Bathonea – Foto der antiken Stadt

Bathonea

Der vergessene Außenhafen Konstantinopels

18 Min. LesezeitKüçükçekmece, Istanbul

Bathonea ist eine antike Hafensiedlung am nordwestlichen Ufer des Küçükçekmece-Sees im Istanbuler Bezirk Avcılar. Im Zuge der schweren Trockenheit des Jahres 2007 sank der Seespiegel so weit, dass unter Wasser liegende Mauerzüge wieder sichtbar wurden — der eigentliche Wiederentdeckungsmoment einer Fundlandschaft, deren Besiedlungsdichte von der Bronzezeit (um 2000 v. Chr.) bis ins byzantinische 11. Jahrhundert reicht und somit rund 4.000 Jahre ununterbrochener Geschichte abdeckt. Seit 2009 leitet Prof. Dr. Şengül Aydıngün von der Kocaeli-Universität die systematischen Grabungen. Bislang wurden zwei antike Hafenbecken, ein Leuchtturm, ein Palastkomplex mit Mosaikböden, eine konstantinische Zisterne von rund 7.000 Kubikmetern Fassungsvermögen, Wein- und Olivenölwerkstätten sowie Handelsgüter mit Verbindungen zur Welt der Wikinger geborgen. Bathonea zählt heute zu den wissenschaftlich gewichtigsten archäologischen Vorhaben innerhalb der Istanbuler Stadtgrenzen.

  1. Warum Bathonea bedeutsam ist
  2. Geografie und Lage
  3. Historische Chronologie
  4. Bedeutende Bauten und Funde
  5. Archäologische Arbeiten
  6. Besucherinformation
  7. Häufig gestellte Fragen
  8. Quellen und weiterführende Literatur

Warum Bathonea bedeutsam ist

Ein Außenhafen vor den Toren Konstantinopels. Seit dem 4. Jahrhundert nach Christus diente Bathonea den Schiffen, die der kaiserlichen Hauptstadt zustrebten, als sicherer Reede- und Versorgungspunkt. Wer von der Ägäis aus den Bosporus ansteuerte, konnte hier vor der letzten Etappe ins Goldene Horn Schutz suchen. Damit war die Siedlung ein unverzichtbares Glied in der maritimen Logistikkette des byzantinischen Reichs.

Außergewöhnliche stratigraphische Tiefe. Die Kulturschichten reichen von der Bronzezeit bis ins 11. Jahrhundert und erzählen eine ununterbrochene Siedlungsgeschichte, in der mehrere Hochkulturen einander ablösten. Zwei Figurinen und Zinnreste, die 2014 geborgen wurden und sich auf etwa 1800 v. Chr. — also in die frühhethitische oder hurritische Zeit — datieren lassen, schoben die bekannten Anfänge des Ortes nochmals deutlich zurück.

Ein Leuchtturm von Rang. Der unter dem Wasserspiegel des Sees identifizierte antike Leuchtturm ist nach jenem von Patara erst der zweite gesicherte antike Leuchtturm auf türkischem Boden. Er hatte die Aufgabe, die Schifffahrt aus dem Marmarameer in die geschützten Gewässer des Sees zu lotsen.

Verbindungen bis nach Skandinavien. Funde, die mit dem Warägerhandel (Wikingern) in Verbindung gebracht werden, belegen Bathoneas Anbindung an die nordeuropäischen Fernhandelsnetze. Skandinavische Kaufleute erreichten Konstantinopel über die osteuropäischen Flussrouten, und Bathonea war auf dieser Reise eine natürliche Zwischenstation.

Ein weinbauliches Erbe. Die hier freigelegte Weinkelterei gilt heute als die älteste bekannte Anlage ihrer Art in Thrakien. Marmorbecken, eine Traubenstampfzone, Filtergruben und Amphorenfragmente schreiben die Agrargeschichte der Region neu.

Eine kaiserliche Großzisterne. Die mit Konstantin dem Großen in Verbindung gebrachte Freiluftzisterne fasste rund 7.000 Kubikmeter. Sie zählt zu den monumentalsten Beispielen spätrömischen Wasserbaus und versorgte sowohl die Hafenbevölkerung als auch die imperiale Versorgungskette.

Geografie und Lage

Bathonea liegt auf der Firuzköy-Halbinsel, einer schmalen Landzunge am nordwestlichen Rand des Küçükçekmece-Sees. Der See ist eine flache Küstenlagune, die durch einen schmalen Kanal mit dem Marmarameer verbunden ist. Diese natürliche Konfiguration schuf einen idealen, vor Wind und Wellen geschützten Ankerplatz für die Schifffahrt, die von der Ägäis kommend dem Bosporus zustrebte.

Das Hinterland ist leicht hügelig, die Erhebungen überschreiten selten 50 Meter. Süßwasser liefernde Bäche und die fruchtbaren Schwemmböden boten von der Antike bis ins byzantinische Hochmittelalter eine solide Grundlage für Landwirtschaft — vor allem für Olivenanbau und Weinbau. Die nachgewiesenen Pressanlagen bestätigen, wie gut sich das Mikroklima der Halbinsel zur Rebkultur eignete.

Heute liegt die Fundstätte mitten in der raschen westlichen Stadterweiterung Istanbuls. Der Küçükçekmece-See gerät durch die Siedlungsentwicklung unter erheblichen Druck, was die archäologische Arbeit zugleich zu einer kulturellen Rettungsaktion macht. Das Prähistorische Archäologische Surveyprojekt Istanbul, das den Ort lokalisiert hat, entstand nicht zuletzt aus der Notwendigkeit, gefährdetes Erbe systematisch zu dokumentieren.

Koordinaten: etwa 41,00° N, 28,76° O

Höhe: rund 5–15 m über der Seeoberfläche, knapp über Meeresniveau.

Klima: Mediterran geprägter Übergangstyp mit heißen, trockenen Sommern und kühlen, niederschlagsreichen Wintern. Der See übt einen mildernden Mikroklimaeffekt aus. Für Feldarbeit eignen sich Frühjahr und Herbst am besten.

Geologischer Kontext: Das Küçükçekmece-Becken liegt im seismisch aktiven Ausläufer der Nordanatolischen Verwerfung. Erdbeben im 6. und 11. Jahrhundert führten in Bathonea zu schweren Zerstörungen; dieselbe tektonische Aktivität hat über Jahrtausende die Küstenlinie und die Morphologie des Sees geformt.

Historische Chronologie

Bronzezeit (etwa 2000–1200 v. Chr.)

Die frühesten Siedlungsspuren am Ort gehen auf die Bronzezeit zurück. Keramikfragmente und Hausreste deuten auf Gemeinschaften hin, die von Fischfang, kleinbäuerlicher Landwirtschaft und küstennahem Handel lebten. Zwei 2014 geborgene Figurinen und Zinnreste, die sich auf etwa 1800 v. Chr. datieren lassen — frühhethitisch oder hurritisch —, gehören zu den ältesten gesicherten Objekten der Stätte und belegen bereits in dieser frühen Phase Verbindungen über weite Distanzen.

Eisenzeit und Archaik (etwa 1200–480 v. Chr.)

Die Quellen für diese Übergangsepoche sind fragmentarisch, aber vorhanden. Das Küçükçekmece-Becken lag im Einflussbereich thrakischer Stämme im Westen und der griechischen Kolonisationsbewegungen entlang des Marmara- und Bosporusufers. Die Gründung von Byzantion (um 657 v. Chr.) dürfte den Verkehr vor der Mündung des Sees verdichtet haben; Bathonea diente Seeleuten, die mit den schwierigen Strömungen des Marmarameeres rangen, vermutlich als Versorgungs- oder Schutzhafen.

Klassik und Hellenismus (480–30 v. Chr.)

In dieser Zeit treten die Hafenanlagen erstmals deutlich in den archäologischen Befund. Die beiden vom Grabungsteam als „Großer" und „Kleiner Hafen" bezeichneten Becken weisen hellenistische Bauphasen auf. Die Kaimauern bestehen aus großen Quadern, die mit hydraulischem Mörtel verbunden wurden — ein Hinweis auf fortgeschrittene maritime Bautechnik. Die Siedlung dürfte als Zwischenstation und Ankerplatz für Schiffe zwischen der Propontis (Marmarameer) und den Hafenstädten der thrakischen Küste gedient haben.

Römische Kaiserzeit (30 v. Chr. – 330 n. Chr.)

Unter römischer Verwaltung festigte sich die Rolle der Siedlung als sekundärer Hafen. Keramikensembles und Bauglieder aus dieser Phase zeugen vom wachsenden Wohlstand und der Integration in die östlichen Handelsnetze des Reichs. Die Hafenanlagen wurden vermutlich unterhalten und erweitert, um dem zunehmenden Schiffsverkehr Rechnung zu tragen.

Frühbyzantinische Epoche (330 – 7. Jahrhundert)

Die Umwidmung Byzantions zur neuen Reichshauptstadt Konstantinopel durch Kaiser Konstantin im Jahr 330 markierte den entscheidenden Wendepunkt für Bathonea: Die Siedlung wurde zum Außenhafen und Versorgungsstützpunkt der kaiserlichen Metropole.

Wesentliche Entwicklungen dieser Phase:

  • Die rund 7.000 Kubikmeter fassende offene Großzisterne, die Konstantin um 330 zugeschrieben wird und der Hafenlogistik wie der städtischen Versorgung diente.
  • Ein Palastkomplex mit Mosaikböden hoher Qualität — geometrische und figürliche Muster verweisen auf einen ranghohen Beamten oder Statthalter vor Ort.
  • Ausbau und Verstärkung der Kaimauern als Reaktion auf den wachsenden Schiffsverkehr.
  • Errichtung des Leuchtturms, der die Schiffe vom offenen Marmara in die geschützten Gewässer des Sees lotste.
  • Aufbau eines umfangreichen unterirdischen Wasserleitungsnetzes, das Süßwasser aus den höher gelegenen Gebieten brachte.
  • Anlage von Straßen, die den Hafen mit den Verkehrsachsen ins Hinterland und nach Konstantinopel verbanden.

Ein verheerendes Erdbeben im 6. Jahrhundert — mit hoher Wahrscheinlichkeit eines der für die Jahre 557 oder 558 dokumentierten Ereignisse — verursachte erhebliche Schäden. Archäologisch sind eingestürzte Mauern, brandgeschädigte Schichten und Spuren rascher Wiederaufbauarbeiten greifbar. Dasselbe Beben suchte auch Konstantinopel selbst heim.

Mittelbyzantinische Zeit (7.–11. Jahrhundert)

Auch in den mittelbyzantinischen Jahrhunderten blieb Bathonea — wenn auch in reduziertem Umfang — eine funktionsfähige Hafensiedlung. Die Wein- und Ölwerkstätten datieren überwiegend in die Spätantike und den frühmittelalterlichen Übergang. Die Weinkelterei mit Marmorbecken, eigener Traubenstampfzone, Filtergruben und zahlreichen Amphorenfragmenten gilt heute als älteste bekannte Kelteranlage Thrakiens. Ein schweres Erdbeben im 11. Jahrhundert legte schließlich die noch verbliebene Infrastruktur in Trümmer und leitete die schrittweise Aufgabe der Siedlung ein.

Nachbyzantinische Phase und Wiederentdeckung (11. Jh. – 2007)

Nach dem Verlassen geriet Bathonea unter alluviale Schichten und steigende Sedimente. In den 1930er-Jahren wurde der Ort zwar oberflächlich untersucht, jedoch fehlinterpretiert und in seiner Bedeutung unterschätzt. Die schwere Trockenheit von 2007 ließ den Wasserspiegel des Sees dramatisch sinken und legte die untergegangenen Mauerzüge frei. Daraufhin wurde das Prähistorische Archäologische Surveyprojekt Istanbul gestartet, das den Ort als das historische Bathonea identifizierte.

Bedeutende Bauten und Funde

Die Zwillingshäfen

Bathonea verfügt über zwei Hafenbecken — den „Großen" und den „Kleinen Hafen" —, die beide hellenistische Ursprünge zeigen und in römischer und byzantinischer Zeit erheblich erweitert wurden. Die Kaimauern bestehen aus massiven, mit hydraulischem Mörtel gefügten Quadern, die Wellengang und Gezeitenwechsel standhalten konnten. Der Große Hafen konnte mehrere Handelsschiffe gleichzeitig aufnehmen, der Kleine Hafen diente vermutlich militärischen oder administrativen Booten. Gemeinsam bilden sie eines der ältesten bekannten Hafensysteme Istanbuls.

Der antike Leuchtturm

Der unter dem Wasserspiegel entdeckte Leuchtturm ist nach Patara der zweite gesicherte antike Leuchtturm der Türkei. Er sollte Schiffe aus dem Marmarameer durch die schmale Seemündung lotsen. Identifiziert wurde er durch die Kombination aus den 2007 sichtbar gewordenen Strukturen und nachfolgenden unterwasserarchäologischen Untersuchungen. Seine bloße Existenz unterstreicht den Status Bathoneas als Navigationspunkt auf der Anfahrt nach Konstantinopel.

Die Konstantinische Zisterne

Die rund 7.000 Kubikmeter fassende offene Großzisterne datiert in die Zeit um 330 und wird Kaiser Konstantin zugeschrieben. Sie sammelte Regen- und Bachwasser und stand vermutlich in unmittelbarer Verbindung mit der konstantinischen Gründung Konstantinopels — Teil eines kohärenten kaiserlichen Infrastrukturprogramms zur Sicherung der Hauptstadtversorgung. Ihre Dimension — eine der größten bekannten frühbyzantinischen Freiluftzisternen außerhalb Konstantinopels — unterstreicht die strategische Bedeutung, die das Reich Bathonea beimaß.

Der Palastkomplex

Ein mehrräumiger Bau mit figürlichen und geometrischen Mosaikböden wird als Residenz oder Verwaltungssitz gedeutet. Die Qualität der Mosaiken weist auf erheblichen Reichtum und offizielle Patronage. Wahrscheinlich diente der Komplex dem Statthalter oder Hafenkommandanten, der die maritimen Operationen koordinierte. Innerhalb des Komplexes wurde ein eigenständig geplantes Mausoleum identifiziert — wahrscheinlich für eine heiliggesprochene Person —, das durch seine besondere Architektur und seine Bodenmosaiken auffällt.

Wein- und Ölwerkstätten

Die Grabungen legten eine spätantike Wein- und Olivenölproduktionsanlage frei. Sie umfasst Pressvorrichtungen, Sammelbecken und Lagerräume. Die Weinkelterei gilt heute als älteste bekannte Anlage ihrer Art in Thrakien. Ein bemerkenswerter Fund jüngerer Zeit ist eine löwenkopfförmige Steinrinne, die die Flüssigkeit in das Gärbecken leitete. Mit Marmorbecken, separater Traubenstampfzone, Filtergruben und zahlreichen Amphorenfragmenten liefert die Anlage zentrale Daten zur regionalen Agrarökonomie der byzantinischen Zeit.

Unterirdische Wasserleitungen

Ein ausgedehntes Netz unterirdischer Kanäle führte Süßwasser aus den höher gelegenen Bereichen in die Siedlung und zu den Hafenanlagen — ein Hydraulikingenieurwerk auf dem Stand spätrömischer und frühbyzantinischer kaiserlicher Standards. Diese Leitungen arbeiteten Hand in Hand mit der Großzisterne, um eine zuverlässige Wasserversorgung zu garantieren.

Ein Schreibset des 4. Jahrhunderts

Zu den bemerkenswertesten Einzelfunden gehört ein rund 1.600 Jahre altes Schreibset mit Stiften und Tintenfässchen. Das Ensemble verweist auf eine schreibkundige Verwaltungs- oder Bildungstätigkeit am Ort. Spekulationen rund um eine Bibliothek oder ein Archiv im Zusammenhang mit der byzantinischen Verwaltung des Hafens sind in Folge der Entdeckung aufgekommen.

Funde der Wikingerzeit

Zu den überraschendsten Funden zählen Objekte mit Bezug zum Warägerhandel. Diese Artefakte, vermutlich aus dem 9. und 10. Jahrhundert, bestätigen Bathoneas Anbindung an Handelsnetze weit jenseits des Mittelmeers. Die Waräger dienten in Konstantinopel in der kaiserlichen Warägergarde, und die Lage Bathoneas auf der Anflugroute machte den Ort zu einem logischen Begegnungspunkt.

Figurinen der Frühbronzezeit

Zwei 2014 geborgene Figurinen, Zinnreste und Keramikfragmente aus der frühhethitischen oder hurritischen Zeit (um 1800 v. Chr.) sind die ältesten datierbaren Objekte der Stätte. Sie zeigen, dass das Küçükçekmece-Becken schon im frühen zweiten Jahrtausend in die übergreifenden anatolischen Austauschnetze eingebunden war.

Antikes Straßennetz

Freigelegte Straßenabschnitte verbanden den Hafen mit dem Hinterland und den Verkehrsachsen Richtung Konstantinopel. Die Fahrspuren weisen Spuren intensiven Lastverkehrs auf — passend zur kommerziellen Nutzung.

Keramikensembles

Die Grabungen erbrachten umfangreiche Keramik, die alle Besiedlungsphasen abdeckt:

  • Bronzezeitliche Grobkeramik aus den frühesten Schichten
  • Hellenistische Feinkeramik im Zusammenhang mit den Hafenbauten
  • Römische Terra sigillata als Beleg mediterranweiter Handelskontakte
  • Byzantinische Amphoren für Wein- und Öltransport
  • Glasierte byzantinische Keramik aus den späten Siedlungsphasen

Die Keramiksequenz bildet das Rückgrat der stratigraphischen Datierung und der Rekonstruktion der Handelsbeziehungen.

Archäologische Arbeiten

Erste Untersuchungen und Fehldeutung (1930er-Jahre)

Bereits in den 1930er-Jahren wurde das Küçükçekmece-Becken archäologisch begangen. Die Ruinen wurden jedoch falsch eingeordnet, der Ort blieb über Jahrzehnte unter dem Radar systematischer Forschung.

Trockenheit 2007 und Wiederentdeckung

Die schwere Trockenheit des Jahres 2007 ließ den Wasserspiegel des Sees so weit sinken, dass am Ufer und in der Flachwasserzone zuvor untergegangene Strukturen sichtbar wurden. Daraufhin wurde das Prähistorische Archäologische Surveyprojekt Istanbul gestartet, das das gesamte Becken systematisch untersuchte. Die Forschung identifizierte den Ort als bedeutende Hafensiedlung und schlug die Gleichsetzung mit dem historischen Bathonea vor.

Offizielle Grabungen (2009 bis heute)

Die regulären Grabungen begannen 2009 unter der Leitung von Prof. Dr. Şengül Aydıngün und Prof. Dr. Haldun Aydıngün (Kocaeli-Universität) mit Unterstützung des türkischen Kultur- und Tourismusministeriums. Das Projekt läuft mit jährlichen Grabungskampagnen und fortlaufenden Konservierungsmaßnahmen kontinuierlich weiter. Seit 2011/2012 wurden Zisterne, Palastkomplex, Wasserleitungen und Straßenzüge schrittweise freigelegt.

Eingesetzte Methoden:

  • Stratigraphische Grabung in mehreren Sektoren der Halbinsel
  • Unterwasserarchäologische Untersuchung der versunkenen Hafenbauten und des Leuchtturms
  • Archäobotanische Analyse der landwirtschaftlichen Reste in den Wein- und Ölwerkstätten
  • Keramiktypologie von der Bronzezeit bis in die byzantinische Phase
  • Geophysikalische Prospektion (Georadar, Magnetometrie) zur Kartierung nicht ausgegrabener Bereiche
  • Architekturkonservierung der freigelegten Mosaikböden und Mauerabschnitte
  • Das Projekt „Erbe für die Zukunft" als Gemeinschaftsinitiative des Kultur- und Tourismusministeriums und der Kocaeli-Universität

Die Grabung wurde wiederholt unter die zehn wichtigsten archäologischen Entdeckungen der Türkei gezählt und hat internationale Aufmerksamkeit erregt.

Publikationen

Die Ergebnisse erscheinen in türkischen Fachzeitschriften, in internationalen Tagungsbänden und in der Monographie Istanbul Küçükçekmece Göl Havzası Kazıları (Bathonea) von Haldun und Şengül Aydıngün. Berichte in Daily Sabah, Hürriyet Daily News und Arkeonews haben den Ort einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Besucherinformation

Zugänglichkeit

Bathonea ist eine aktive Grabungsstätte. Während der Kampagnen (üblicherweise Frühjahr bis Herbst) kann der Publikumszugang eingeschränkt sein. Eine Anfrage beim Archäologischen Institut der Kocaeli-Universität oder beim regionalen Museumsdirektorat vor der Reise wird empfohlen.

Anreise

  • Mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Vom Istanbuler Stadtzentrum gelangt man mit Metro und Bus in den Bezirk Avcılar; von dort bringt der Nahverkehr oder ein Taxi nach Firuzköy an den See.
  • Mit dem Auto: Über die E-5 (D100) in Richtung Avcılar; den Hinweisschildern Richtung Küçükçekmece-See / Firuzköy folgen.
  • Distanz: rund 25 km vom Sultanahmet.
  • Vom Flughafen Istanbul (IST): rund 15 km östlich.

Wer aus dem deutschsprachigen Raum anreist, findet zahlreiche Direktflüge ab Frankfurt, München, Berlin, Düsseldorf, Wien und Zürich zum Flughafen Istanbul; von dort sind es nur wenige Kilometer bis zum Fundgebiet.

Beste Besuchszeit

  • Frühjahr (April–Mai) und Herbst (September–Oktober) bieten angenehme Temperaturen und ideales Licht für die Fotografie.
  • Im Sommer ist es heiß; Sonnenschutz und ausreichend Wasser sind angeraten.
  • Winterbesuche sind möglich, der Boden ist nach Regenfällen jedoch oft schlammig.

Empfehlungen für die Mitnahme

  • Festes Schuhwerk für unebenes Gelände
  • Sonnenschutz (Hut, Sonnencreme)
  • Wasser und Verpflegung (auf der Fläche gibt es keine Versorgung)
  • Kamera mit Zoom für Detailaufnahmen
  • Fernglas für die unter der Wasseroberfläche liegenden Strukturen
  • Gegebenenfalls einen ausgedruckten Lageplan

Mögliche Kombinationen

Bathonea lässt sich mit weiteren archäologischen Stätten in Istanbul verbinden:

  • Yenikapı-Grabungen (byzantinischer Hafen, heute teils in der Marmaray-Metrostation präsentiert)
  • Archäologische Museen Istanbul (Sultanahmet)
  • Theodosianische Landmauern Konstantinopels
  • Spaziergänge rund um den Küçükçekmece-See zum Verständnis der Landschaftssituation
  • Yerebatan-Zisterne im Vergleich zur konstantinischen Großzisterne von Bathonea

Empfohlene Aufenthaltsdauer

Für einen substanziellen Besuch sind je nach Zugänglichkeit und Verfügbarkeit von Führungen 1,5 bis 3 Stunden einzuplanen.

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet der Name „Bathonea"?

Der Name ist in antiken Quellen überliefert, seine Herleitung jedoch umstritten. Wahrscheinlich geht er auf das griechische bathos („Tiefe") zurück und verweist auf das tiefe Hafenbecken oder die Seetiefe. Die Gleichsetzung des heutigen Ortes mit dem historischen Bathonea stützt das Grabungsteam auf philologische und geografische Analysen der antiken Texte.

War Bathonea Teil Konstantinopels?

Direkt nicht. Bathonea war eine eigenständige Siedlung im Hinterland der Hauptstadt, als Außenhafen und Versorgungsstation jedoch über Seekanal und Landweg eng an Konstantinopel angebunden. Die konstantinische Zisterne und der Palastkomplex weisen auf eine unmittelbare kaiserliche Mitgestaltung des Ortes hin.

Warum tauchen Wikinger in Bathonea auf?

Die Waräger — skandinavische Händler und Krieger — erreichten Konstantinopel über die osteuropäischen Flussrouten, besonders den Dnepr; viele dienten in der kaiserlichen Warägergarde. Als Hafen auf der Anfahrt durch das Marmarameer war Bathonea eine logische Zwischenstation. Die Funde vor Ort bestätigen diese Verbindung und betten den Ort in ein Handelsnetz ein, das von Skandinavien bis nach Byzanz reichte.

Wie wurde der Leuchtturm entdeckt?

Die Trockenheit von 2007 legte zunächst unterwasserliegende Strukturen frei; folgende Untersuchungen unter Wasser identifizierten das Bauwerk eindeutig als Leuchtturm. Es ist nach Patara der zweite gesicherte antike Leuchtturm der Türkei. Seine Position diente dazu, Schiffe aus dem offenen Marmarameer in den schmalen Seekanal zu lotsen.

Gibt es ein Museum für die Funde aus Bathonea?

Ein eigenes Museum am Ort gibt es bislang nicht. Die Funde werden in den Archäologischen Museen Istanbul und in der Sammlung der Kocaeli-Universität bewahrt. Einzelne Objekte wurden in Sonderausstellungen gezeigt. Das Grabungsteam strebt langfristig die Einrichtung eines Geländemuseums an.

Sind die Unterwasserreste zugänglich?

Die versunkenen Hafenbauten und der Leuchtturm sind dem allgemeinen Publikum nicht zugänglich. Tauchende Archäologinnen und Archäologen des Grabungsteams haben sie dokumentiert; veröffentlichte Fotografien und Forschungsberichte machen die Befunde inhaltlich greifbar.

Was ist das Projekt „Erbe für die Zukunft"?

Es handelt sich um eine gemeinsame Initiative des Kultur- und Tourismusministeriums und der Kocaeli-Universität, in deren Rahmen die jüngsten Grabungskampagnen in Bathonea ablaufen. Sie verkörpert das institutionelle Engagement zur Sicherung des Ortes angesichts der rasanten urbanen Expansion Istanbuls.

Wie groß ist die konstantinische Zisterne?

Mit rund 7.000 Kubikmetern Fassungsvermögen zählt sie zu den größten bekannten frühbyzantinischen Freiluftzisternen außerhalb Konstantinopels selbst. Sie fing Regen- und Bachwasser auf und versorgte die Hafensiedlung.

Was geschah beim Erdbeben des 6. Jahrhunderts?

Etwa in den Jahren 557 oder 558 — im Umfeld der seismischen Ereignisse, die auch Konstantinopel beschädigten — erschütterte ein verheerendes Beben das westliche Marmaragebiet. In Bathonea verursachte es großflächige Zerstörungen: eingestürzte Mauern, Brände (im Befund als verkohlte Schichten erkennbar) und einen umfangreichen Wiederaufbau. Die Folgen sind stratigraphisch klar lesbar.

Warum gilt der Ort als eine der zehn wichtigsten Entdeckungen der Türkei?

Bathonea vereint außergewöhnliche stratigraphische Tiefe (4.000 Jahre), eine Reihe einzigartiger Funde (zweiter antiker Leuchtturm der Türkei, älteste Kelteranlage Thrakiens, Spuren der Wikinger) und unmittelbare Bezüge zur Gründung Konstantinopels — und all dies innerhalb der modernen Stadtgrenzen Istanbuls.

Gibt es eine Verbindung zu den Hethitern?

Die 2014 geborgenen Figurinen und Keramikfragmente datieren in die frühhethitische bzw. hurritische Zeit (um 1800 v. Chr.) und belegen indirekte Verbindungen zum weiteren anatolischen Kulturraum jener Epoche. Bathonea ist zwar keine hethitische Stadt, doch zeigen die Funde, dass das Küçükçekmece-Becken Teil weiträumiger Austauschnetze zwischen der Marmararegion und Zentralanatolien war.

Zugänglichkeit für mobilitätseingeschränkte Besucher

  • Das Gelände ist am Seeufer überwiegend eben, einige Grabungsschnitte erfordern jedoch vorsichtiges Begehen.
  • Innerhalb der archäologischen Zone gibt es keine ausgebauten Wege.
  • Rollstuhlzugänglichkeit ist aufgrund der nicht ausgebauten Topographie stark eingeschränkt.
  • Mobilitätseingeschränkte Besucher können einen erheblichen Teil der Fläche vom Zugangsweg am Ufer aus überblicken.

Tipps zur Fotografie

  • Das beste Licht liegt am frühen Morgen und späten Nachmittag, wenn die flache Sonne Mosaik- und Mauerflächen modelliert.
  • Polarisationsfilter erleichtern Aufnahmen der unter Wasser sichtbaren Strukturen.
  • Drohnenaufnahmen benötigen unter Umständen eine Sondergenehmigung; Grabungsteam und zivile Luftfahrtbehörde sind vorab zu konsultieren.
  • An ruhigen Morgenstunden bietet der See selbst beeindruckende Reflexionen, die in Kombination mit den Ruinen dramatische Kompositionen ermöglichen.

Numismatik und Kleinfunde

Über die monumentalen Bauten hinaus liefert Bathonea ein reiches Spektrum an Kleinfunden, die den Alltag über Jahrhunderte hinweg greifbar machen:

  • Münzen: Bronze- und Silbermünzen von hellenistischen Prägungen bis zu spätbyzantinischen Folles. Die Häufung von Bronzenummi des 4. Jahrhunderts nahe der Zisterne deutet auf intensiven Handel in konstantinischer Zeit.
  • Glasfragmente: Reste römischer und byzantinischer Gefäße, darunter spätantike Lampenfragmente und Fensterglas aus dem Palastkomplex.
  • Metallobjekte: Eiserne Schiffsnägel und Bronzelegierungen — Hinweise auf Schiffsinstandhaltung und -reparatur im Hafen.
  • Knochen und Elfenbein: Geschnitzte Knochennadeln und Elfenbeinfragmente, vermutlich im Zusammenhang mit Textilproduktion oder persönlicher Schmuckkultur.
  • Steinwerkzeuge: Mahlsteine und Mörser aus den Wein- und Ölwerkstätten zeigen die Integration der Lebensmittelverarbeitung in das Siedlungsgefüge.

Zusammen belegen diese Funde, dass Bathonea nicht bloß Durchgangsstation, sondern eine voll funktionsfähige Siedlung mit eigener Produktionsökonomie, handwerklicher Spezialisierung und sozialer Differenzierung war.

Umwelt- und Konservierungsfragen

Die Erhaltung Bathoneas ist mehreren anhaltenden Bedrohungen ausgesetzt:

  • Urbanisierungsdruck: Die rasche westliche Expansion Istanbuls rückt jedes Jahr näher an das Gelände. Das Grabungsteam arbeitet daran, Pufferzonen um die sensibelsten Bereiche einzurichten.
  • Seeverschmutzung: Industrielle und häusliche Abwässer beeinträchtigen die Erhaltung der Unterwasserstrukturen und die ökologische Gesundheit des Geländes.
  • Schwankungen des Wasserspiegels: Natürliche und anthropogene Wasserstandsänderungen können freigelegte Strukturen erneut überfluten oder erodieren.
  • Risiko illegaler Grabungen: Die urbane Lage und das nicht vollständig eingefriedete Umfeld machen den Ort, vor allem in nicht aktiv beforschten Sektoren, anfällig für Raubgrabungen.
  • Klimafaktoren: Zunehmend intensive Niederschläge beschleunigen die Erosion freigelegter Bauglieder; Frost-Tau-Zyklen können den fragilen Mosaiken zusetzen.

Das Projekt „Erbe für die Zukunft" adressiert viele dieser Punkte mit koordiniertem institutionellem Handeln; eine nachhaltige Finanzierung und öffentliche Aufmerksamkeit bleiben für das langfristige Überleben des Ortes jedoch entscheidend.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Aydıngün, H. & Aydıngün, Ş., İstanbul Küçükçekmece Göl Havzası Kazıları (Bathonea), Istanbul, Ege Yayınları.
  • Daily Sabah, „Lost ancient harbors, lighthouse found in Istanbul's Bathonea excavations." Link
  • Türkiye Today, „Excavations uncover Viking traces at Bathonea in Istanbul." Link
  • Türkiye Today, „Thrace's oldest known winery unearthed in Türkiye's Bathonea." Link
  • Arkeonews, „Turkey's second ancient lighthouse found in the Bathonea." Link
  • Arkeonews, „A 1600-year-old writing set was unearthed in the city of Bathonea." Link
  • Arkeonews, „A 4000-year-old trading port was discovered in Istanbul." Link
  • Scientific American, „Ruins of Forgotten Byzantine Port Yield Some Answers, Yet Mysteries Remain." Link
  • TRT World, „From Hittites to Vikings: The hidden history of Türkiye's Bathonea." Link
  • The History Blog, „1,600-year-old writing set found in Istanbul." Link
  • Hürriyet Daily News, „Bathonea excavations shed light on Istanbul's history." Link
  • Anatolian Archaeology, „Bathonea excavations reveal olive oil and wine workshop." Link
  • Ancient Pages, „Excavations in ancient city of Bathonea reveal traces of Viking settlement." Link
  • İstanbul Tarihi, „Beiträge der prähistorischen Surveys und der Bathonea-Grabungen zur Geschichte Istanbuls." Link
  • Offizielle Projektseite Bathonea. Link
  • Deutsche Wikipedia, „Bathonea".
  • Deutsches Archäologisches Institut, Abteilung Istanbul — Informationen zu byzantinischer Hafeninfrastruktur (dainst.org).
  • Kulturministerium der Republik Türkei — Übersicht über die archäologischen Stätten Istanbuls.
Teilen

Standortinformationen

Breitengrad:41.033239
Längengrad:28.734374
In Google Maps öffnen