Kadyanda (auch Cadianda; lykischer Name: Kadawanti) ist eine antike lykische Stadt im Südwesten der Türkei, gelegen auf einer kiefernbewaldeten Hügelkuppe nahe dem Ort Üzümlü (Yeşilüzümlü) im Landkreis Fethiye der Provinz Muğla. Mit Siedlungsspuren, die bis ins Jahr 3000 v. Chr. zurückreichen, gehört Kadyanda zu den ältesten Siedlungsplätzen der Region. Unter den lykischen Städten fällt sie besonders durch ihr Stadion sowie durch zahlreiche agonistische Inschriften auf, die regelmäßig veranstaltete athletische Wettkämpfe dokumentieren. Die offene Arena des Stadions besitzt eine 9 Meter breite und über 90 Meter lange ebene Laufbahn mit sechs Sitzreihen auf einer Seite — ein deutliches Zeichen dafür, dass die Stadt erhebliche Mittel in die Ausrichtung offizieller Spiele investierte. In einer Höhe von etwa 700–800 m thront Kadyanda über dem Golf von Fethiye und den umliegenden Kiefernbergen und gehört damit zu den landschaftlich eindrucksvollsten antiken Stätten Lykiens. Die ersten offiziellen Grabungen wurden 2022 aufgenommen und schlagen damit ein neues Kapitel in der archäologischen Erforschung der Stadt auf.
- Warum Kadyanda bedeutsam ist
- Geografie und Lage
- Historischer Verlauf
- Wichtigste Bauwerke und Denkmäler
- Archäologische Forschungen
- Besucherinformationen
- Häufig gestellte Fragen
- Quellen und weiterführende Literatur
Warum Kadyanda bedeutsam ist
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Eine der wenigen lykischen Städte mit Stadion. Während Theater in Lykien weit verbreitet waren, sind Stadien ausgesprochen selten. Das einseitige Stadion von Kadyanda — mit sechs Sitzreihen entlang einer Längsseite, 9 m breit und über 90 m lang — belegt eindrucksvoll, dass hier offizielle athletische Wettkämpfe stattfanden. Zahlreiche agonistische Inschriften im Stadionbereich bestätigen, dass diese Spiele ein prestigeträchtiges und regelmäßiges Ereignis waren.
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Berühmt für athletische Spiele. Antike Inschriften halten die Bekanntheit Kadyandas für seine Wettkämpfe fest. In einer Zeit, in der die Ausrichtung von Spielen politisches Prestige verlieh und Besucher anzog, hob dieser Ruhm die Stadt weit über ihre bescheidene Größe hinaus.
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Außergewöhnliche Panoramalage. Der Blick von Kadyanda auf den Golf von Fethiye und das Taurusgebirge zählt zu den schönsten Aussichten, die man von einer antiken Stätte in der Türkei aus genießen kann. Die oberen Sitzreihen des Theaters bieten ein grandioses Panorama auf die nach Süden glitzernde Bucht.
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Tiefe chronologische Schichten. Belege weisen auf eine menschliche Besiedlung seit etwa 3000 v. Chr. hin. Damit zählt Kadyanda zu den am längsten kontinuierlich besiedelten Plätzen der Region Fethiye und besitzt eine geschichtete archäologische Bedeutung, die von der Bronzezeit bis in die byzantinische Epoche reicht.
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Mitglied des Lykischen Bundes. Kadyanda war im Hellenismus und in der Kaiserzeit ein stimmberechtigtes Mitglied des Lykischen Bundes. Diese föderale Verfassungsstruktur wurde von Montesquieu sowie den amerikanischen Gründervätern als Modell republikanischer Verwaltung studiert.
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Reiches Bestattungserbe. Die Nekropole birgt lykische Felsgräber mit kunstvollen Reliefs, darunter Bankettszenen, berittene Krieger im Kampf gegen Feinde sowie lykische Inschriften — etwa die bedeutende Inschrift TL 33 am Grab des Uzebeiimi.
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Neue Grabungsära. Die 2022 begonnenen und 2023 fortgesetzten ersten offiziellen Ausgrabungen liefern Funde, die das Verständnis der Stadt aktiv neu formen.
Geografie und Lage
Kadyanda liegt südlich des modernen Ortes Üzümlü (Yeşilüzümlü) auf einer hoch aufragenden, kiefernbewaldeten Bergkuppe. Auf einer Höhe von rund 700–800 m über dem Meeresspiegel eröffnet sich von hier ein Rundblick in alle Richtungen, insbesondere nach Süden über den Golf von Fethiye und das Mittelmeer.
Die umgebende Landschaft trägt den typischen lykischen Hochland-Charakter: dichter Kiefernwald, felsige Kalksteinausläufer, saisonale Wildblumenwiesen und in die Hänge geschnittene antike Anbauterrassen. Die Luft ist hier deutlich kühler und klarer als unten in Fethiye, was die Höhenlage gerade im Sommer besonders reizvoll macht.
Geografische Eckdaten:
- Provinz: Muğla
- Landkreis: Fethiye
- Nächster Ort: Üzümlü / Yeşilüzümlü (ca. 3 km)
- Nächste Stadt: Fethiye (ca. 25 km)
- Höhenlage: ca. 700–800 m
- Aussicht: Panorama über den Golf von Fethiye
- Lykischer Name: Kadawanti
Die Bergsiedlungslage erfüllte zwei Funktionen: militärische Verteidigung (Sichtachsen sowie Kontrolle der Zugangswege ins Hinterland) und symbolische Dominanz (sichtbare Präsenz der Stadt über Landschaft und Seewegen). Die Kiefernwälder, die heute die Ruinen umgeben, dürften auch in der Antike vorhanden gewesen sein und Holz, Harz sowie Schutz geliefert haben. Wasserknappheit blieb eine ständige Herausforderung, der mit dem entwickelten Zisternensystem unter dem Stadion begegnet wurde.
Schon der Anstieg durch den duftenden Kiefernwald, bei dem die antiken Mauern allmählich zwischen den Bäumen hervortreten, gehört zu den eigenen Reizen eines Besuchs in Kadyanda.
Historischer Verlauf
Bronzezeitliche Besiedlung (ca. 3000–1200 v. Chr.)
Archäologische Befunde zeigen, dass der Hügel von Kadyanda bereits um 3000 v. Chr. besiedelt war. Auch wenn die bronzezeitlichen Spuren nicht monumental sind, dokumentiert die frühe Besiedlung, dass die strategischen und visuellen Vorteile dieser Höhenlage seit den frühesten Phasen der anatolischen Besiedlungsgeschichte erkannt wurden.
Lykische Periode (ca. 5.–4. Jh. v. Chr.)
Im 5. Jahrhundert v. Chr. tritt Kadyanda als lykische Stadt in die historische Überlieferung ein. Der lykische Name Kadawanti erscheint in lykischen Inschriften. In dieser Phase war die Stadt Teil der weiteren lykischen Kulturwelt und teilte mit ihren Nachbarstädten Bestattungstraditionen (Felsgräber, Sarkophage), Sprache und politische Strukturen. In diese Epoche datieren die wichtigsten monumentalen Gräber des Dynastenzeitalters mit ihren Reliefs und lykischen Inschriften — darunter die berühmte Inschrift TL 33 zu Ehren des Uzebeiimi.
Erste europäische Erfassung (1840)
Der britische Forscher Charles Fellows identifizierte Kadyanda 1840 während seiner Lykien-Expedition zum ersten Mal. Er hielt die beherrschende Höhenlage und das Ausmaß der erhaltenen Ruinen fest und machte die Stätte damit der europäischen Wissenschaft bekannt.
Hellenismus (3.–1. Jh. v. Chr.)
Unter hellenistischem Einfluss baute Kadyanda seine städtische Infrastruktur aus. Das Theater wird auf Grundlage architektonischer Analysen in das späte 2. oder frühe 1. Jahrhundert v. Chr. datiert. Während die 20 Sitzreihen teilweise erhalten sind, ist das Bühnengebäude zerstört. Die Mitgliedschaft im Lykischen Bund verlieh der Stadt in dieser Phase eine Stimme in der regionalen Bundesverwaltung.
Römische Kaiserzeit (1. Jh. v. Chr. – 4. Jh. n. Chr.)
Die römische Herrschaft brachte einen weiteren Urbanisierungsschub. In diese Zeit fallen die Thermen, das Stadion und zivile Bauten. Die Inschriften zum athletischen Ruhm Kadyandas stammen aus der Kaiserzeit; die Spiele erreichten unter kaiserlichem Patronat ihren Höhepunkt. Die Agora wurde als wirtschaftlich-ziviles Herz der Stadt nahe dem Stadion ausgebaut.
Spätantike und Frühchristentum (4.–7. Jh. n. Chr.)
Kadyanda blieb auch in byzantinischer Zeit besiedelt. Christliche Kirchen wurden errichtet, frühere heidnische Bauten umgenutzt. Mit der Verschiebung der Bevölkerungsschwerpunkte an die Küste und dem Bedeutungsverlust der Höhensiedlung ging die Stadt allmählich zurück.
Wichtigste Bauwerke und Denkmäler
Stadion
Das Stadion ist das charakteristischste Bauwerk Kadyandas und einer der seltensten Bautypen unter den lykischen Städten. Das einseitige Stadion liegt nordwestlich des Theaters — die Zuschauerränge sind nur auf einer Längsseite angeordnet, die gegenüberliegende Seite öffnet sich zum Hang oder wird durch eine Stützmauer gehalten.
Eckdaten:
- Typ: Einseitig (Zuschauerränge nur auf einer Seite)
- Breite: 9 m
- Länge: über 90 m gerade Laufbahn
- Sitzplätze: sechs Reihen auf einer Seite
- Lage: Nordwestlich des Theaters
- Erhaltungszustand: Laufbahn und Sitzbereiche teilweise erhalten
- Inschriften: Zahlreiche agonistische Inschriften aus dem Stadionbereich bestätigen die regelmäßige Durchführung offizieller Wettkämpfe
- Zisternen unter dem Stadion: Unter dem östlichen Teil des Stadions befinden sich vier große, miteinander verbundene Zisternen — ein Beleg dafür, wie ernst die Wasserknappheit in dieser Bergstadt war
Die Existenz des Stadions bestätigt die epigraphischen Belege für die Berühmtheit Kadyandas als Schauplatz athletischer Spiele. In diesen Wettkämpfen wurden Lauf, Ringen, Boxen und vermutlich Pferderennen ausgetragen; sie zogen Athleten und Zuschauer aus ganz Lykien an und steigerten das Prestige der Stadt.
Theater
Das nach Süden ausgerichtete Theater liegt im südöstlichen Bereich der Stadt und wird in das späte 2. oder frühe 1. Jahrhundert v. Chr. (späthellenistisch) datiert. Es folgt dem typischen griechischen Theaterplan, wobei die Cavea in den natürlichen Hang eingeschnitten ist.
Eckdaten:
- Ausrichtung: Nach Süden
- Epoche: Späthellenismus
- Bauweise: Teils in den Hang eingeschnitten, teils aufgemauert
- Sitzreihen: 20 Reihen teilweise erhalten
- Bühnengebäude: Zerstört
- Aussicht: Großartiges Panorama von den oberen Rängen auf den Golf von Fethiye
- Reinigung: Teilfreilegung 1992
Die Lage des Theaters bietet eines der eindrucksvollsten Zuschauererlebnisse unter den lykischen Theatern. Vom oberen Rang aus blickten die Zuschauer über das Bühnengebäude hinweg auf das Glitzern des Golfs — eine bewusst gestaltete visuelle Einheit von Schauspiel und Landschaft.
Nekropole und Felsgräber
Kadyanda besitzt eine reiche Nekropole mit charakteristischen Beispielen lykischer Grabarchitektur. Die meisten Gräber an den Hängen sind lykische Felsgräber. Hervorzuheben sind:
- Gräber aus der Dynastenzeit mit kunstvollen Reliefs: An einem markanten Grab zeigt die Südseite eine auf der Kline (Speisesofa) ruhende Männergestalt, während die Nordseite einen berittenen, helmbewehrten Krieger im Kampf gegen Feinde darstellt — lebendige Szenen lykischer Eliteidentität.
- Lykische Inschriften, darunter der bedeutende Text TL 33 am Grab des Uzebeiimi; bis auf die Rückseite tragen alle Flächen Reliefs, begleitet von lykischen Namen.
- Charakteristisch lykische freistehende Sarkophage mit „Spitzbogen“-Deckeln, die Holzarchitektur nachahmen.
- Die Felsgräber und Inschriften zählen zu den frühesten datierbaren Funden der Stätte aus der Dynastenzeit.
Heroon (Monumentalgrab)
In Kadyanda hat sich ein Heroon erhalten — ein monumentales Grabgebäude zu Ehren eines Heros oder eines verdienten Bürgers. Heroa waren Prestigebauten, die den Status führender Familien proklamierten und oft als Fokus zivilen Rituals und kollektiver Erinnerung dienten.
Römische Thermen
Die kaiserzeitlichen Thermen (thermae) zeigen, dass Kadyanda das gesamte Spektrum römischer städtischer Annehmlichkeiten übernommen hatte. Das Bad erfüllte soziale, hygienische und Unterhaltungsfunktionen und bildete einen täglichen Treffpunkt der Bürgerschaft.
Agora
Die Agora bzw. der öffentliche Platz lag in der Nähe des Stadions. Als wirtschaftliches und ziviles Zentrum der Stadt war sie Schauplatz von Markt, Versammlungen und sozialer Interaktion.
Tempel
Über das Stadtgebiet verteilt wurden mehrere Tempel identifiziert, die das religiöse Leben verschiedener Epochen widerspiegeln. Diese Bauten erwarten eine weitergehende Erforschung im Rahmen des laufenden Grabungsprogramms.
Wasserinfrastruktur (Zisternen)
Eines der bedeutendsten ingenieurtechnischen Merkmale Kadyandas ist das System vier großer, miteinander verbundener Zisternen unter dem östlichen Teil des Stadions. Diese Zisternen verdeutlichen die Härte der Wasserknappheit in dieser Höhenlage und zugleich die ausgereiften Lösungen, die die Bewohner entwickelten. Für jede lykische Höhenstadt war die Wassergewinnung und ‑speicherung eine lebenswichtige Technologie — das System Kadyandas zählt zu den ausgefeiltesten bekannten Anlagen.
Archäologische Forschungen
1840: Charles Fellows identifiziert Kadyanda während seiner Lykien-Expedition und dokumentiert die wichtigsten Merkmale, darunter die beherrschende Höhenlage und das Ausmaß der Ruinen.
19.–20. Jahrhundert: Verschiedene Reisende und Gelehrte besuchen und dokumentieren die Stätte auf Grundlage der ersten Aufzeichnungen von Fellows. Die Princeton Encyclopedia of Classical Sites widmet Kadyanda einen eigenen Eintrag. Systematische Grabungen finden jedoch nicht statt.
1992: Teilfreilegung am Theaterbau; die Bauphasen, die 20 teilweise erhaltenen Sitzreihen und der allgemeine Erhaltungszustand des Theaters werden besser verstanden.
2022: In Kadyanda beginnen die ersten offiziellen Grabungen. Für eine seit knapp zwei Jahrhunderten bekannte, aber nie systematisch erforschte Stadt markiert dies einen Wendepunkt. Die Arbeiten erfolgen unter der Trägerschaft des Museums Fethiye.
2023: Die Grabungen werden fortgesetzt, mit Schwerpunkt auf Agora, Theater, Stadion, Thermenkomplex und Monumentalgräbern. Neue Funde versprechen, das Verständnis der städtischen Chronologie und der kulturellen Verflechtungen neu zu formen.
Aktueller Stand: Mit dem Beginn der Grabungen 2022–2023 ist Kadyanda heute ein aktives archäologisches Forschungsfeld. Die laufenden Arbeiten werden neue Erkenntnisse zum Stadtgrundriss, zur Beziehung zu anderen lykischen Städten und zu Einzelheiten der berühmten Athletentradition zutage fördern. Die Stätte ist für Besucher geöffnet, doch während aktiver Grabungssaisons können einzelne Bereiche eingeschränkt zugänglich sein.
Besucherinformationen
Anreise
Direktflüge aus der DACH-Region (Frankfurt, München, Wien, Zürich) führen nach Dalaman (DLM) — der nächstgelegene internationale Flughafen liegt rund 50 km von Fethiye entfernt. Von Fethiye aus fährt man etwa 25 km nach Norden in Richtung Üzümlü (Yeşilüzümlü). Von Üzümlü aus folgt man lokalen Hinweisschildern bis zur archäologischen Stätte Kadyanda. Der letzte Abschnitt erfordert eine mittelschwere Wanderung (etwa 20–30 Minuten) durch den Kiefernwald bergauf. Manche Besucher fahren ein Stück der Schotterpiste mit dem Auto hinauf, doch wer das volle Erlebnis sucht, sollte zu Fuß gehen — das allmähliche Hervortreten der antiken Mauern zwischen den Bäumen ist Teil des Reizes.
Beste Besuchszeit
- Frühling (März–Mai): Schönste Jahreszeit. Wildblumen bedecken den Waldboden, die Temperaturen sind ideal für Wanderungen, die Sicht auf den Golf ist klar.
- Herbst (September–November): Ausgezeichnete Bedingungen mit warmem Goldlicht und angenehmen Temperaturen.
- Sommer (Juni–August): Der Kiefernwald spendet Schatten, doch der Aufstieg kann in der Hitze anstrengend sein. Ein früher Vormittagsbesuch wird dringend empfohlen.
- Winter (Dezember–Februar): In der Regel zugänglich, aber feucht und kühl. Der Kiefernwald bietet einen gewissen Windschutz.
Ausrüstungsempfehlung
- Festes Wanderschuhwerk (steiler Aufstieg und felsige Ruinen erfordern Trittsicherheit)
- Mindestens 1,5 l Wasser pro Person (vor Ort keine Wasserquelle)
- Sonnenschutz (Hut, Sonnencreme)
- Picknickausstattung (die Stätte eignet sich hervorragend für ein Mittagessen mit Aussicht)
- Weitwinkelobjektiv (für das Golfpanorama)
- Fernglas (für ferne Aussichten)
- In den warmen Monaten Insektenschutz
Dauer
- Kurzbesuch: 1,5–2 Stunden (Theater, Stadion, wichtigste Aussichtspunkte)
- Ausführlicher Besuch: 3–4 Stunden (alle Denkmäler, Zisternen, Gräber, Erkundung des Umfelds)
- Foto-/Wanderbesuch: Halbtag (inklusive Anstieg und Nekropolen-Erkundung)
Empfohlene Route
- Beginnen Sie am Parkplatz mit dem Aufstieg durch den Kiefernwald. Achten Sie auf den Duft und auf die allmählich aus dem Wald auftauchenden antiken Mauern.
- Erreichen Sie als erstes größeres Bauwerk das Theater. Steigen Sie für das Panorama auf den Golf von Fethiye in die oberen Reihen.
- Gehen Sie nordwestlich zum Stadion und zur Agora. Begutachten Sie die 90 m lange Laufbahn und die sechs Sitzreihen.
- Steigen Sie zu den Zisternen unter der Ostpartie des Stadions hinab. Würdigen Sie die hydraulische Ingenieurleistung.
- Erkunden Sie Thermen und Heroon.
- Besuchen Sie die Felsgräber und Sarkophage am Hang — suchen Sie nach Bankettszenen und dem Reliefbild des berittenen Kriegers.
- Suchen Sie lykische Inschriften, insbesondere TL 33 am Grab des Uzebeiimi.
- Kehren Sie für letzte Fotos im wechselnden Tageslicht zum Theateraussichtspunkt zurück.
Umgebung
- Tlos: Bedeutende lykische Stadt mit osmanischer Burg, Felsgräbern und Stadion, etwa 20 km östlich.
- Museum Fethiye: Zeigt lykische Funde aus der Region, darunter Stücke aus Kadyanda.
- Felsgräber von Fethiye (Amintas-Grab): Monumentales lykisches Grab oberhalb des Stadtzentrums.
- Saklıkent-Schlucht: Eindrucksvolle Naturattraktion, etwa 30 km von Üzümlü.
- Letoon: Föderales Heiligtum des Lykischen Bundes, UNESCO-Welterbe, ca. 40 km südlich.
- Xanthos: Hauptstadt des antiken Lykien, UNESCO-Welterbe, an Letoon angrenzend.
- Kayaköy (Geisterdorf): Verlassenes griechisches Dorf, atmosphärischer historischer Ort, ca. 30 km südlich.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet „Kadawanti“?
Kadawanti ist der lykische Name der Stadt. Die genaue Bedeutung ist unter Lykisch-Linguisten umstritten; der Name gehört zu der von luwisch beeinflussten lykischen Namensgebungstradition, die viele Städte der Region prägt. Belegt ist er in lykischen Inschriften vor Ort.
Welche Bedeutung hat ein Stadion in einer lykischen Stadt?
Stadien sind in Lykien selten. Die meisten Städte besaßen ein Theater für Aufführungen und Versammlungen, aber nur wenige eine eigens athletische Anlage. Das Stadion zeigt, dass Kadyanda gezielt in Wettkampfspiele investierte — eine prestigeträchtige Aktivität, die Besucher anlockte, regionales Ansehen steigerte und im Lykischen Bund politisches Gewicht verlieh. Die zahlreichen agonistischen Inschriften aus dem Stadion bestätigen die Bedeutung dieser Spiele.
Was berichten die agonistischen Inschriften?
Die im Stadion gefundenen agonistischen Inschriften halten verschiedene Aspekte der in Kadyanda veranstalteten Wettkämpfe fest: Namen der Sieger, Disziplinen sowie die Stifter der Spiele. Sie sind die wichtigsten Belege für den athletischen Ruhm der Stadt.
Ist man bis zu den Ruinen mit dem Auto erreichbar?
Teilweise. Eine Schotterpiste führt bis zu einem Punkt am Hang, einige Fahrzeuge können näher an die Ruinen heranfahren. Der letzte Abschnitt aber muss durch den Kiefernwald zu Fuß bewältigt werden (etwa 20–30 Minuten). Der Aufstieg selbst gehört zum Erlebnis.
Geeignet für Kinder?
Ja, unter Aufsicht. Der Aufstieg durch den Kiefernwald ist angenehm und Kinder erkunden die Ruinen meist mit Begeisterung. Das Gelände ist allerdings uneben, und an manchen Gräbern gibt es steile Kanten. Enge Beaufsichtigung ist Pflicht.
Wie verhält sich Kadyanda zu Tlos?
Beide sind lykische Höhenstädte mit Stadion in der Nähe Fethiyes. Tlos ist größer, besitzt eine mittelalterliche osmanische Burg auf der Akropolis und ist stärker besucht und touristisch besser erschlossen. Kadyanda ist abgeschiedener, bietet eine wohl noch eindrucksvollere Aussicht auf den Golf von Fethiye und ein stilleres, intensiveres Erlebnis. Kadyanda spricht jene Reisenden an, die Ruhe und Atmosphäre dem Komfort vorziehen.
Was ist die Inschrift TL 33?
TL 33 ist die Katalognummer einer lykischen Inschrift an einem prominenten Felsgrab in Kadyanda. Sie hält fest, dass das Grab von oder für eine Person namens Uzebeiimi errichtet wurde. Außer auf der Rückseite tragen alle Seiten des Grabes Reliefs, begleitet von lykischen Namen. Es ist eines der bedeutendsten lykisch-epigraphischen Denkmäler der Stätte.
Verändern die Grabungen von 2022–2023 die Stätte?
Ja. Die unter der Trägerschaft des Museums Fethiye begonnenen offiziellen Grabungen führen zu neuen Funden, und einzelne Bereiche können während der Kampagne vorübergehend abgesperrt sein. Die Ausgrabungen bringen neue Bauten und Befunde ans Licht, die das Verständnis der Stadt neu prägen. Mittelfristig werden sie zu einem vertieften Verständnis und potenziell zu einer verbesserten Besucherinfrastruktur führen.
Architektonische Maße und technische Details
Die monumentalen Bauten Kadyandas spiegeln die typischen Eigenschaften einer mittelgroßen lykischen Stadt wider:
| Bauwerk | Maß | Merkmal |
|---|---|---|
| Stadion | 183 m Länge, 9 m Breite | 6 Sitzreihen auf der Nordseite; einseitig, lykischer Typ |
| Theater | ~50 m Durchmesser (geschätzt) | Hellenismus; an den Hang gelehnte Cavea |
| Therme | Kaiserzeit | Hypokaustenanlage vorhanden |
| Agora | Nahe Stadion | Verdichtungsraum öffentlicher Bauten |
| Tempel | Mehrere | Mindestens zwei Tempelfundamente identifiziert |
Details zum Stadion: Das 183 m lange Stadion ist eines der seltenen Beispiele in Lykien (die meisten lykischen Städte besitzen keines). An der Nordseite verläuft eine sechsstufige Sitzplattform, südlich diente der natürliche Hang als Zuschauerbereich. Die Existenz des Stadions belegt, dass Kadyanda als prestigeträchtige Stadt athletische Spiele ausrichtete.
Agonistische Inschriften: Die zahlreichen agonistischen (Wettkampf-)Inschriften aus dem Stadion liefern Einblick in die Vielfalt der ausgetragenen Spiele:
- Namen und Heimatstädte der Sieger
- Disziplinen (Lauf, Ringen, Boxen, Pankration)
- Stifter der Spiele (euergetai)
- Art und Höhe der Preise
Felsgräber und Nekropole
Das eindrucksvollste archäologische Element Kadyandas sind die in das 5. Jahrhundert v. Chr. datierten lykischen Felsgräber:
Grabtypen:
- Felsgräber des Hauses-Typs: Fassaden, die die hölzerne lykische Wohnarchitektur in Stein überführen
- Sarkophaggräber: Auf erhöhten Postamenten mit Bogendeckel
- Einfache Felsschachtgräber: Schlichtere, schmucklose Typen
Inschrift TL 33 (Katalognr.):
- Das bedeutendste lykisch-epigraphische Denkmal Kadyandas
- Hält fest, dass das Grab von/für eine Person namens Uzebeiimi errichtet wurde
- Reliefs auf drei Seiten (außer Rückseite), begleitet von lykischen Namen
- Primärquelle für die Erforschung der lykischen Sprache und Onomastik
Felsreliefs:
- Kampfszenen lykischer Adliger (5. Jh. v. Chr.)
- Berittene Krieger mit Lanze und Schild
- Bankettszenen als Hinweis auf den Glauben an ein Weiterleben
- Persisch beeinflusste Trachten und Waffen (achaimenidische Anbindung)
Grabungen 2022–2023 und neue Entdeckungen
Die 2022 unter der wissenschaftlichen Leitung von Dr. Şahin Gümüş (Muğla Sıtkı Koçman Universität, Archäologisches Institut) aufgenommenen offiziellen Grabungen verändern das Verständnis von Kadyanda grundlegend:
Grabungsbereiche (2022–2023):
- Südliche Nekropole: Freilegung und Dokumentation kaiserzeitlicher Gräber
- Hellenistisches Theater: Freilegung der Sitzreihen und des Bühnengebäudes
- Lykische Monumentalgräber des 5. Jh. v. Chr.: Restaurierung monumentaler Sarkophage und Felsgräber
Grabungsplan: Die Arbeiten begannen am 21. Juli 2022 mit einer Laufzeit von vier Monaten und werden jährlich fortgeführt.
Erwartete Ergebnisse:
- Klärung des Status der Stadt innerhalb des Lykischen Bundes
- Präzisierung der chronologischen Schichtung
- Ausbau der Besucherinfrastruktur (Informationstafeln, Rundwegführung)
- Aufdeckung neuer Bauten und Funde
Kadyanda und der Lykische Bund
Kadyanda war Mitglied des Lykischen Bundes (Lycian League), einer der frühesten demokratisch-föderalen Strukturen der antiken Welt:
- Stimmrecht: Vermutlich 1 Stimme (Kategorie kleinerer bis mittlerer Städte)
- Vergleich: Große Städte wie Xanthos, Patara, Pinara, Tlos verfügten jeweils über 3 Stimmen
- Rolle im Bund: Prestigeträchtige Ausrichterin athletischer Spiele, politisch jedoch begrenzt
- Münzprägung: Auf gemeinsamen Bundes-Münzen kann ein Münzzeichen Kadyandas erscheinen
Verhältnis zu Nachbarstädten:
| Stadt | Entfernung | Verhältnis |
|---|---|---|
| Tlos | ~15 km | Großer Rivale/Nachbar; 3 Stimmen |
| Pinara | ~20 km | Regionaler Handelspartner |
| Oinoanda | ~30 km | Im nördlichen Bergland; Heimat des Philosophen Diogenes |
| Araxa | ~10 km | Kleine Nachbarsiedlung |
Quellen und weiterführende Literatur
- Kadyanda — Wikipedia (DE)
- Cadyanda — Wikipedia (EN)
- Kulturministerium der Türkei — Kulturportal
- Kadyanda — Lycian Monuments Projekt
- Deutsches Archäologisches Institut (DAI)
- Österreichisches Archäologisches Institut (ÖAI)
- Kadyanda — Princeton Encyclopedia of Classical Sites
- Antikes Stadion von Kadyanda
- Fellows, C. A Journal Written during an Excursion in Asia Minor (1839)
- Bean, G. E. Lycian Turkey (London: Ernest Benn, 1978)