Hyllarima

Karische Bergstadt mit 2.400 Jahre alten Felsläden hinter mächtigen Mauern

13 Min. Lesezeit

Hyllarima liegt im bewaldeten Bergland des inneren Kariens, unweit der Kreisstadt Kavaklıdere in der Provinz Muğla. Die Siedlung gilt als eine der am besten erhaltenen karischen Bergstädte Anatoliens, ihre Wurzeln reichen bis ins 2. Jahrtausend v. Chr. zurück. Der Name ist luwisch-karischen Ursprungs und stellt Hyllarima damit in die Reihe der ältesten dokumentierten Ortsnamen Binnenkariens. Ein rund zwei Kilometer langer Befestigungsring, der streckenweise vier bis fünf Meter Höhe erreicht, schließt die hellenistischen und kaiserzeitlichen Bauten ein: ein marmornes Theater, ein Bouleuterion, ein Nymphäum sowie eine vor wenigen Jahren freigelegte Agora mit etwa 2.400 Jahre alten, in den Fels geschlagenen Ladeneinheiten. Hyllarima ist zugleich Typenfundort einer regionalen Variante des karischen Alphabets; die rund 30 dort entdeckten Inschriften zählen zu den wichtigsten Quellen der karischen Sprachforschung.

  1. Warum Hyllarima besondere Bedeutung hat
  2. Geographie und Lage
  3. Historische Chronologie
  4. Die wichtigsten Bauten
  5. Karische Sprache und die Inschriften von Hyllarima
  6. Archäologische Arbeiten
  7. Hyllarima im weiten karischen Landschaftsraum
  8. Besucherinformationen
  9. Häufig gestellte Fragen
  10. Quellen und weiterführende Literatur

Warum Hyllarima besondere Bedeutung hat

  1. Außergewöhnlicher Erhaltungszustand. Während zahllose antike Orte in Anatolien über Jahrhunderte hinweg durch Steinraub und Wiederverwendung dezimiert wurden, blieben in Hyllarima die Wehrmauern, das Theater, die zivilen Bauten und die Stadtgestalt in seltener Vollständigkeit erhalten. Die abgeschiedene Lage in den Bergen hat den Ort vor moderner Bautätigkeit, Steinbrüchen und intensiver Landwirtschaft bewahrt.

  2. Schlüsselrolle für die karische Epigraphik. Rund 30 Inschriften sind bislang bekannt, und Hyllarima fungiert als Typenfundort einer eigenen Variante des karischen Alphabets. Die hier entdeckte karisch-griechische Bilingue war für die Entzifferung dieser bis heute nur teilweise erschlossenen anatolischen Sprache von zentraler Bedeutung.

  3. Vorhellenischer Ortsname. Der Stadtname geht nachweislich auf eine luwisch-karische Wurzel zurück. Das Suffix „-rima" ist charakteristisch für vorgriechische Ortsnamen Westanatoliens und belegt eine indigene Besiedlung lange vor der hellenistischen Urbanisierung.

  4. 2.400 Jahre Handelstradition. Die jüngsten Grabungen brachten eine Agora mit in den Fels geschlagenen Läden zutage, die im 4. Jahrhundert v. Chr. eingerichtet und bis in die römische Kaiserzeit intensiv genutzt wurde. Es handelt sich um eine seltene Dokumentation kommerziellen Alltags im Hochland Kariens.

  5. Hochentwickelte Wasserwirtschaft. Ein sakral konnotiertes Nymphäum in Form eines „Tempelbrunnens" und ein nahezu in jedem Grabungsschnitt nachgewiesenes Netz von Wasserleitungen zeugen von einer stadtweit konsequent geplanten Hydrauliktechnik.

  6. Strategischer Sperrriegel. Hyllarima liegt auf einem markanten Felssporn und kontrollierte über Jahrhunderte hinweg die Verbindungen zwischen Hinterland und Küste. Der zwei Kilometer lange Mauerring belegt zugleich die Bauleistung einer kleinen, gut organisierten Berggemeinde.

Geographie und Lage

Hyllarima erstreckt sich auf einem bewaldeten Bergsporn im Verwaltungsgebiet von Kavaklıdere (Provinz Muğla). Der antike Stadtkern liegt im Bereich des heutigen Ortsteils Derebağ auf einem felsigen Plateau, das nach allen Seiten natürliche Verteidigungsvorteile bietet.

Kennzeichnend für das Gelände sind:

  • Eine Höhenlage zwischen rund 800 und 1.000 m, die weite Sichtbeziehungen über die umliegenden Täler und Bergketten ermöglicht.
  • Geschlossene Kiefern- und Eichenbestände, die das antike Mauerwerk weitgehend vor Erosion und landwirtschaftlicher Umnutzung geschützt haben.
  • Ein kalksteiniges Plateau, das sowohl Baumaterial für die Mauern als auch ideale Felsflächen für Kammergräber und Ladenfronten lieferte.
  • Saisonale Quellen, ergänzt durch Zisternen, Kanäle und das große Nymphäum, die die Wasserversorgung in den trockenen Sommermonaten sicherten.
  • Eine strategische Position zwischen küstennaher Ägäis und karischem Binnenland, die Hyllarima zur Zwischenstation an Handelsrouten machte.

Das mediterran-kontinentale Übergangsklima bringt heiße Sommer (in den Tälern über 35 °C), kühle Winter mit gelegentlichem Frost und eine deutlich winterlich verteilte Niederschlagsmenge. Das Mikroklima der Hochlage hebt sich von den heißeren Küstenstreifen der Provinz Muğla ab.

Die nahe Kreisstadt Kavaklıdere ist heute für ihren Kiefernhonig und ihre Pinienkerne bekannt; sie ist der praktische Ausgangspunkt für einen Besuch der Ruinen.

Historische Chronologie

Bronzezeit und frühe Wurzeln (2. Jahrtausend v. Chr. – 6. Jahrhundert v. Chr.)

  • Der Ortsname Hyllarima geht auf eine luwisch-karische Wurzel zurück und belegt eine vorgriechische Besiedlung Binnenkariens.
  • Oberflächenkeramik und Siedlungsspuren weisen auf eine durchgehende Nutzung von der Bronzezeit bis in die Eisenzeit hin.
  • Die Wahl eines verteidigungsgünstigen Bergsporns folgt dem typischen Muster früher karischer Höhensiedlungen, die fruchtbare Talböden im Umland überwachten.

Klassische Zeit (5.–4. Jahrhundert v. Chr.)

  • Im klassischen Hellenismus-Vorfeld funktioniert Hyllarima als kleine, aber organisierte karische Polis mit eigener Bouleuterions-Versammlung.
  • Die ältesten Ladeneinheiten der Agora werden ins 4. Jahrhundert v. Chr. datiert.
  • Unter der Hekatomniden-Dynastie, insbesondere des Satrapen Maussollos (377–353 v. Chr.), nimmt Hyllarima vermutlich an der städtebaulichen Aufwertung Kariens teil.

Hellenistische Zeit (3.–1. Jahrhundert v. Chr.)

  • Nach dem Alexanderzug fällt Karien sukzessive in den Einflussbereich der Antigoniden, Seleukiden und Ptolemäer.
  • In Hyllarima entstehen das marmorne Theater, das Bouleuterion und eine formalisierte Agora.
  • Der etwa zwei Kilometer lange Mauerring wird vollendet oder maßgeblich verstärkt.
  • Inschriften in karischer und griechischer Sprache dokumentieren Verwaltung, Stiftungen und religiöse Praxis. Die epigraphische Umstellung von karisch auf griechisch ist hier exemplarisch zu beobachten.

Kaiserzeit (1. Jh. v. Chr. – 4. Jh. n. Chr.)

  • Unter römischer Provinzialverwaltung gehört Hyllarima zur Provinz Asia.
  • Die Felsläden der Agora bleiben in der Kaiserzeit intensiv genutzt.
  • Die hydraulische Infrastruktur wird ausgebaut; das monumentale Nymphäum mit sakralen Inschriften entsteht.
  • Umbauten in Theater und Bouleuterion belegen die fortgesetzte zivile Investitionstätigkeit.

Spätantike und byzantinische Zeit (4.–12. Jahrhundert)

  • In der Spätantike und in frühchristlicher Zeit setzt sich die Besiedlung in verkleinertem Maßstab fort; Kirchen werden errichtet, häufig unter Wiederverwendung älteren Bauschmucks.
  • Mit der schrittweisen Verlagerung der wirtschaftlichen Schwerpunkte in die Ebenen und Küstenstreifen geht die Bevölkerung zurück.
  • Die endgültige Aufgabe fällt vermutlich in die unruhige Phase der seldschukischen Expansion im 11. und 12. Jahrhundert.
  • Nach dem Verlassen schützt der Wald die Ruinen über Jahrhunderte vor Plünderung – ein wesentlicher Grund für den heutigen Erhaltungszustand.

Die wichtigsten Bauten

Mauerring

Die wohl eindrucksvollste Sichtspur Hyllarimas ist die Stadtmauer:

  • Gesamtlänge etwa 2 Kilometer, im exponierten Ostabschnitt 4–5 m Höhe.
  • Errichtung in hellenistischer Tradition aus lokalem Kalkstein, mit Mischung aus polygonalem und quaderartig zugerichtetem Mauerwerk.
  • Mehrere Bauphasen vom Hellenismus bis in die Kaiserzeit lassen sich anhand der Steinbearbeitung unterscheiden.
  • Tore und Turmfundamente belegen ein durchdachtes Zugangs- und Verteidigungssystem.
  • Unter der Leitung von Prof. Dr. Bekir Özer werden die Mauern derzeit für eine touristische Erschließung als begehbarer Erbe-Rundweg konserviert.

Theater

Im Stadtkern liegt ein marmornes Theater:

  • Hochwertiger Marmor für die Cavea hebt Hyllarima von Nachbarstädten mit ortstypischem Kalkstein ab.
  • Der Bau nutzt den natürlichen Hang für die oberen Sitzreihen und bleibt in seinen Dimensionen einer mittelgroßen karischen Polis angemessen.
  • Reste der Orchestra und der Skene sind teilweise verschüttet, doch der architektonische Umriss bleibt ablesbar.
  • Die Sichtachse von den oberen Rängen erfasst das umliegende Bergpanorama.
  • Das Theater diente sowohl als Aufführungs- als auch als Versammlungsstätte.

Bouleuterion

Das Versammlungsgebäude des Stadtrats markiert das politische Zentrum:

  • Rechteckige bzw. halbrunde abgestufte Sitzreihen für die Ratsmitglieder.
  • Direkte Lage an der Agora, wie in karischen Städten verbreitet.
  • Belegt die formalisierte beratende Verfasstheit der Polis Hyllarima.

Agora und in den Fels geschlagene Läden

Eine der spektakulärsten jüngeren Entdeckungen:

  • Die Agora bildete das wirtschaftliche und gesellschaftliche Zentrum.
  • Im nördlichen Abschnitt ist eine Reihe direkt aus dem anstehenden Fels herausgearbeiteter Ladeneinheiten dokumentiert.
  • Errichtung im Hellenismus (4./3. Jh. v. Chr.), Nutzungsdauer bis in die Kaiserzeit – ein bemerkenswertes Beispiel kommerzieller Kontinuität.
  • Trennwände, Schwellen und Rückwände sind aus demselben Mutterfelsen herausgearbeitet.
  • Eine angrenzende Terrasse diente vermutlich als Promenade oder Aussichtsfläche.

Monumentales Nymphäum

Ein eindrucksvolles Beispiel integrierter Wasserarchitektur:

  • Gestaltet als Tempelbrunnen, der den Akt des Wasserschöpfens sakralisiert.
  • Inschriften am Brunnen stellen Bezüge zu göttlichen Mächten her.
  • Ein vorgelagertes Kanalsystem führte Quellwasser aus höheren Lagen zu.
  • Die hochwertige Ausführung deutet auf öffentliche oder mäzenatische Finanzierung.

Felsgräber

Charakteristisches Merkmal der karischen Landschaft:

  • In die Felswände am Stadtrand geschlagene Kammergräber bilden den Bereich der Nekropole.
  • Sie spiegeln eine karisch-lykische Bestattungspraxis wider.
  • Das Spektrum reicht vom einfachen Felskammergrab bis zur aufwendiger gestalteten Architekturfassade.
  • Die Nekropole liefert Hinweise auf Bevölkerung, soziale Schichtung und Bestattungsritual.

Karische Sprache und die Inschriften von Hyllarima

Hyllarima nimmt in der Erforschung des Karischen eine Sonderstellung ein:

Karisches Alphabet

Die karische Schrift gehört in den Umkreis griechischer Alphabete, behält jedoch eine eigene Buchstabenfolge bei. Es sind regional differenzierte Varianten bekannt; Hyllarima ist Typenfundort einer dieser Varianten.

Karisch-griechische Bilingue

Die in Hyllarima entdeckte Bilingue war ein Schlüsseldokument für die Entzifferung des Karischen. Bilinguen ermöglichen die Zuordnung unbekannter Zeichen zu bekannten Übersetzungen und liefern Aufschlüsse über Phonologie und Lexik.

Inschriftencorpus

Mit rund 30 Inschriften zählt Hyllarima zu den ergiebigsten epigraphischen Fundstellen Kariens. Die Texte umfassen:

  • Bürgerliche Dekrete,
  • religiöse Weihinschriften,
  • Grabinschriften,
  • Ehreninschriften für Stifter und Beamte,
  • Grenz- und Besitzmarkierungen.

Forschungsbedeutung

Da das Karische nur teilweise erschlossen ist, kann jede neue Inschrift unser Verständnis dieser anatolischen Sprache erweitern. Die Funde sind nicht nur linguistisch, sondern auch kulturhistorisch von hohem Rang.

Lokale Eigenheiten der Schrift

Die in Hyllarima belegte Variante des karischen Alphabets unterscheidet sich in Buchstabenform und Lautwerten von den Varianten der Küstenstädte. Damit ist eine eigenständige binnenkarische Schrifttradition belegt.

Archäologische Arbeiten

Grabungsleitung

  • Die aktuellen Grabungen werden unter Aufsicht des Kultur- und Tourismusministeriums der Türkei von Prof. Dr. Bekir Özer geleitet.
  • Beteiligt sind die Muğla Sıtkı Koçman Universität, das Museum von Muğla, die Gemeinde Kavaklıdere sowie weitere lokale Stellen.
  • Das Team verbindet Fachleute aus Epigraphik, Keramikanalyse, Konservierung und Bauforschung.

Wichtige Ergebnisse der letzten Kampagnen

  • Vollständige Dokumentation des 2 km langen Mauerrings samt bis zu 5 m hoher Abschnitte;
  • Freilegung des Marmortheaters mit Skene-Fundamenten;
  • Bestätigung des Bouleuterions mit abgestuften Sitzreihen;
  • Entdeckung des monumentalen Nymphäums;
  • Freilegung der Agora mit fels-geschlagenen Läden;
  • ausgedehnte Wasserkanalsysteme in praktisch jedem Grabungsschnitt;
  • weitere karische und griechische Inschriften, die den Bestand laufend ergänzen;
  • Keramikkomplexe vom Klassischen bis in die Kaiserzeit.

Konservierung und touristische Entwicklung

  • Restaurierungsarbeiten an den Stadtmauern sollen den Rundweg langfristig öffnen.
  • Die Felsläden werden mit Blick auf Statik und Fundzusammenhang sorgsam freigelegt.
  • Besucherrouten, Beschilderung und Schutzdächer befinden sich in Planung.
  • Die Gemeinde Kavaklıdere unterstützt die touristische Entwicklung aktiv.

Hyllarima im weiten karischen Landschaftsraum

Wer waren die Karer?

Die Karer waren ein indigenes anatolisches Volk im südwestlichen Kleinasien (heute Muğla, Aydın, Denizli). Sie sprachen eine eigene, bis heute nur teilweise entzifferte Sprache. Griechische Quellen schildern sie als ausgezeichnete Seefahrer und Söldner. Der „Vater der Geschichtsschreibung", Herodot, stammte aus Halikarnassos (heute Bodrum).

Karisches Siedlungsnetz

  • Großstädte (Mylasa, Stratonikeia, Alabanda, Halikarnassos) als politische und religiöse Zentren;
  • mittelgroße Städte (Hyllarima, Euromos, Alinda, Amyzon) mit eigenen Institutionen;
  • Heiligtümer (Lagina, Labraunda, Sinuri) als religiöse Knotenpunkte;
  • Dorfgemeinschaften als demografisches und agrarisches Fundament.

Hyllarima zählt als mittelgroße Polis zur zweiten Ebene dieser Hierarchie und beweist, dass karische Urbanität nicht auf die Küste beschränkt war.

Verbindung zu benachbarten Stätten

  • Stratonikeia (Eskihisar), etwa 40 km entfernt, eine der bedeutendsten karischen Städte;
  • Lagina, etwa 45 km entfernt, das Hekate-Heiligtum mit monumentalem Propylon;
  • Euromos im Westen mit seinem hervorragend erhaltenen Zeus-Tempel.

Besucherinformationen

Anreise

Hyllarima liegt im Ortsteil Derebağ der Gemeinde Kavaklıdere (Provinz Muğla). Die letzte Anfahrt erfolgt über befestigte Bergstraßen.

  • Aus Muğla: ca. 80 km, etwa 1,5 Stunden Fahrt;
  • aus Denizli: ca. 120 km, etwa 2 Stunden;
  • aus Bodrum: ca. 160 km, etwa 2,5 Stunden;
  • aus Marmaris: ca. 130 km, etwa 2 Stunden.

Aus dem DACH-Raum bestehen Direktflüge nach Bodrum-Milas (BJV), Dalaman (DLM) und Izmir (ADB). Von dort aus ist Hyllarima mit Mietwagen über die Hochstraßen Westkariens erreichbar.

Beste Reisezeit

  • Frühling (April–Juni): angenehme Temperaturen, blühende Berghänge, beste Bedingungen für Erkundungen.
  • Herbst (September–November): klarer Himmel, goldenes Licht, ideal für Fotografie.
  • Sommer: in der Höhe etwas milder als an der Küste, dennoch morgens besuchen.
  • Winter: in den Höhenlagen Frost und Schnee möglich; Anfahrt erschwert.

Was Sie erwartet

  • Aktive Grabungsstätte mit schrittweiser Öffnung;
  • gut sichtbare Hauptbauten;
  • moderate Anforderungen an Trittsicherheit;
  • keine Versorgungsinfrastruktur auf dem Gelände;
  • empfohlen sind 2 bis 4 Stunden Aufenthalt.

Praktische Hinweise

  • Festes Schuhwerk, Sonnenschutz, Wasser und Snacks mitnehmen.
  • Im Sommer früh aufbrechen, im Frühjahr/Herbst dünne Lagen einplanen.
  • Mobilfunkversorgung im Bergland eingeschränkt; Offline-Karten herunterladen.
  • Insektenschutz in den warmen Monaten empfehlenswert.

Sehenswürdigkeiten im Umfeld

  • Stratonikeia (Eskihisar) mit antikem Stadtkern und integriertem seldschukischen Dorf;
  • Lagina mit Hekate-Heiligtum;
  • Kavaklıdere als regionales Zentrum mit Honig und Pinienkernen;
  • Bafa-See mit byzantinischen Klöstern;
  • Euromos mit dem Zeus-Tempel.

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet der Name Hyllarima?

Der Name geht auf eine luwisch-karische Wurzel zurück. Das Suffix „-rima" ist charakteristisch für vorgriechische Ortsnamen Westanatoliens.

Wie alt ist Hyllarima?

Die Siedlungsspuren reichen bis ins 2. Jahrtausend v. Chr.; die sichtbaren Bauten stammen überwiegend aus klassischer, hellenistischer und kaiserzeitlicher Zeit.

Was sind die fels-geschlagenen Läden?

Im Norden der Agora wurden Ladeneinheiten direkt aus dem Mutterfelsen herausgearbeitet. Sie waren im Hellenismus und in der Kaiserzeit in Gebrauch und stellen ein seltenes Zeugnis antiker Einzelhandelsarchitektur im Hochland Kariens dar.

Warum ist Hyllarima sprachgeschichtlich so wichtig?

Mit rund 30 Inschriften und einer karisch-griechischen Bilingue ist Hyllarima einer der zentralen Belegorte für die Erforschung der karischen Sprache.

Ist der zwei Kilometer lange Mauerring tatsächlich begehbar?

Restaurierungsarbeiten zielen genau auf die durchgängige Öffnung als Erbe-Rundweg; aktuell sind Teilstrecken zugänglich.

Wer leitet die Ausgrabungen?

Prof. Dr. Bekir Özer, in Kooperation mit den Behörden, der Universität Muğla und der Gemeinde Kavaklıdere.

Gibt es Eintritt?

Aktuell ist der Zutritt frei, kann sich aber mit Ausbau der Infrastruktur ändern.

Wie unterscheidet sich Hyllarima von anderen karischen Stätten?

Hyllarima ist kleiner als Stratonikeia oder Halikarnassos, dafür durch die abgeschiedene Lage außergewöhnlich gut erhalten und wenig besucht.

Wo übernachten?

Einfache Optionen in Kavaklıdere, mehr Auswahl in Muğla, Marmaris oder Bodrum.

Architektonische Maße und numerische Daten

Bauwerk / MerkmalMaß / Wert
Gesamtlänge der Stadtmauerrund 2 km
Maximalhöhe der Mauer (Ost)4–5 m
Bautechnik der MauerPolygonal- + Quadertechnik, Kalksteinblöcke
Höhe der Siedlung über NNca. 800–1.000 m
TheatermaterialMarmor (hochwertig)
Geschätzte Maximalbevölkerungca. 1.500 Personen
Bekannte Inschriftenca. 30
Identifizierte Felslädenmindestens 7
Beginn der Agoraläden4. Jahrhundert v. Chr.
Bauphasen der Stadtmauermind. 3 (klassisch–hellenistisch–kaiserzeitlich)
Entfernung Kavaklıdereca. 10 km
Entfernung Stratonikeiaca. 40 km
Entfernung Laginaca. 45 km

Die Verwendung von Marmor für das Theater zeigt, dass Hyllarima trotz seiner überschaubaren Größe Zugang zu hochwertigen Materialien und Ressourcen hatte.

Münzwesen und numismatische Befunde

PhaseDetail
HellenismusBeteiligung an Münzen karischer Bünde
KaiserzeitEigene Prägung (2.–4. Jh. n. Chr.)
MotiveZeus Hyllos, lokale Symbole
Sprachezunächst karisch, später griechisch

Eine Inschrift aus dem 2. Jh. n. Chr. setzt Kaiser Antoninus Pius mit Zeus Hyllos gleich – ein eindrucksvoller Beleg dafür, wie der römische Kaiserkult mit lokalen Gottheiten synkretistisch verschmolz.

Priester-Verkaufsinschrift (197 v. Chr.)

Eine besonders bedeutende Inschrift dokumentiert den Verkauf eines Priesteramts; sie ist nach dem rhodischen Helios-Priester datiert und belegt, dass Hyllarima zu jener Zeit am östlichen Rand der von Rhodos kontrollierten Territorien lag. Weitere Texte (Apollon-Priesterliste 263/262 v. Chr., Pachtverträge) gehören zum selben epigraphischen Dossier.

Grabungschronologie und Funde

PhaseBefundBedeutung
Frühe Forschungkarisch-griechische BilingueSchlüsseldokument der Entzifferung
Aktuelle Grabungen2 km Mauerringumfangreichstes Verteidigungssystem Binnenkariens
Aktuelle KampagnenMarmortheaterOrchestra und Skene-Fundamente
Aktuelle KampagnenBouleuterionabgestufte Ratssitze
Aktuelle KampagnenNymphäumsakraler Tempelbrunnen
Aktuelle KampagnenAgora und Felsläden2.400 Jahre Handelsraum
Aktuelle KampagnenKanalsystemestadtweite Wasserarchitektur
Aktuelle Kampagnenneue InschriftenErweiterung des Corpus

Prof. Özer bezeichnet Hyllarima als „zwei Hügel, eine Stadt". Die Bevölkerung wechselte im Lauf der Jahrhunderte zwischen den beiden Höhen, was wertvolle Aufschlüsse über die Siedlungsdynamik liefert.

Karisches Alphabet: technische Eigenheiten der Hyllarima-Variante

MerkmalHyllarima-VarianteKüstenvarianten
Buchstabenformbinnenkarisch geprägte RundungenStandardformen
Lautwerteabweichende ZuordnungenHalikarnassos-Standard
Schreibrichtungrechtsläufig und linksläufig belegtmeist rechtsläufig
Sprachlicher Kontextbinnenkarischküstenkarisch

Die Entzifferung der Hyllarima-Bilingue führte zu Neuzuordnungen einzelner Lautwerte und gilt als Wendepunkt in der karischen Philologie.

Quellen und weiterführende Literatur

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