den Grabungen nach 2007 wurden in einem spätantiken Viertel an den südlichen Terrassen rund 2.000 Münzen gefunden. Sie deuten an, dass das Viertel zwischen 425 und 450 n. Chr. durch einen Brand zerstört wurde.
  • Lydische Münzen: Elektron- und Silbermünzfragmente aus der Zeit von Alyattes und Kroisos wurden in den Zerstörungsschichten des 7.–6. Jh. v. Chr. gefunden — chronologisch passend zur Zerstörung.
  • Münzen Neu-Smyrnas: Hellenistische und römische Münzen Smyrnas zeigen häufig Kybele, einen Homer-Kopf und eine Amazone; sie werden im Archäologischen Museum Izmir präsentiert. Die Münzen mit Homer-Kopf bestätigen die Bindung der antiken Tradition an die Stadt.
  • Importmünzen: Münzen aus Korinth, Athen und verschiedenen Städten Ioniens belegen das weitreichende Handelsnetz der Stadt im 8.–6. Jh. v. Chr.
MünztypEpocheFundortBedeutung
Lydische Elektron-Stater-Fragmente7.–6. Jh. v. Chr.Zerstörungsschichtchronologische Übereinstimmung mit der Alyattes-Belagerung
Spätantike Bronzemünzen4.–5. Jh. n. Chr.Südterrassenvierteldatieren die Aufgabe des Viertels
Smyrna-Münzen mit Homerkopf2. Jh. v. Chr. – 2. Jh. n. Chr.verschiedenebelegen die Bindung der Stadt an die homerische Tradition

Silberhort und Handel der Frühen Bronzezeit

In der Grabungssaison 2019 wurde in der frühbronzezeitlichen Schicht von Bayraklı Höyük eine außergewöhnliche Entdeckung gemacht: ein in einem Keramikgefäß verborgener Silberschmuckhort. Er enthielt Armreife, Ringe und Schmuckfragmente aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. und ist ein seltener Beleg frühbronzezeitlicher Metallverarbeitung in Westanatolien.

In denselben Saisons wurden in den frühesten Schichten Keramikgefäße geborgen, die auf eine etwa 5.000-jährige Geschichte hinweisen und zeigen, dass die Region in der frühbronzezeitlichen Handelswelt ein aufstrebendes Zentrum war. Diese Keramik trägt Herstellungstechniken, die mit Troja I–II, den Kykladen und Kreta zeitgleich sind.

Radiokarbon-Datierungen (C14), 2024 in der Zeitschrift für Izmir-Studien veröffentlicht, lieferten eine präzise chronologische Rahmenstruktur für die Stratigraphie des 3. Jahrtausends v. Chr. Die früheste Siedlungsschicht datiert demnach in die Zeit zwischen 3000 und 2800 v. Chr.

Forschungen zur grauen Keramik

Die in Bayraklı Höyük geborgene graue Keramik spielt eine entscheidende Rolle für das Verständnis der kulturellen Interaktion zwischen Ägäis und Anatolien. Die graue Ware (grey ware) spiegelt sowohl westanatolische Lokaltraditionen als auch frühe griechische Keramikstile wider und liefert materielle Belege für den kulturellen Übergangsprozess.

Forschungen zu dieser Keramikgruppe arbeiten systematisch Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen ägäischen protogeometrischen und geometrischen Produktionstechniken einerseits und anatolischen Lokaltraditionen andererseits heraus. Tonzusammensetzung und Brenntechniken erlauben es, einheimische Produktion und Importe zu unterscheiden.

Spätantikes Viertel (4.–5. Jh. n. Chr.)

In den Grabungen nach 2007 wurde im südlichen Terrassenbereich ein spätantikes Viertel freigelegt, das die Nutzung Bayraklıs in römischer und frühbyzantinischer Zeit dokumentiert. In diesem Viertel wurden identifiziert:

  • ein kleines Bad (Balneum)
  • ein Peristylhaus (Atriumvilla)
  • eine Basilika
  • verschiedene Wohngebäude

Die rund 2.000 Münzen und weiteren Funde aus diesen Bauten zeigen, dass das Viertel um 425–450 n. Chr. bei einem Brand aufgegeben wurde. Dieses Datum fällt in den allgemeinen Niedergang der westlichen Provinzen des Spätrömischen Reichs.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Akurgal, E.: Alt-Smyrna I: Wohnschichten und Athenatempel. Ankara: Türk Tarih Kurumu, 1983.
  • Cook, J. M.: "Old Smyrna, 1948–1951." Annual of the British School at Athens 53/54, 1958/59.
  • Cook, J. M. und Nicholls, R. V.: "Old Smyrna Excavations: The Temples of Athena." BSA Supplement, 1998.
  • Wikipedia DE: Smyrna
  • Wikipedia EN: Old Smyrna
  • Türkisches Kultur- und Tourismusministerium — Bayraklı-Tepekule/Smyrna
  • Deutsches Archäologisches Institut (DAI): dainst.org — Ionien-Forschungsprojekte
  • Österreichisches Archäologisches Institut (ÖAI): oeai.at — Anatolien
  • Aktüel Arkeoloji — "Alt-Smyrna in Bayraklı"
  • Visit Izmir — Alt-Smyrna
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Standortinformationen

Breitengrad:38.463428
Längengrad:27.170352
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